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Die nächste „neue Zukunft“

ca Lüneburg. Wieder ein neuer Eigentümer, wieder neue Konzepte für Karstadt-Häuser bei aller Unsicherheit herrscht in der Lüneburger Filiale aus Sicht von Betriebsratschef Thorsten Adler und seiner Stellvertreterin Heike Krause trotzdem eine hoffnungsvolle Stimmung: Der neue Ansatz könnte fruchten und die Jobs sicherer machen. Doch es gilt auch eine bittere Pille zu schlucken, denn die Belegschaft wird reduziert. Wieder einmal.

30 bis 40 Stellen habe der Konzern am Markt streichen wollen, sagen die Betriebsräte. Dem habe man widersprochen. Inzwischen habe man mit der Geschäftsleitung einen Weg gefunden. Der hat vor allem etwas damit zu tun, dass 25 Kollegen freiwillig ausscheiden, sagt Adler: „Ein Teil nutzt die Rente mit 63, andere gehen in Altersteilzeit, manche wechseln in die Transfergesellschaft, die wollen etwas Neues machen.“ So bleibe es bei sechs Kündigungen und fünf Änderungskündigungen, bei letzteren übernehmen Beschäftigte andere Aufgaben.

Eine Umstellung dürfte auf die Belegschaft zukommen, wenn in den nächsten Monaten sogenannte Waren-Service-Teams eingerichtet werden. Damit wird die Belegschaft spezialisiert: Die Service-Teams bereiten die Ware für den Verkauf vor. Parallel dazu stehen die Mitarbeiter im Verkauf, die Kunden beraten sollen. „Da wird es sicher Gegrummel geben“, sagt Adler. Doch er sieht auch Vorteile: Im Verkauf könnten sich die Kollegen stärker um Käufer bemühen, „sie sind von administrativen Aufgaben entlastet“. Gleichwohl applaudieren Adler und Heike Krause nicht zum Stellenabbau und sehen durch eine geschrumpfte Mitarbeiterschar Belastungen auf ihre Kollegen zukommen: „Das ist alles auf Kante genäht.“

Eine Verbesserung habe es durch einen neuen Einkaufs­chef in der Zentrale gegeben, der habe offenbar mehr Gespür dafür, was Verbraucher möchten, sagen die Arbeitnehmervertreter. Sie wünschen sich zudem, dass die Abteilungen selber mehr Mitsprache dabei haben, was ins Sortiment gelangt. Denn Nachfrage gestalte sich regional anders, vor Ort wisse man gut Bescheid über die Anliegen der Kundschaft.

Karstadt hat einen harten Weg hinter sich. Die Konzernführungen der Vergangenheit haben den einst strahlenden Warenhauskonzern arg lädiert: Häuser wurden verkauft und dann wieder angemietet, Personal wurde geschasst, die verbleibenden Mitarbeiter haben Lohneinbußen hingenommen. Trotzdem sieht Heike Krause auch Positives, was sie bei Karstadt bleiben lässt: „Wir haben hier eine fast familiäre Atmosphäre, die Zusammenarbeit ist gut.“ Und im Vergleich zu manchem Bekleidungsgeschäft in der Nachbarschaft zahle das Unternehmen mehr Gehalt.

Als sie vor 15 Jahren bei Karstadt anfing, hätten noch 400 Männer und Frauen in der Filiale gearbeitet, heute ist es etwa die Hälfte, der nächste Einschnitt kommt. Heike Krause und Thorsten Adler hoffen nun, dass dieser Stamm bleibt und endlich Sicherheit für die Crew einkehrt.

One comment

  1. N. Sobiejewski

    Karstadt
    Noch weniger Personal wobei das Personal Kundenscheu ist, denn wenn man jemanden braucht laufen die davon oder führen ihre Privatgespräche weiter. Eine Beratung ist fast unmöglich. Hoffentlich wird der Laden geschlossen und ist damit offen für ein neues Warenhaus.