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Pastor Fryderyk Tegler, Kerstin Harms und Dr. Manfred Weingart bitten als gerade wiedergewählter Vorstand der Freunde Masurens in diesem Jahr um Fahrradspenden, auch, um eine Fahrradwerkstatt in Masuren anzuschieben. Foto: nh
Pastor Fryderyk Tegler, Kerstin Harms und Dr. Manfred Weingart bitten als gerade wiedergewählter Vorstand der Freunde Masurens in diesem Jahr um Fahrradspenden, auch, um eine Fahrradwerkstatt in Masuren anzuschieben. Foto: nh

Sammelaktion für Werkstatt-Projekt: 100 Räder, ein Stück Hoffnung

off Scharnebeck. Die Idee entsteht auf den Straßen Masurens. Während eines Hilfstransportes sitzt Kerstin Harms neben Pastor Fryderyk Tegler in der Fahrerkabine eines weißen Lieferwagens, gedankenverloren schaut sie aus dem Fenster und beobachtet eine ältere Frau auf einem klapprigen, alten Damenfahrrad. Unwillkürlich muss sie an zu Hause denken, an die vielen guten Fahrräder, die in irgendwelchen deutschen Garagen stehen, zu schade zum Wegwerfen, aber schon seit Jahren nicht mehr genutzt. In den nächsten Tagen taucht das Bild immer wieder in ihrem Kopf auf, wenige Wochen später hat die Bienenbüttelerin Nägel mit Köpfen gemacht und das nächste Hilfsprojekt für Masuren angeschoben.

Als Vorsitzende der Freunde Masurens hat Kerstin Harms schon viele Sammelaktionen gestartet, gemeinsam mit Pastor Tegler gespendete Rollstühle, Gehstützen, Hörgeräte, Kleider und Weihnachtsgeschenke für Kinder nach Masuren gebracht. In diesem Jahr bittet sie um Fahrräder, „egal ob sie kaputt oder heil, alt oder neu, für Männer, Frauen oder Kinder sind“, sagt sie. Zusammen mit Krzysztof Mutschmann, Pastor in der Gemeinde Sorwity/Sorquitten, wollen Tegler und sie eine Fahrradwerkstatt in dem masurischen Ort aufbauen. Und damit bestenfalls doppelt helfen.

„In Masuren gibt es kaum Industrie“, sagt Pastor Tegler, „das einzige, was die Menschen dort haben, ist der Tourismus.“ Doch die Saison beginnt in der Regel nicht vor Mai und endet schon wieder im September. „Viele Menschen sind den Winter über arbeitslos und fallen in ein Loch, manche trinken, verlieren die Hoffnung, haben psychische Probleme.“ Sie sollen in der Fahrradwerkstatt die Möglichkeit erhalten, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben und abends mit dem Gefühl nach Hause zu kommen, etwas geschafft zu haben. „Gerade versuchen wir noch durchzusetzen, dass die Menschen für ihre Arbeit auch ein bisschen Geld bekommen“, sagt Tegler. Den Landrat haben sie bereits ins Boot geholt, „den Regierungspräsidenten überzeugen wir gerade“.

Verkauft werden sollen die reparierten, geputzten und polierten Fahrräder für neues Material, den guten Zweck und einen fairen Preis. „Damit sich auch die ärmeren Leute mal ein neues Fahrrad leisten können“, sagt Kerstin Harms. Für viele Menschen in der Region sei das Rad das einzige Verkehrsmittel, „ein Auto kann sich kaum jemand leisten“. Starten soll die Fahrradwerkstatt pünktlich zum Ende von Tourismussaison und Schulferien am 1. September. Mindestens 100 Fahrräder will Kerstin Harms dann gesammelt und nach Sorwity/Sorquitten gebracht haben. „Und ich hoffe, dass mir die Menschen hier dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.“

Genug Platz zum Lagern der gespendeten Fahrräder organisiert Harms gerade. Für den Transport der Räder nach Masuren hofft sie auf Unterstützung. „Vielleicht von jemandem, der uns einen großen Lkw leiht oder den Transport irgendwie organisieren kann.“ Fahrradspenden nimmt der Verein ab sofort an, „Abgabe nach kurzer Rücksprache“, sagt Harms. Wer ein Fahrrad für Masuren spenden möchte, kann sich melden unter %05823/7649, ab 1. Mai auch unter Tel.: 04136/910573.