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Auf ihren traditionsreichen Gallusmarkt wollen die Hitzackeraner nicht verzichten. Doch dafür mussten sie jetzt weitreichende Zugeständnisse an den Schaustellerverband Lüneburg machen, der das bunte Treiben organisiert. Denn nicht an allen Tagen ist der Markt so gut besucht wie auf diesem Archivbild. Foto: rg
Auf ihren traditionsreichen Gallusmarkt wollen die Hitzackeraner nicht verzichten. Doch dafür mussten sie jetzt weitreichende Zugeständnisse an den Schaustellerverband Lüneburg machen, der das bunte Treiben organisiert. Denn nicht an allen Tagen ist der Markt so gut besucht wie auf diesem Archivbild. Foto: rg

Hitzackers Traditionsfest: Rolle rückwärts bei Gallusmarkt

rg/ca Hitzacker. Seit Jahren schon knirschte es im Hitzackeraner Gallusmarkt-Getriebe. Immer wieder ist der Schaustellerverband Lüneburg als Ausrichter unzufrieden mit den Besucherzahlen und den Umsätzen, immer wieder standen Stadt und Schausteller kurz davor auseinanderzugehen. Und tatsächlich kam vor einigen Wochen die Meldung: Der Schaustellerverband steigt beim Gallusmarkt aus. Was im Internet in den sozialen Netzwerken freudig bis hämisch aufgenommen und kommentiert wurde, sorgte bei der Stadtpolitik für lange Gesichter. Denn einen fertig ausgearbeiteten Plan B gab es nicht. Und es gibt solch einen Plan auch jetzt noch nicht und so ist der Schaustellerverband nun plötzlich wieder an Bord: Er wird in diesem Jahr wieder den Gallusmarkt ausrichten. Und dafür macht die Stadt sogar noch einige Zugeständnisse.

Der Vorsitzende des Lüneburger Schaustellerverbandes, Benno Fabricius, sagt, dass auf dem Gelände einige Baustellen liegen. Das nehme Fläche und schlage auf die Kalkulation durch: „Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet, wir müssen wirtschaftlich arbeiten.“ Da zunächst keine Einigung erzielt werden konnte, habe der Verband den Vertrag vorsorglich gekündigt.

Doch die Unstimmigkeiten habe man ausräumen können, sagt Fabricius. Gemeinsam mit der Kommune und Peter Schneefuß, dem dort einige Flächen gehören. Rund 20 Schaustellerbetriebe kommen zum Markt, darunter Fahrgeschäfte wie der Autoscooter.

Man habe „bestehende Unstimmigkeiten“ mit dem Schaustellerverband geklärt, erläuterte Hitzackers stellvertretender Stadtdirektor René Kern, der den erkrankten Jürgen Meyer während der jüngsten Ratssitzung im Hitzackeraner Parkhotel vertrat.

Die nun erzielte Einigung sei unter anderem auch deswegen möglich geworden, weil sich an der Spitze des Verbandes personelle Änderungen ergeben hätten. Zudem habe die Stadt dem Schaustellerverband zugesagt, künftig komplett die Kosten für die Stromversorgung der Fahrgeschäfte und Buden zu übernehmen und zusätzlich auch noch die Kosten für den Strom, der von den Schaustellern privat verbraucht wird, der also in die Wohnmobile und Wohnwagen fließt. Auch die Kosten für Plakate und Anzeigen zur Bewerbung des Gallusmarktes trägt weiterhin die Stadt, ebenso jene Kosten, die durch die Beseitigung des bei dem Fest anfallenden Mülls entstehen.

Komplett zufrieden zeigte sich jedoch keiner der anwesenden zwölf Ratsherren mit der nun gefundenen Lösung. Doch sie sei leider alternativlos, so der Tenor. Es habe nach der Kündigung des Vertrages durch die Schausteller Überlegungen gegeben, den Gallusmarkt komplett umzugestalten, ihn wieder in Richtung seiner Ursprünge zu entwickeln. „So, wie er früher einmal war“, erläuterte Ratsherr Jürgen Wedler (INI).

„Wir wollten weg von diesem Schützenfest ohne Schützen“ und den Gallusmarkt „wieder schöner“ machen, so Wedler. Aber es habe sich schlicht niemand gefunden, der das verantwortlich in die Hand nehmen wollte. „Keiner stellte sich hin und sagte: Ich mach das jetzt.“ Daher könne man „jetzt froh sein, dass die Schausteller das wieder machen“.
Es gehe nun mal nicht anders, betonte Dr. Karl-Heinz Jastram (SPD): „Das ist traurig, aber wahr.“ Es habe schon seit Jahren „erheblich Unruhe gegeben“, ein Arbeitskreis Gallusmarkt habe sich damals gebildet, doch der sei mit den Verantwortlichen des Schaustellerverbands aneinander geraten, und man habe seitens der Stadt „Angst gehabt, dass die Schausteller schon damals abspringen würden“. Denn man wisse schließlich, dass man als Stadt „in der Angelegenheit eine Verhandlungsposition einnimmt, die nicht die beste“ sei. Daher könne er sich Jürgen Wedler nur anschließen.

Wie die Entscheidung in der Stadt Hitzacker aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Dort hat der Gallusmarkt eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert, und der Eröffnungstag, der sogenannte Gallus-Heiligabend, genießt Kultstatus, vor allem bei den alteingesessenen Hitzackeranern. Markt und Gastronomie platzen dann, am Freitag, aus allen Nähten, die Stimmung ist großartig. Für das Treiben auf dem Markt an sich gilt das nur noch in stark eingeschränktem Maße.

Tristesse und Leere regierten zuletzt nicht selten, und so mancher wünscht sich seit Jahren den alten Gallusmarkt zurück. Und daraus machen viele in der Stadt auch keinen Hehl. Gerade in den sozialen Netzwerken wimmelt es von Kommentaren, die kein gutes Haar an dem lassen, was aus dem traditionsreichen Gallusmarkt geworden ist.