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Mathias Baalk hat alles im Griff: Der Neuhäuser ist seit gut einen Jahr Fährführer auf der Tanja. Er Hofft dass er das auch noch lange bleiben kann. Foto: t&w
Mathias Baalk hat alles im Griff: Der Neuhäuser ist seit gut einen Jahr Fährführer auf der Tanja. Er Hofft dass er das auch noch lange bleiben kann. Foto: t&w

„Tanja“ bringt Menschen zusammen – Fährbetreiber feiern 25-jähriges Bestehen

kre Neu Darchau. Seit einem Vierteljahrhundert verbindet die Fähre „Tanja“, was zusammengehört: das Ost- und das Westufer der Elbe. Die Gemeinde Amt Neuhaus mit dem restlichen Niedersachsen. Und umgekehrt. Je nach Sichtweise. Auf alle Fälle aber ein Grund zum Feiern. Das taten die Betreiber der ,,Tanja“ am Sonntag auch. Ganz ungezwungen. Bei herrlichem Frühlingswetter, Bratwurst, Fischbrötchen, Freibier und viel guter Laune.

Logisch, dass bei so einem Ereignis auch die eine oder andere Geschichte zum Besten gegeben wurde. Etwa die: Dass nämlich die erste Fähre, die nach dem Fall der Mauer Darchau am Ostufer ansteuerte, noch eine Leihgabe der Firma Anker aus Lüneburg war. ,,Die Luna“, erinnert sich Neu Darchaus Bürgermeister Klaus-Peter Dehde. Dann erst kam die erste ,,Tanja“ — noch deutlich kleiner als die aktuelle. Vorher hatte sie auf dem Rhein ihren Dienst verrichtet, 1990 wurde sie für 480000 Mark an die Elbe verkauft. Drei Jahre lang pendelte sie zwischen Neu Darchau und Darchau. Doch weil ihre Kapazitäten nicht mehr ausreichten, wurde sie durch die die jetzige „Tanja“ abgelöst.

Dass die Besatzung der „Tanja“ seit nunmehr 25 Jahren die Menschen zuverlässig und sicher über die Elbe bringt, darauf ist Fährführer Frank Stoll schon stolz. Genauso, wie sein Kollege Mathias Baalk, der erst seit gut einem Jahr als Fährführer am Steuer der knapp 46 Meter langen Fähre steht. Der 35-Jährige ist Neuhäuser. Er kennt — natürlich — die Forderung nach dem Bau der Elbbrücke. Nicht nur die Neuhauser versprechen sich von ihr eine bessere Anbindung an den Rest des Landkreises Lüneburg und nicht zuletzt auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Baalk selbst hat sie bislang nicht vermisst. Auch nicht vor seiner Zeit auf der Brücke der „Tanja“. Denn sein alter Arbeitsplatz war in Hamburg. ,,Da konnte ich gut über Lauenburg und Geesthacht hinfahren.“ Aber er versteht, dass sich vor allem Pendler die Brücke wünschen.

Geweckt wurde dieser Wunsch in der Euphorie der Wiedervereinigung. Die Politiker versprachen damals den Bürgern nicht nur blühende Landschaften, sondern auch die feste Elbquerung. Seit vielen Jahren also wird nun geplant, gerechnet, debattiert und demonstriert, prozessiert, verworfen und wieder neu geplant. ,,Aber das genau ist das Problem“, glaubt Baalk. Horrende Beträge an Steuergeldern seien ausgegeben worden. Wofür nur? „Vielleicht wäre es besser, wenn der Staat stattdessen die Nutzung der Fähre komplett subventioniert“, glaubt Baalk.

Der Fährführer sagt das nicht nur, weil er nach Möglichkeit bis zu seiner Rente am Steuerpult der „Tanja“ stehen möchte — was noch ziemlich lange hin ist –, sondern weil er glaubt, dass damit den Pendlern hüben wie drüben tatsächlich geholfen wäre. Ihre Fahrtkosten von und zur Arbeit würde sich mit Wegfall der Fährkosten doch deutlich reduzieren. Oder wie es ein Besucher jetzt ausdrückte: ,,Wir müssen dann keinen Eintritt mehr in den Landkreis Lüneburg bezahlen.“

Dass eine Brücke Aufschwung und Touristen in die Region bringt, glaubt zumindest in Neu Darchau niemand. Am wenigsten Bürgermeister Dehde: Er lehnt die Pläne, die seinen Ort durchschneiden, kategorisch ab. Mehr noch: Für ihn ist die Brückendiskussion ein Damoklesschwert, das über den Köpfen schwebt: Ob es um den gescheiterten Ausbau des Sportboothafens ging oder um die technische Aufrüstung der Fähre „Tanja“: Immer muss das Gemeindeoberhaupt erklären, warum die Kommune dafür Geld ausgeben wolle, wenn doch bald die Brücke komme.

Doch diese Diskussion nehmen auch Fährführer Frank Stoll und seine Kollegen inzwischen gelassen: So wie das Wetter, das sie auch nicht ändern können.

Rund zehn Millionen Passagiere haben sie im vergangenen Vierteljahrhundert über die Elbe gesetzt — am Sonntag kamen einige hundert weitere dazu. Fußgänger, Auto- und Motorradfahrer und Ausflügler. Und manche entdeckten zum erstenmal den Reiz einer Fährfahrt über die Elbe: So wie Katja Huger aus dem Herzogtum Lauenburg, die mit ihrer Familie nach Hitz­acker wollte. Die Fahrt über den Strom genoss sie sichtlich — die Nase im Wind…

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