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Dreimal schon wurde die Hindenburgstraße in Lüneburg umbenannt, zuletzt 1952. Ein viertes Mal soll es nicht geben. Foto: A./t&w
Dreimal schon wurde die Hindenburgstraße in Lüneburg umbenannt, zuletzt 1952. Ein viertes Mal soll es nicht geben. Foto: A./t&w

Beibehaltung der Straßennamen: Kopf und Hindenburg bleiben

us Lüneburg. Dreimal schon wurde die Hindenburgstraße in Lüneburg umbenannt, zuletzt 1952. Ein viertes Mal soll es nicht geben, auch die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Straße soll ihren Namen behalten. Einen entsprechenden Beschluss fasste jetzt der Kulturausschuss des Rates, der damit einer Vorlage der Stadtverwaltung folgte. Statt einer Umbenennung soll mittels QR-Codes und Hinweistafeln an den Straßenschildern über die umstrittenen Namensgeber informiert werden. Die Entscheidung im Kulturausschuss fiel knapp und anders als gewohnt aus: Während die Grünen überwiegend gegen die Beibehaltung stimmten und damit nicht ihrem roten Gruppenpartner folgten, stimmten SPD und CDU gemeinsam für den Vorschlag, die Linken dagegen. Am Ende gab es fünf Stimmen für und drei gegen die Vorlage der Stadt, Ernst Bögershausen (Grüne) enthielt sich.

„Ich bin froh, dass wir heute einen Schritt weiterkommen“, sagte Friedrich von Mansberg (SPD) zu Beginn der Diskussion. „Es ist aber nur ein Schritt, denn erledigt ist das Thema damit nicht.“ Schließlich seien die Biografien und Lebensleistungen beider Namensgeber „äußerst komplex und zutiefst fragwürdig“. Die Zeit des Dritten Reichs liege inzwischen weit zurück, Zeitzeugen würden immer weniger. Daher seien Anreize wichtig, sich mit dem Thema Nationalsozialismus, in den beide Namensgeber verflochten seien, auseinanderzusetzen. „Straßennamen sind dazu geeignet.“

Von Mansberg regte daher an, sich der Empfehlung der Historikerin Dr. Teresa Nentwig anzuschließen, die statt einer Umbenennung Zusatzschilder empfiehlt. In ihrer Biografie über den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich-Wilhelm Kopf hatte sie herausgearbeitet, dass er in der NS-Zeit vom Verkauf jüdischen Eigentums profitiert hat. Dies hatte eine landesweite Diskussion über die Umbenennung von Straßen und Plätzen ausgelöst, auch in Lüneburg (LZ berichtete).

„Die Umbenennung ist wichtig, wenn man sich als Stadt nicht lächerlich machen will“, entgegnete Alfons Bauer-Ohlberg (Grüne). Auch bezeichnete er die Nachbarschaft dieser Straße zu den anderen Straßen in Kaltenmoor, die nach Widerstandskämpfern benannt sind, als „peinlich und ohne Feingefühl“. Mit der Beibehaltung der Straßennamen demonstriere der Rat vielmehr seine „provinzielle Faulheit“ eine Aussage, gegen die sich Eckhard Neubauer (SPD) verwahrte: „Wir führen diese Diskussion seit fast 50 Jahren.“

Geschichte werde nicht bewältigt, indem Denkmäler, Straßennamen und Bücher beseitigt würden, hielt Renate Rudolph (CDU) einer Umbenennung entgegen. „Eine politisch agierende Person muss aus der Situation, in der sie gehandelt hat, beurteilt werden.“ Straßennamen könnten zudem Erinnerungen hervorrufen und müssten nicht immer glorifizieren.

Für Michèl Pauly (Linke) bedeute die Beibehaltung der Straßennamen eine „Art der Würdigung der Person, dessen Namen die Straße trägt“ und sei daher abzulehnen. Auch von den QR-Codes, die als grafische Elemente an den Straßenschildern angebracht werden und mittels derer Smartphones digitale Informationen aus dem Internet abrufen können, hält Pauly nichts: „Die wenigen, die das nutzen würden, wissen das ohnehin.“ Auch Jens Kiesel (FDP/Rentnerpartei) wandte sich gegen die Beibehaltung und die Geschichts-Vermittlung über QR-Codes: „Informationen gehören in die Geschichtsbücher und an die Gedenkstätten.“

„Wer glaubt, dass es im Leben eines Menschen nicht auch Lebensbrüche gibt, muss sich nur mit dem Widerstandskämpfer Graf Schenk von Stauffenberg befassen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge mit Blick auf die Biografie von Hinrich-Wilhelm Kopf, zu dem auch gehöre, dass er sich nicht zu seinen Fehlern bekannt habe. Straßennamen aber könnten Mahnmale sein, und wer jetzt beginne, die Diskussion „mit dem Radiergummi zu beenden“, müsse sich auch fragen: „Welche Namen sollen dann noch weg?“