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Von der  Biogasanlage in Südergellersen soll verunreinigtes Oberflächenwasser in den Südergellerser Bach geflossen sein. Geprüft wird auch ein Zusammenhang mit der Verschmutzung des Hasenburger Mühlenbachs auf dem Lüneburger Stadtgebiet. Foto: t&w
Von der Biogasanlage in Südergellersen soll verunreinigtes Oberflächenwasser in den Südergellerser Bach geflossen sein. Geprüft wird auch ein Zusammenhang mit der Verschmutzung des Hasenburger Mühlenbachs auf dem Lüneburger Stadtgebiet. Foto: t&w

Gewässer durch Biogas-Anlage Südergellersen verunreinigt

kre Südergellersen/Lüneburg. Die Behörden sind weiter auf der Suche nach dem illegalen Schlamm-Einleiter in den Hasenburger Mühlenbach und dabei offenbar auf eine weitere Gewässer-Verunreinigung gestoßen: Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nahmen im Auftrag des Landkreises Lüneburg in Höhe der Biogasanlage in Südergellersen an verschiedenen Stellen Wasserproben aus dem Südergellerser Bach. „Es besteht der Verdacht, dass verunreinigtes Oberflächenwasser aus der Biogas-Anlage in das Gewässer geflossen ist“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Beim NLWKN werden die Proben nun untersucht. Die Ergebnisse werden anschließend mit den Proben verglichen, die bereits am Hasenburger Mühlenbach genommen worden waren (LZ berichtete). Sind sie identisch, könnte in der Tat der mögliche Verursacher gefunden worden sein, denn der Südergellerser Bach mündet vor Heiligenthal in den Hasenburger Mühlenbach. Der Geschäftsführer der Anlage indes kann sich das nicht vorstellen: „Das hätten wir doch bemerkt.“

In die weiteren Ermittlungen wurden jetzt auch das Gewerbeaufsichtsamt und die Polizei wegen des Verdachts einer Straftat der Gewässerverunreinigung eingeschaltet.
Bei einem Ortstermin am Mittwoch in Südergellersen hatte das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Anzeichen dafür festgestellt, dass das Auffangbecken für Oberflächenwasser auf dem Betriebsgelände in der Vergangenheit übergelaufen war. Das Becken fängt sämtliches auf dem Betriebsgelände anfallendes verunreinigtes Oberflächenwasser auf inklusive der Sickersäfte aus dem zur Verarbeitung in der Anlage lagernden Pferdemist. ,,Aufgrund von Spuren jenseits des Havariewalls der Biogasanlage lässt sich der Verlauf des Oberflächenwassers über eine angrenzende Wiese bis hinunter zum Südergellerser Bach nachvollziehen“, erklärt Christina Freifrau von Mirbach vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt und fügt hinzu: „Ob allerdings dieser Einlauf von Oberflächenwasser vom Betriebsgelände der Biogasanlage ursächlich ist für die Verunreinigung des Hasenburger Mühlenbachs, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch ergeben.“

Der Landkreis jedenfalls hat schnell reagiert und als Sofortmaßnahme einen Sandwall zwischen Biogas-Anlage und Südergellerser Bach aufschütten lassen damit nicht noch mehr Sickersäfte in das Gewässer gelangen. Zudem hat der Kreis dem Unternehmen aufgegeben, den Graben vor dem Gewässer regelmäßig abzupumpen. „Jetzt müssen die Gewässer-Analysen zeigen, inwieweit der Bach belastet ist“, sagt Holzmann.

Gewerbeaufsichtsamt und Landkreis fordern zudem vom Betreiber der Biogasanlage das Einholen eines Bodenschutzgutachtens durch einen Sachverständigen. „Das Gutachten wird sowohl das Betriebsgelände der Biogasanlage als auch die angrenzende Wiese umfassen“, sagt von Mirbach. Die Beprobungspunkte wurden bereits gestern mit dem Bodenschutzsachverständigen abgestimmt.

In den Fokus des Fachdienstes Umwelt geriet die Biogasanlage, nachdem klar war, dass die Schlammablagerungen im Hasenburger Mühlenbach nicht aus dem Stadtgebiet kommen. ,,Also haben wir auf der Karte geschaut, wo außerhalb der Stadt Einleitungen in das Gewässer möglich wären, etwa durch das Ablassen von Teichen oder eben durch den Betrieb von Biogasanlagen“, erläutert Holzmann. Unklar ist derzeit allerdings, ob die Südergellerser Anlage tatsächlich auch für die Verunreinigung des Hasenburger Mühlenbachs verantwortlich ist.

Wie berichtet, war der Hasenburger Mühlenbach in den 1990er-Jahren für rund 800000 Mark renaturiert worden. 2014 hatte die Sportanglerkameradschaft ein Renaturierungskonzept für die Wiedereinbürgerung von Meerforellen und Lachsen durchgeführt. Alles Anstrengungen, die der ehemalige Hochschullehrer und Sachverständige für Ornithoökologie, Karl-Wilhelm Kirsch, durch die Schlamm-Einleitungen bedroht sieht: ,,Der Bach war schwarz von Schlamm, die Sichttiefe gleich null“, berichtete der Lüneburger vor wenigen Tagen gegenüber der LZ. Für ihn steht fest: „Damit ist alles Leben bis auf Weiteres in diesem Gewässer abgestorben.“