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Henry Makowski ist nicht nur Naturfilmer, sondern auch Visionär. Wolfstreifgebiete sollten künfig registriert und gekennzeichnet werden, sagt er. Ein entsprechendes Schild haben Jagdbesitzer aus dem Kreis Soltau schon mal entworfen. Foto: t&w
Henry Makowski ist nicht nur Naturfilmer, sondern auch Visionär. Wolfstreifgebiete sollten künfig registriert und gekennzeichnet werden, sagt er. Ein entsprechendes Schild haben Jagdbesitzer aus dem Kreis Soltau schon mal entworfen. Foto: t&w

„Der Wolf war nie wirklich verschwunden“

off Dahlenburg. Henry Makowski sitzt im Wohnzimmersessel, vor ihm auf dem Tisch stapeln sich Papiere, Bücher und Fotos. Der 88 Jahre alte Naturfilmer und Sachbuchautor fischt eine DVD-Hülle aus dem Stapel, „das ist er“, sagt er. Der Film zu den Ergebnissen seiner Arbeit der vergangenen drei Jahre. 2012, noch bevor der Wolf zu einem der heiß diskutiertesten Themen der Region wurde, hat Makowski angefangen, über ihn zu forschen. Weniger in der Natur, sondern vor allem in Heimatvereinen, Museen, Rathäusern, Kirchen und Jagdverbänden. „Entstanden ist daraus das wohl größte Wolfsarchiv Deutschlands“, sagt er. Ausgangsmaterial für zwei Werke. Und Grundlage für seine These: „Der Wolf war nie wirklich aus der Heideregion verschwunden.“

Erscheinen wird Ende ­April zunächst der 20-minütige Film, produziert vom Förderkreis Medienzentrum Lüneburg im Auftrag von Landrat Manfred Nahrstedt. Makowski war verantwortlich für Konzept, Drehbuch, Schnittplan und Aufnahmeleitung. Und er stellt schon mal klar: „Das ist kein Naturfilm und auch kein Dokumentationsfilm.“ Der Träger der „Goldenen Kamera“ nennt es „Orientierungsfilm“. Auf Anfrage wird der Landkreis die DVD zum Beispiel an Schulen, Kindergärten oder Bildungsprojekte abgeben. „Wir beziehen in dem Film keine Stellung für oder gegen den Wolf“, sagt Makowski. „Wir informieren.“

Inhaltlich hat der Film drei Schwerpunkte: Die Bedeutung der Wölfe in der regionalen Kulturgeschichte, das gegenwärtige Wolfsvorkommen aus Sicht der verschiedenen Interessengruppen sowie die Präsentation der Heidewölfe. Gedreht haben Makowski und Team unter anderem in Gartow, im Wolfsburger Schloss, dem Museum Hösseringen und dem Ostpreußischen Landesmuseum, der Heidekirche in Undeloh, der Göhrdeforst und dem Lüneburger Rathaus.

Was Makowski im Film nicht unterbringen konnte, verarbeiten er und seine Frau Gaby derzeit zu einem Buch unter dem Titel „Heidewölfe zwischen Mythen und Medien“, das spätestens zur Leipziger Buchmesse im März 2016 erscheinen soll. „Gerade die Suche nach dem Wolf in unserer Kulturgeschichte hat so viel spannende Informationen geliefert, dass wir sie einfach veröffentlichen müssen.“ Auch um zu beweisen, dass der Wolf in der Region nicht wie immer wieder behauptet wird seit Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben war.

