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Im Roten Feld 
übt Mentorin Dietrun Freiesleben regelmäßig mit (v.l.) Nicole, Clemens und Enzo. Der Verein wird zehn Jahre alt, er hat sein Büro in den Räumen der Handwerkskammer an der Friedenstraße und ist telefonisch unter 8980614 oder über www.mentor-lueneburg.de zu erreichen. Foto: t&w
Im Roten Feld übt Mentorin Dietrun Freiesleben regelmäßig mit (v.l.) Nicole, Clemens und Enzo. Der Verein wird zehn Jahre alt, er hat sein Büro in den Räumen der Handwerkskammer an der Friedenstraße und ist telefonisch unter 8980614 oder über www.mentor-lueneburg.de zu erreichen. Foto: t&w

Spielerisch den Anschluss schaffen: Verein Mentor Lüneburg wird zehn Jahre alt

ahe Lüneburg. Natalie fällt das Lesen leicht, schon nach wenigen Wochen in der Schule konnte sie erste Sätze lesen, längst hat die Zweitklässlerin ihre ersten Bücher verschlungen. Ihrem Klassenkameraden Leon dagegen fällt das Lesen deutlich schwerer. Gerade längere Wörter bereiten ihm noch große Probleme. Das ist ganz normal, schließlich lernen Kinder unterschiedlich schnell. Manche brauchen eben etwas länger, dafür haben sie womöglich in anderen Bereichen mehr auf dem Kasten als ihre Mitschüler. Doch Lesen ist auch eine elementar wichtige Fähigkeit, und damit jene, die sich damit etwas schwerer tun, in der Schule nicht gleich den Anschluss verlieren, üben Ehrenamtliche regelmäßig mit ihnen. Die Leserlernhelfer des Vereins Mentor sind an den Grundschulen Lüneburgs zu unverzichtbaren Helfern geworden. Jetzt feiert der Verein seinen ersten runden Geburtstag.

Hannover war das Vorbild. Als sich eine kleine Gruppe um Susanne von Stern im Jahr 2005 auf den Weg machte, Lüneburger Schüler beim Lesenlernen zu unterstützen, orientierte sie sich am namensgleichen Verein, der bereits in der Landeshauptstadt aktiv war. Zum Start machten sich zehn Lüneburger ans Werk, Susanne von Stern wurde zur Vorsitzenden gewählt und hatte in Bernd Althusmann, dem späteren Kultusminister Niedersachsens, ihren Vertreter. „Mentoren sind keine Märchentanten und Märchenonkel“, machten die Pioniere damals gleich klar. Denn nicht die Erwachsenen sollten den Kindern vorlesen, sondern umgekehrt.

Längst geht es nicht mehr nur ums Lesen, sondern um die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz. Dabei helfen auch Gespräche, Brett- und Bewegungsspiele oder auch gemeinsame Lieder. „Vertiefung, Verstetigung, Kontinuität“ laute die Maxime, sagt Dietrun Freiesleben, aktuelle Mentor-Vorsitzende: „Und wir fangen grundsätzlich mit Spielen an, um zu sehen, was die Kinder schon gut können und was noch nicht.“ So können sich die Ehrenamtlichen besser auf ihre Schüler einstellen. Rund 100 Mentoren, von der Studentin bis zum Rentner, sind heute regelmäßig, das heißt ein- bis zweimal pro Woche, in den Schulen in Stadt und Landkreis, um dort mit einzelnen Kindern oder in Kleingruppen zu lernen. Mit manchen Kindern üben sie ein halbes Jahr lang, mit anderen zwei Jahre stets in Absprache mit den Klassenlehrern. In 50 Schulen gehören die Mentoren inzwischen zum Personal, pro Schuljahr werden rund 300 Kinder auf diese Weise zusätzlich gefördert.

Der Bedarf wäre dabei durchaus noch größer. Denn auch wenn die Freiwilligenbörse im Januar dem Verein gerade erst wieder zehn neue Mentoren beschert hat, es hören ja auch immer wieder Ehrenamtliche auf. Die Schulen jedenfalls würden sich über weitere Leselernhelfer freuen.

Dietrun Freiesleben hat zuletzt in der Schule Im Roten Felde und in Häcklingen als Mentorin gewirkt. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Der Text muss interessant sein und man muss die gemeinsame Zeit lebendig gestalten, dann machen die Kinder auch mit.“ Die pensionierte Lehrerin zählt zu den Gründungsmitgliedern, doch mit dem zehnten Geburtstag des Vereins hört sie nun auf. „Es reicht, ich habe anderes vor. Ich möchte intensiv weben und eigene Erfahrungen aus der Nachkriegszeit aufschreiben. Das wollte ich früher schon machen, aber mir ist Mentor dazwischengekommen“, sagt sie und lacht. Doch bereut hat sie die Planänderung nicht: „Es war eine sehr schöne Zeit.“

Den Vorsitz gibt sie an ihre Stellvertreterin Eva Vogt ab. Die will sich, inzwischen ebenfalls 76 Jahre alt, zwar auf absehbare Zeit auch zurückziehen, den Verein aber nicht im Regen stehen lassen, wenn das Führungsduo gleichzeitig aussteigen würde. „Deshalb übernehme ich das erstmal kommissarisch“, sagt sie. „Ich hoffe, dass wir bald Nachfolger finden.“

Feierstunde in der Musikschule

Gefeiert wird der 10. Geburtstag des Vereins am Sonnabend, 18. April, im Forum der Musikschule, die öffentliche Veranstaltung beginnt um 11 Uhr. Neben Redebeiträgen von Bürgermeister Eduard Kolle und Mentor-Gründerin Susanne von Stern sowie Grußworten von Funktionsträgern wird Karin Hueck als Leiterin der Mentor-Außenstelle Rosengarten Kinder zum Thema Bücherlesen interviewen. Lehrerin Frigga Schnelle wird mit ihren Schülern der Schule Im Roten Felde für Musik sorgen und einen Sketch aufführen. Unter der Leitung von Dietrun Freiesleben tragen Kinder Verse zum Mitreimen vor, im Rahmen der Feierstunde wird die Mentor-Leiterin zudem offiziell verabschiedet. Mentorin Angelika Stolte berichtet von ihrer Tätigkeit als Leselernhelferin. Der Höfische Tanzkreis zeigt Barock-Tänze. Im Anschluss gibt es Getränke und einen kleinen Imbiss im Foyer.