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Eine feine Nase hat auch Balu. Frauchen Melanie Bengsch ist eines von 20 Mitgliedern der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbandes Lüneburg. Foto: t&w
Eine feine Nase hat auch Balu. Frauchen Melanie Bengsch ist eines von 20 Mitgliedern der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbandes Lüneburg. Foto: t&w

Retter mit der kalten Schnauze — DRK-Hundestaffel feiert 15-jähriges Bestehen

kre Lüneburg. Sie können weder Blutdruck messen noch einen Verband anlegen und doch sind sie für den DRK-Kreisverband unverzichtbare Spezialisten. Als Sympathieträger vor allem aber als Schnüffelnasen: die Vierbeiner der DRK-Rettungshundestaffel. Am vergangenen Freitag feierte die Abteilung ihr 15-jähriges Bestehen. Grund genug für Staffelleiter Thilo Rehr und seine Mitstreiter, die Zeit Revue passieren zu lassen, vor allem aber den Blick nach vorne zu richten.

Zwei, die von Anfang an dabei sind, sind Hans-Otto Köster und Dieter Hasse. Das Engagement über einen so langen Zeitraum bringt man wohl nur auf, wenn man erstens bereit ist, sich für die Allgemeinheit zu engagieren und zweitens Hunde mag. Attribute, die übrigens auf alle Hundeführer der DRK-Rettungshundestaffel zutreffen. Denn bis Hund und Herrchen oder Frauchen als Team einsatzbereit sind, müssen sie eine aufwendige Ausbildung durchlaufen. Erste Hilfe für Mensch und Hund, Karten- und Kompasskunde, Sprechfunk, Unfallverhütung und Einsatztaktik stehen unter anderem auf dem Lehrplan der Hundeführer, die sich in der DRK-Rettungshundestaffel engagieren. Und die Hunde: Die müssen unter anderem eine umfassende Such- und Gehorsamausbildung absolvieren. Sich auf Kommando hinlegen, durch einen Tunnel kriechen, über eine Wippe gehen oder auch eine Leiter hinaufsteigen, darf für die Rettungshunde kein Problem sein. Mindestens zwei Jahre dauert die Ausbildung der Retter mit der kalten Schnauze, alle 18 Monate müssen sie ihre Fähigkeiten in einer Prüfung erneut unter Beweis stellen.

Die Mitglieder der DRK-Rettungshundestaffel mit ihrem neuen Einsatz-Anhänger (stehend v.l.): Alexandra Pieper und Doreen Pilch. Knieend oder sitzend von links: Hans-Otto Köster mit Hund Kelly, Wolfgang Bengsch, Tim Zeitel mit  Bommel, Melanie Bengsch mit Balu, Anja Köster mit Suki, Nadine Schloßstein mit  JoJo, Sabine Reincke mit  Cisco, Birgit Bengsch mit Shorty und Thilo Rehr mit Sammy und Elvis. Foto: t&w
Die Mitglieder der DRK-Rettungshundestaffel mit ihrem neuen Einsatz-Anhänger (stehend v.l.): Alexandra Pieper und Doreen Pilch. Knieend oder sitzend von links: Hans-Otto Köster mit Hund Kelly, Wolfgang Bengsch, Tim Zeitel mit Bommel, Melanie Bengsch mit Balu, Anja Köster mit Suki, Nadine Schloßstein mit JoJo, Sabine Reincke mit Cisco, Birgit Bengsch mit Shorty und Thilo Rehr mit Sammy und Elvis. Foto: t&w

Und dann gibt es noch die ,,Königsdisziplin“, die Ausbildung zum sogenannten Mantrailer. ,,Das sind speziell ausgebildete Fährtensucher“, erklärt der stellvertretende Staffelleiter Hans-Otto Köster: ,,Mantrailer suchen gezielt nach der vermissten oder verletzten Person. Dabei folgen sie einer ganz spezifischen Geruchsspur, die jeder Mensch hinterlässt.“ Und das auch noch nach Tagen.

Möglich ist das, weil jeder Mensch abgestorbene Hautschuppen verliert. Pro Minute Tausende. Auf denen wiede­rum sitzen Bakterien, die diese zersetzen. Die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte so individuell wie ein genetischer Fingerabdruck können die Hunde mit ihrem sensiblen Geruchssinn wahrnehmen und unterscheiden.

Im Gegensatz zu den Flächensuchhunden, die ohne Leine etwa Waldgebiete nach vermissten Personen absuchen, arbeiten Mantrailer im Suchgeschirr an einer bis zu 15 Meter langen Leine. Aber: „Wir versuchen immer bei einem Mantrailer-Einsatz auch die geprüften Flächenhunde mitzunehmen, da man in ein Gebiet kommen kann, wo ein Flächenhund eingesetzt werden muss. Dann ziehen wir mit den Einsatzfahrzeugen nach, um die Flächenhunde dort hinzubringen, wo sie eingesetzt werden müssen“, erklärt Anja Köster und ergänzt: „Außerdem geht der Mantrailer immer in Begleitung mehrerer Personen in den Einsatz, einfach um die Strecke für ihn abzusichern. Diese Personen tragen die Funkgeräte und den Einsatzrucksack sowie Trinken für den Hund, damit der Hundeführer sich ganz auf seinen Hund konzentrieren kann.“

Ein Hund in der DRK-Rettungshundestaffel ist als Mantrailer bereits im Einsatz, „vier weitere befinden sich in der Ausbildung“, sagt Köster und fügt hinzu: ,,Wir sind die einzige Staffel in Niedersachsen, die Mantrailer-Hunde einsetzen kann.“ Das macht die Lüneburger begehrt. Anforderungen kommen längst nicht mehr nur von der Lüneburger Polizei, sondern aus ganz Niedersachsen. 138 aktive Einsätze haben die zurzeit 20 Staffelmitglieder mit ihren Hunden in den vergangenen Jahren absolviert und dabei so manchem das Leben gerettet. Beispielsweise Anfang März in Bleckede: Die Staffel war von der Polizei angefordert worden, nachdem ein 86-jähriger Pflegeheim-Bewohner als vermisst gemeldet worden war. Es bestand akute Lebensgefahr, da der Vermisste an Demenz und Diabetes litt. Dank des Mantrailerteams konnte der Mann leicht unterkühlt aber nahezu unversehrt hinter einem Schuppen aufgespürt und aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Aber es gibt auch kuriose Anfragen und Einsätze, an die sich Köster und seine Mitstreiter gerne erinnern: Etwa an die Such-Anfrage nach einer „Wunderheilerin“, die weggelaufen sei, um ihre Dämonen abzuhängen. „Da brauchten wir aber nicht ausrücken, die Frau kehrte selbstständig zurück“, berichtet Köster und fügt schmunzelnd hinzu: „Vom Verbleib der Dämonen ist nichts bekannt.“