„Ich habe eindeutige Belege gefunden“, sagt Makowski. Allein bis 1978 seien in Niedersachsen sieben Wölfe geschossen und eingehend untersucht worden. „Dazu kommen zwei Dutzend Tiere, die als Wölfe nicht erkannt wurden, und die Abschüsse, über die niemals gesprochen wurde.“ 1975 sei zudem ein Rudel aus einem Wildpark in der Nähe von Hamburg ausgebrochen. „Und nicht alle Wölfe sind wieder eingefangen worden.“

Interessiert habe sich damals sogar der Frankfurter Zoodirektor, Fernsehstar und von 1970 bis 1973 Bundesbeauftragter für Naturschutz, Bernhard Grzimek, für die Wölfe der Region. „Ich selbst habe ihm die Abschussplätze in der Heide gezeigt“, sagt Makowski. Beispiele, mit denen der 88-Jährige zeigen will: „Wir haben in der Heide, zwischen Heide und Aller, unsere eigene Wolfstradition.“ Und auf die sollte man sich besinnen.

Wer genau hinsieht, findet Abbildungen des Wolfes in den Heideklöstern, dem Rathaus, in Texten zur berühmten Ebstorfer Weltkarte und in zahlreichen Museen. Und Makowski will weiter über die Rolle des Wolfes in unserer Kulturgeschichte forschen auch über die Heideregion hinaus. Geplant ist in seinem Buch zum Beispiel ein Vergleich der Wolfstaktik der deutschen U-Boot-Flotte mit der Jagdtechnik der Wölfe, ein Kapitel zur Rolle der Werwölfe und zu der Frage, warum dem Wolf im Wolfsburger Wappen die Zunge heraushängt.

Ein eigenes Kapitel will der Autor zudem den Wolfsmischlingen widmen. Ein Thema, das in den aktuellen Diskussionen kaum eine Rolle spielt, Makowski aber am meisten Sorge macht. Neben den Kreuzungen, die in freier Wildbahn entstanden sind, „wächst leider auch der Schwarzmarkt für absichtlich gezüchtete Wolfsmischlinge“, sagt er. „Doch genau diese Tiere werden uns zunehmend Probleme machen.“ Auf der einen Seite an den Menschen gewöhnt, auf der anderen immer noch Beutegreifer, seien Hybriden wesentlich gefährlicher als Wölfe. Und Makowski ist überzeugt: „Bei vielen Tieren, die immer wieder in der Nähe von Siedlungen auftauchen, handelt es sich um Wolfsmischlinge.“

Henry Makowski hat sich noch viel vorgenommen. Daheim am Schreibtisch und auf Reisen. Für weitere Recherchen will er sich in diesem Jahr mit polnischen Wolfswissenschaftlern treffen, außerdem in die Abruzzen (Italien) fahren, wo Mensch und Tier mehr oder weniger unproblematisch zusammenleben. Das Thema Wolf hat ihn gepackt. Und Makowski bleibt dran. Auch mit 88 Jahren noch.

4 Kommentare

  1. Seltsam, immer mehr Wölfe neigen zu atypischem Verhalten. Müssen jetzt alle Kälber in waldnahen Gebieten abends in den Stall ? Da trifft es gerade die Bauern, die den Herden bisher Auslauf gönnten. Weil das Gaga-Wolfsexperiment Priorität besitzt, sollen jetzt Deiche und Wiesen so abgeschottet werden, dass der Wolf nicht durchschlüpfen kann ? Sieht bestimmt toll aus, vielleicht so ähnlich wie der Wald bei Melbeck, hat echtes Knastfeeling…

    Wölfe greifen erstmals Kühe an:
    http://www.welt.de/vermischtes/article133591217/Woelfe-greifen-erstmals-Kuehe-an-drei-tote-Tiere.html

    Jäger rettet sich mit Schuss vor Wolf:
    http://www.welt.de/vermischtes/article139363747/Jaeger-rettet-sich-mit-Schuss-vor-Wolf.html

    • wenn sie wissen , was angler-latein ist, wissen sie auch was jäger-latein ist. jäger haben es nicht gern, wenn andere beute machen. und wenn wildtiere vorsichtiger werden, dank dem wolf, wird es mit dem abballern schwieriger.

  2. das ist doch das typische Verhalten des nicht bejagdten Wolfes. Es wird nur ständig weggeredet. Nein, das ist ja so seltsam atypisch. Huch, da haben wir jetzt nicht mit gerechnet.