Aktuell
Home | Lokales | Körperkunst in der Garage
Die Nadel surrt, Stephanie Schneider aber kann die Schmerzen aushalten und kann sogar noch lachen: Tätowiererin Tatjana vom Studio Pink Rabbit sticht ihr ein Paar Engelsflügel auf den linken Ringfinger. Foto: t&w
Die Nadel surrt, Stephanie Schneider aber kann die Schmerzen aushalten und kann sogar noch lachen: Tätowiererin Tatjana vom Studio Pink Rabbit sticht ihr ein Paar Engelsflügel auf den linken Ringfinger. Foto: t&w

Körperkunst in der Garage

jdr Lüneburg. Was als buntes Event für Freunde der Tattoo- und Piercingkunst angekündigt war, entpuppte sich an Ostermontag in der Lüneburger Diskothek Garage für viele Besucher als herbe Enttäuschung: Es gab gerade mal drei Stände, an denen sich Fans des Körperkults tätowieren lassen konnten und keinerlei Piercingangebote. Dazu zwei Aussteller, die Kleidung und einer, der Lebensmittel aus dem Fitnessbereich präsentierten. Für eine Veranstaltung, die sich als Messe versteht, bei der Gäste Inspirationen sammeln und Künstler kennenlernen sollen, ein dünnes Angebot. Das hatte mehrere Gründe.

Wäre das Projekt nach den Vorstellungen der Organisatoren Eduard Hefle und Juri Schweizer verlaufen, hätte es zu einer aufstrebenden Szene-Veranstaltung werden können. Doch es gab Pannen. Unterschiedlich datierte Werbeflyer und Plakate sorgten bereits weit im Vorfeld für Verwirrung. Als Hauptattraktion waren zudem Tanzformationen, Bodypainting-Künstler und DJs versprochen ausgerechnet an Karfreitag. Die Stadt meldete zwei Tage vorher Bedenken an, denn laut Niedersächsischem Feiertagsgesetz darf es an diesem Tag keine Musik- und Tanzveranstaltungen geben.“Das Event ausfallen zu lassen, kam für uns zu keinem Zeitpunkt infrage“, schildert Hefle. So hatten er und sein Kollege sich entschieden, den Ostermontag als Ausweichdatum zu wählen. Doch der neue Termin ließ sich für viele eingeplante Künstler nicht mit dem eigenen Kalender vereinbaren. „Natürlich ist es uns nicht leicht gefallen, mitansehen zu müssen, wie nach und nach sämtliche Künstler aufgrund der Verschiebung abgesagt haben“, erklärt Hefle, „aber Lüneburg verdient eine Tattoo Convention und wir wollten das Beste aus der Situation machen.“

Ob das Ergebnis tatsächlich das Beste war? Zum Ärger vieler und teils weit angereister Gäste konnte von einer „Convention“ keine Rede mehr sein. Ein Aspekt, der hier und dort auch den auf 8 Euro angesetzten Eintritt bemängeln ließ. So brach auf der Facebook-Seite der Diskothek ein regelrechter Sturm der Entrüstung los, von „totaler Abzocke“ war die Rede.

Doch des einen Leid war des anderen Freud: Die Tätowierer, die vor Ort waren, hatten reichlich zu tun. So wie Ida vom Tattoo-Studio Pink Rabbit aus Hamburg-Harburg. Sie sei schon kurz nach Beginn der Veranstaltung bis 22 Uhr ausgebucht gewesen, berichtet sie: „Unser Geschäft ist montags geschlossen, daher hatten wir mit der Verschiebung kein Problem.“ Einen dieser Termine konnte sich Stephanie Schneider aus Schwarzenbek sichern, ein Paar Engelsflügel auf ihrem linken Ringfinger sollten es werden. „Für große, eher anspruchsvolle Motive habe ich meinen festen Tätowierer“, erklärt sie, „aber ich bin offen für junge Künstler und spontan.“

Bei Daniel Bauermeister vom Studio Blaumeise aus Bardowick traute sich Cathrin Link unter die Nadel. „Von wem ich mich stechen lasse, mache ich von den ausgestellten Fotos bereits angefertigter Werke, der Sympathie und der Hygiene abhängig.“ Bei Bauermeister habe alles gepasst, sagt Cathrin Link. Sie bekam einen Schriftzug, das bekannte Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut…“ aus Antoine de Saint-Exupérys märchenhafter Erzählung „Der kleine Prinz“. „Dieser Satz enthält für mich sehr viel Wahrheit, ein Großteil der Menschheit lässt sich von Vorurteilen leiten, ich möchte dagegen ein Zeichen setzen.“

Ein Zeichen soll laut Hefle auch die nächste Lüneburger Tattoo-Convention setzen. „Wir werden nochmal am Konzept arbeiten, die regionale Tattoo-Szene mehr mit in die Organisation einzubeziehen und würden die Veranstaltung dann gerne auch auf den Außenbereich ausdehnen.“