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Vor dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover demonstrieren Schüler und Lehrer gegen die Pläne der Landesregierung, Wochenstunden in den Fächern Musik, Kunst und Darstellendes Spiel zu halbieren. Foto: nh
Vor dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover demonstrieren Schüler und Lehrer gegen die Pläne der Landesregierung, Wochenstunden in den Fächern Musik, Kunst und Darstellendes Spiel zu halbieren. Foto: nh

Widerstand gegen Kürzungspläne in den Fächern Musik, Kunst und Darstellendes Spiel

mm Lüneburg. Aus Reihen von Künstlern, Musikern, Schauspielern, Pädagogen und Intellektuellen sind Klagelieder zu hören. Die niedersächsische Landesregierung beabsichtige, im Zuge der Schulgesetzesnovelle den Unterricht in den Fächern Musik, Kunst und Darstellendes Spiel einzudampfen. Auch an Gymnasien in Lüneburg. Wie berichtet, sollen ab dem Schuljahr 2015/16 zwei Wochenstunden weniger unterrichtet werden. Auf breiten Widerstand trifft das Vorhaben auch im Internet. Die Landesregierung hält die Kritik für unbegründet.

„Ich bin erschüttert, dass die rot-grüne Regierung, anders als im Wahlprogramm 2012 vorgesehen, im musisch-künstlerischen Zweig Stunden reduzieren will“, erklärt Professor Pierangelo Maset von der Leuphana Universität Lüneburg. Er gehört zu den Erstunterzeichnern eines Appells zur Rücknahme der Kürzungspläne, der als offener Brief an SPD-Ministerpräsident Stephan Weil und die für Schule, Kultur und Wissenschaft zuständigen Ministerinnen Frauke Heiligenstadt (SPD) und Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) verschickt wurde. Der Brief trägt die Unterschriften von 83 prominenten Kulturschaffenden, darunter Schauspieler wie Maria Schrader und Katja Riemann, Künstler wie Rudolf Schenker, Klaus Stadeck und Timm Ulrichs oder Intellektuelle wie Oskar Negt. Eine Online-Petition zum selben Thema zählt rund 16000 Unterstützer.

Offiziell weist die Landesregierung Berichte zurück, wonach bei der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren Unterrichtsstunden im künstlerisch-musischen Zweig reduziert würden. Auf LZ-Anfrage erklärt Susanne Schrammar, Sprecherin im Niedersächsischen Kultusministerium: „Kein Fach erhält auch nur eine Stunde weniger auf dem Weg zur Hochschulreife, als im Abitur nach zwölf Jahren auch bei Kunst, Musik und Darstellendem Spiel wird nicht gekürzt“.

Dem setzen die Protestler entgegen, dass die Anzahl zwar gleich bliebe, durch die Streckung aber Wochenstunden wegfielen, statt vier dann nur noch zwei unterrichtet würden: „Das kommt insgesamt einer Kürzung gleich“, sagt Maset.

Aufstocken möchte die Landesregierung hingegen die Stundenzahl in anderen Fächern: „Durch die zusätzlich eingerichtete Einführungsphase als 11. Schuljahrgang stehen bis zum Eintritt in die Qualifikationsphase insgesamt 17 Stunden mehr zur Verfügung. Mit diesen Stunden wird die Landesregierung die Kernkompetenzen der Schüler in Deutsch, Mathe und den Fremdsprachen fördern, sowie das Fach Politik/Wirtschaft als Ankerfach für die Berufs- und Studienwahlorientierung deutlich stärken.“

Maset meint: „Musisch-künstlerische Fächer haben einen besonders hohen Stellenwert, da die Fächer andere Sensorien ansprechen, gerade die Gestaltungs- und Ausdrucksformen von Schülern fördern, die vielleicht Defizite im sprachlichen und mathematischen Bereich haben, etwa Schüler mit Migrationshintergrund oder Behinderung.“ Weniger Stunden pro Woche in Musik, Kunst und Darstellendem Spiel hätten „bildungspolitische Langzeitfolgen, die negativ sind“.