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Für Ulrich Hoyer sind Wahlerfolge von Parteien kein Zufall, sondern planbar. Wie Erfolge geplant werden können, präsentierte der 62-Jährige jetzt im Hotel Bergström. Foto: t&w
Für Ulrich Hoyer sind Wahlerfolge von Parteien kein Zufall, sondern planbar. Wie Erfolge geplant werden können, präsentierte der 62-Jährige jetzt im Hotel Bergström. Foto: t&w

Wahlkampf-Coach Ulrich Hoyer: „Gewählt wird der Kümmerer“

mm Lüneburg. Erfolg ist ihm beschienen. Bei einer Partei, die in den vergangenen Jahren bei Wahlen nicht gerade mit triumphalen Ergebnissen geglänzt hat: der FDP. Ulrich Hoyer strampelte mit seinem Ortsverband im münsterländischen Everswinkel jedoch stets gegen die Abwärtsspirale. Über 20 Jahre lang war er Vorsitzender, schaffte den Sprung bei Gemeinderatswahlen von 8 Prozent, auf knapp 10, dann über 12, 17, bis sogar 22 Prozent (2009). Als Motivator für die Kommunalwahlen 2016 kam Hoyer, der mittlerweile als Erfolgscoach durch die Republik tourt, nun nach Lüneburg. Auf Einladung der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung hielt der 62-Jährige im Hotel Bergström einen Vortrag, wie Wahlkämpfe erfolgreich geführt werden können. Nicht nur bei seiner Partei.

Sollte, hätte, könnte, würde, seien alles Begriffe, die im Wortschatz von Politikern nicht vorkommen sollten. Dafür: machen. Was man zu machen beabsichtige, sollte gebetsmühlenartig wiederholt werden. Wie es vor etwa 2000 Jahren der römische Politiker Cato vormachte. In der Zeit vor Beginn des dritten punischen Krieges zwischen Rom und Karthago, soll der Staatsmann jede seine Reden mit dem Satz beendet haben: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“. Karthago wurde zerstört.

Nun wollen Parteien ja aber nicht zerstören, dafür aber Wahlkämpfe gewinnen. „90 Prozent des Erfolgs liegen in der Vorbereitung, der Rest ist Glück“, meint Hoyer. Zuerst müssten Ziele formuliert und niedergeschrieben anschließend überprüft werden, ob sie auch eingehalten wurden. Ziele, könnten auch Ideen sein, die erstmal auf Ablehnung stoßen. „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorneherein ausgeschlossen wird“, zitiert Hoyer dazu Albert Einstein.

Wie aber können Ideen durchgesetzt werden? Hoyer: „Von einem starken Team mit dem richtigen Anführer“. Ein Team müsse aus Charakteren geformt werden, die „menschlich zueinander passen“. Es sollte flache Hierachien geben, die Mitglieder aus verschiedenen Berufen und Vereinen kommen und „Fachkompetenz besitzen“. Das Rudel anführen sollte jemand, der „eine angesehene Persönlichkeit darstellt, Führungserfahrung und Autorität besitzt, als Moderator wirken und Überzeugungsarbeit leisten kann“. Dass Hoyer weiß wovon er spricht, beweist nicht nur der Erfolg mit seinem Ortsverband. Als Wahlkämpfer gründete er auch 15 weitere Ortsverbände, denen der Einzug in ein kommunales Parlament gelang.

Wahlkampf sei „eine Frage der Perfomance“. Anliegen der Bürger müssten erkannt und gelöst werden, Lösungen dann auch medienwirksam transportiert werden. An Info-Ständen dürften sich die Lokalpolitiker „nicht verstecken“, sondern „sich immer zentral positionieren und dort dann gute Laune verbreiten“. Pavillons seien übrigens besser, als „einfache Tische“.

Doch nicht nur draußen müssten Politiker Präsenz zeigen. Auch in der Online-Welt, in sozialen Medien wie etwa Facebook und Twitter. Das aber mehr „als Unterstützung“. Einen zu hohen Einfluss beim Buhlen um die Wählergunst mag Hoyer den Online-Kanälen nämlich nicht beimessen. Denn: „Gewählt wird am Ende der Kümmerer, der bei den Menschen ist“, weiß der Motivator aus Erfahrung.