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Henning Bendler kennt den Bleckeder Ölhof wie kein anderer. Seit Jahren erforscht der 52-Jährige nicht nur das Gelände, sondern auch alle historischen Quellen, die er finden kann. Die Ergebnisse führen auch zu einer möglichen Schadstoffquelle, die bisher offiziell nie als solche dokumentiert wurde. Foto: t&w
Henning Bendler kennt den Bleckeder Ölhof wie kein anderer. Seit Jahren erforscht der 52-Jährige nicht nur das Gelände, sondern auch alle historischen Quellen, die er finden kann. Die Ergebnisse führen auch zu einer möglichen Schadstoffquelle, die bisher offiziell nie als solche dokumentiert wurde. Foto: t&w

Was steckt noch im Boden vom Ölhof?

off Bleckede. Wie gefährlich sind die Altlasten des Bleckeder Ölhofes? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit nicht nur die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), auch der Bleckeder Henning Bendler sucht Antworten. Der 52-Jährige lebt mit seiner Familie seit 1999 auf dem Gelände des ehemaligen Marinetanklagers am Bleckeder Stadtrand, kennt sich mit der Geschichte des Standortes so gut aus wie kein anderer und hat zum Thema Altlast seine eigenen Recherchen gemacht – mit alarmierendem Ergebnis.

„Bisher hat man die Liste potenzieller Schadstoffe offiziell auf die bekannten, eingelagerten Kraft- und Schmierstoffe begrenzt“, sagt Bendler. Doch der Ölhof diente nicht nur als Lagerstätte, Bendler hat gleich mehrere Belege dafür gefunden, „dass hier in den letzten Kriegsjahren im großen Stil Eisenbahnkesselwagen gereinigt wurden“. Welche Stoffe dafür eingesetzt wurden? Was in den Kesselwagen war? Wo die Reinigungsflüssigkeiten geblieben sind? Fragen, die sich bis jetzt offenbar niemand gestellt hat. Dabei ist Bendler überzeugt: Sie könnten brisant werden.

Wie berichtet, gab es seit Ende des Zweiten Weltkrieges  wiederholt Hinweise auf eine Kontamination des Geländes am Bleckeder Stadtrand. Ab 1954 färbte ein auf dem Ölhof versickerter Farbstoff über mehrere Jahre das Trinkwasser in einigen Brunnen der Stadt grün. 1984 stießen Arbeiter beim Straßenbau nachweislich auf Ölschlamm aus einem alten Ausgleichsbunker. Und 1990 empfahl sogar ein Gutachter im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums eine Schadstoffanalyse des Geländes. Gehandelt hat jahrezehntelang niemand. Erst nachdem die LZ die BImA als Eigentümerin des Geländes vor zwei Wochen nach dem Gutachten fragte, versicherte Fachgebietsleiter Matthias Sperling, „dass wir jetzt nachdrücklich in die Erkundung einer möglichen Kontamination eintreten werden“.

Warum die BImA nicht früher gehandelt hat, begründet Pressesprecher Thorsten Grützner damit, „dass eine vollständige Gefahrenermittlung zunächst den zuständigen Umweltbehörden“ obliegt. Außerdem ließe sich aus den „vorliegenden Unterlagen keine konkrete Gefährdung mit sofortigem Handlungsbedarf ableiten“. Trotzdem, das versichert Grützner, werde die BImA nun „die entsprechenden Untersuchungen aus Gründen des Risikoabbaus auf eigene Kosten veranlassen“.

Schnellstmöglich soll zunächst eine „vollständige Gefahrenermittlung“ durchgeführt werden. Und Henning Bendler geht davon aus, „dass man dabei auch eine mögliche Verunreinigung als Folge der Kesselwagenreinigung mit betrachtet“. Ihn selbst stellt dieses  Kapitel des Ölhofes vor Rätsel. „Denn was genau damals hier passierte, liegt vollkommen im Dunkeln“. Herausfinden konnte er bisher nur, „dass diese Reinigungsarbeiten hier durchgeführt wurden“. Und dass 1944 täglich mehr als 150 Kesselwagen Bleckede erreichten.

Die Gefahrenerkundung übernehmen wird für die BImA die „Leitstelle des Bundes – Oberfinanzdirektion Niedersachsen“. Liegen die Ergebnisse vor, entscheidet sich, ob eine Schadstoffsanierung auf dem Ölhof-Gelände notwendig ist – und in welchem Ausmaß.

Wie aufwendig die Beseitigung der Altlasten werden kann, zeigt ein Blick nach Achim an der Weser. Dort betrieb die Kriegsmarine eine Schwesteranlage zum Bleckeder Ölhof mit insgesamt 36 Großtanks, verteilt auf zwei Grundstücke. Eins davon hat vor knapp 15 Jahren die Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft „Achimer Stadtwald“ mbH & Co. KG gekauft, um dort Wohnhäuser zu errichten. „Sechs große Tankanlagen haben wir inzwischen entfernt, den Boden, der unterschiedlich stark mit Schweröl belastet war, entfernt und entsorgt“, sagt Geschäftsführer Manfed Huhs. Die Kosten? „Mindestens eine Million Euro pro Tankanlage.“

Doch auch in Achim werden nicht alle alten Anlagen entfernt. 22 Tanks sollen nach wie vor unter der Erde des zweiten Grundstückes im Besitz der Stadt Achim bleiben – allerdings nur aus einem Grund. „Dort schützt eine 20 Meter dicke Lehmschicht das Grundwasser“, sagt Huhs. Anders in Bleckede: Dort hat sich der grüne Farbstoff vom Ölhof über die ganze Stadt verteilt. Und auch die Gutachter haben 1991 festgestellt, „dass nach derzeitigem Informationsstand über die Untergrundverhältnisse eine gute Ausbreitungsmöglichkeit für Schadstoffe auf dem Grundwasserpfad anzunehmen“ ist.