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Zwei Sicherheitsschleusen wie diese hier im Landgericht werden in der Ritterakademie platziert, durch eine gelangen Medienvertreter, durch die andere Zuhörer. Zudem werden die Besucher abgetastet.  Foto: be
Zwei Sicherheitsschleusen wie diese hier im Landgericht werden in der Ritterakademie platziert, durch eine gelangen Medienvertreter, durch die andere Zuhörer. Zudem werden die Besucher abgetastet. Foto: be

Lüneburger NS-Prozess: Ritterakademie als Festung

rast Lüneburg. Wenn morgen, am 21. April, mit dem Verfahren gegen Oskar Gröning (93), dem Beihilfe zum Mord in 300000 Fällen vorgeworfen wird, der vielleicht letzte große NS-Prozess beginnt, verwandelt sich die zum Gerichtsgebäude umgewandelte Ritterakademie in eine Festung. Denn es gelten schärfste Sicherheitsvorkehrungen. So gibt es an zwei Sicherheitsschleusen Personenkontrollen, sämtliche Taschen müssen geleert werden, die Besucher werden abgetastet. Im Gebäude selbst sind Wachtmeister von Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft wie auch von der Einsatzbereitschaft ebenso im Einsatz wie Polizeibeamte. Natürlich ist die Polizei auch vor der Ritterakademie präsent. Für Besucher wie Medienvertreter und auch die normalen Verkehrsteilnehmer gibt es einiges zu beachten.

„Wir werden mit Blick auch auf den historischen Hintergrund mit sehr viel Fingerspitzengefühl präsent sein“, sagt Polizeisprecher Kai Richter: „Im Vorfeld des Prozesses haben wir zusammen mit dem Landgericht monatelang die Sicherungsmaßnahmen geplant.“ Da wurden auch Maßnahmen zur Verkehrslenkung abgesprochen. Eine Straßensperrung in dem Bereich ist nicht vorgesehen, aber jederzeit realisierbar: „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet.“ Die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen geht beispielsweise davon aus, dass Neonazis erscheinen könnten. Und die als Holocaustleugnerin bekannte Ursula Haverbeck-Wetzel hat bereits angekündigt, mit Gleichgesinnten den Prozess zu besuchen.

Der Prozess vor der 4. Großen Strafkammer als Schwurgericht ist auf zunächst 27 Verhandlungstage angesetzt, aufgrund des zu erwartenden Andrangs und der Sicherheitsvorkehrungen ist an allen Tagen mit Behinderungen zu rechnen. Der Parkstreifen Am Graalwall wird für die Öffentlichkeit gesperrt. Das gilt auch für den Bereich Neuetorstraße zwischen der Zufahrt zum unbefestigten Parkplatz des Landkreises und dem Schanzenweg, der als Halteverbotszone ausgewiesen wird die Plätze hier sind für Übertragungswagen und Medienvertreter reserviert. Die Parkplätze an der Kfz-Zulassungsstelle und an der Kreisverwaltung stehen Besuchern der Kreisverwaltung zur Verfügung.

Der Prozess startet am Dienstag wie auch an allen anderen Verhandlungstagen um 9.30 Uhr, es empfiehlt sich für interessierte Zuhörer allerdings, schon deutlich früher vor Ort zu sein. Denn der Einlass startet um 8.30 Uhr. Und es stehen neben 60 Plätzen für Medienvertreter 60 Plätze für Zuhörer zur Verfügung, mehr Personen werden nicht eingelassen. Sollte jemand das Gebäude verlassen, wird dessen Platz an einen Nachrücker vergeben. Der Einlass erfolgt durch zwei Sicherheitsschleusen, eine für die Pressevertreter und eine für die Zuhörer. Prozessbeteiligte werden dabei vorgelassen.

Die Regeln für interessierte Zuhörer erklärt Frauke Albers, Pressesprecherin des Landgerichts: „Die Zuhörer werden in der Reihenfolge ihres Erscheinens in den Sitzungssaal eingelassen. Es dürfen nur so viele Zuhörer eingelassen werden, wie Sitzplätze vorhanden sind. Zuhörer müssen einen gültigen, auf ihren Namen ausgestellten amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Die Ausweise werden am Eingang kopiert, die Kopien nach Schluss der Sitzung vernichtet. Zuhörern ist nicht gestattet, Taschen in den Sitzungssaal mitzunehmen. Am Eingangsbereich werden Schließfächer bereitgehalten. Eine Haftung für abgegebene Gegenstände wird nicht übernommen.“ Im gesamten Gebäude gilt natürlich ein absolutes Verbot von Waffen und gefährlichen Werkzeugen. Auch Mobiltelefone und Laptops oder Tablets dürfen nicht mit in den Sitzungssaal genommen werden. Frauke Albers nennt weitere Verbote: „Nicht gestattet ist die Mitnahme von möglichen Wurfgegenständen wie beispielsweise Flaschen, Dosen, Obst, Eier, Haarbürsten, Farbbeutel und Bücher. Auch Flugblätter und Transparente sowie Trillerpfeifen, Glocken und ähnliche Lärm verursachende Gegenstände sowie Kugelschreiber und Füllfederhalter haben nichts im Saal zu suchen. Verlässt ein Zuhörer das Gebäude vor Ende des Sitzungstages, wird sein Platz dem nächsten Interessenten zur Verfügung gestellt.“

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