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Täuscht Bestatter seine Kunden?

rast Lüneburg. Die Asche eines geliebten Menschen in einer Urne in den eigenen vier Wänden zu haben, etwa wie in amerikanischen Filmen zu sehen auf dem Kaminsims, mag der Wunsch einiger Angehöriger sein. Doch dem steht der nach dem Feuerbestattungsgesetz von 1934 geltende Friedhofszwang entgegen. Den allerdings hat das Bundesland Bremen quasi abgeschafft. Seit Januar 2015 darf dort die Asche sogar auf Privatgrund verstreut werden die Urne auf dem Kaminsims bleibt aber auch dort weiterhin verboten. Der Friedhofszwang beschäftigt nun auch die 7. Zivilkammer des Lüneburger Landgerichts als Kammer für Handelssachen am Rande eines Prozesses.

Die Kammer kümmert sich am Donnerstag, 30. April, um eine Klage des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, der einem Bestattungsunternehmen aus dem Landkreis Celle unlauteren Wettbewerb vorwirft. Der Bestatter solle, so Gerichtssprecherin Frauke Albers, unter anderem folgende Werbeaussagen unterlassen: „Wir haben die Möglichkeit, Ihre Urne nach Hause zu senden. … Sie erhalten mit der Urne alle notwendigen Papiere für die Aufbewahrung der Urne auf unbestimmte Zeit.“

Diese Aussagen stellen nach Ansicht des Bundesverbandes eine Irreführung des Kunden dar, weil sie mit dem geltenden Friedhofs- und Bestattungszwang nicht vereinbar seien. Das beklagte Unternehmen aus dem Celler Beritt sieht indes keine Irreführung des Kunden, da dieser dem Angebot als Ganzem entnehmen könne, dass keine sogenannte Heimbestattung angeboten werde. Das Unternehmen geht davon aus, dass mit diesem Rechtsstreit eine „politische Auseinandersetzung mit den Mitteln des Wettbewerbsrechts“ geführt werden solle und verweist in diesem Zusammenhang auf die Aufhebung des Friedhofszwangs in Bremen.

Über ihre Bestattungsgesetze regeln die Bundesländer, wie mit Verstorbenen umzugehen ist. Wesentlicher Bestandteil dabei ist der Friedhofszwang, der eine Beisetzung außerhalb des Fried-hofsareals verbietet. Ausnahmen sind hier lediglich die Seebestattung und die sogenannte Baumbestattung in Friedwäldern. Der Bestatter muss die Asche an den jeweiligen Bestattungsort bringen, Angehörige selbst dürfen nicht über die sterblichen Überreste verfügen.

Die rot-grüne Mehrheit im Bremer Senat hatte sich im November 2014 gegen die CDU durchgesetzt und auch der starken Kritik beispielsweise der Kirchen getrotzt, hielt allerdings in Bezug auf die „Urne daheim“ das Verbot aufrecht. Allerdings kommen seit Inkrafttreten im Januar „grundsätzlich alle privaten Grundstücke“ für das Ausstreuen der Asche „in Betracht“. Also auch im eigenen Garten. Doch auch dafür gibt es Regeln. So muss der Mensch vor seinem Tod schriftlich festlegen, wo seine Asche verstreut werden soll, und jemanden benennen, der dann später eine Zustimmungserklärung des jweiligen Grundstückseigentümers vorlegen muss.

Beim Ausstreuen selbst darf es zu keiner unzumutbaren Beeinträchtigung der Nachbargrundstücke kommen. Und dann sind zwei Dinge tabu: Das Verstreuen darf nicht bei starkem Wind geschehen, und auf den Balkon gehört die Asche auch nicht.

One comment

  1. Der Friedhofszwang ist nicht nur eine Frechheit, es ist eine Gängelei über den Tod hinaus. In Verbindung mit Ausbeutung. Die dieses,,Gesetz,, ausgeheckt haben ,gehören an den Pranger. Die Kirche stellt doch immer gern da welche hin. Warum wohl hier nicht?