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Per Smartphone-App Essen am Automaten bestellen  das ist Teil der Geschäftsidee von Marc Sommer, die er nächste Woche beim Jugend gründet-Zwischenfinale vorstellt. Foto: t&w
Per Smartphone-App Essen am Automaten bestellen das ist Teil der Geschäftsidee von Marc Sommer, die er nächste Woche beim Jugend gründet-Zwischenfinale vorstellt. Foto: t&w

„Jugend gründet“: Menüwahl per App

emi Adendorf/Scharnebeck. Ein Automat, der rund um die Uhr warme und kalte Mahlzeiten anbietet, sowohl Fertiggerichte als auch individuell kombinierbare Zutaten. Hygienisch. Gesund. Umweltfreundlich. Gibts nicht? Könnte es aber bald geben zumindest, wenn es nach Marc Sommer und Simon Rösel vom Bernhard-Riemann-Gymnasium Scharnebeck geht. Mit ihrer Geschäfts­idee „Daily Tasty“ wollen die beiden 16-Jährigen nichts weniger als „die Fastfood-Branche revolutionieren“. Unter dem Namen „Edible Solutions GmbH“ haben sie einen Businessplan entwickelt, der beim bundesweiten Online-Wettbewerb „Jugend gründet“ unter den besten 20 aus mehr als 600 Einsendungen gelandet ist. Als Belohnung darf Marc Sommer das Konzept beim Zwischenfinale am 22. April in Hamburg der „Jugend gründet“-Jury vorstellen. Simon Rösel wird seinem Freund von Kanada aus die Daumen drücken, wo er zum Schüleraustausch weilt.

Marc Sommer hält seine „Bewerbungsrede“ schon mal vorab für die Presse in seinem Adendorfer Wohnzimmer. Zwischen weißen Möbeln, einer schlafenden Katze und einem dösenden Hund spricht er über Absatzmenge, Markensystem und Frischegarantie, sagt Sätze wie „das wird definitiv ein Erfolg“, „wir wollen irgendwann international agieren“ und „wir sehen großes Potenzial in der Idee“. Vier Minuten lang darf der Gymnasiast in Hamburg sein Unternehmen und sein Produkt präsentieren. Im Gespräch mit der LZ kann er sich mehr Zeit lassen.

Irgendwann habe er ein „Problembewusstsein“ entwickelt, daraus sei die Idee entstanden, sagt Marc Sommer. „Im Teenageralter“ habe er die Nachteile der Fastfood-Branche erkannt: „Gesundheitsschädlichkeit, Massentierhaltung, Hygiene­missstände, Umweltzerstörung, mangelnde Transparenz und Qualität.“ Inzwischen habe zwar ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden. Aber selbst wer nicht gern zum Schnellimbiss gehe, sei an irgendeinem Punkt darauf angewiesen, rasch etwas zu essen. „Gerade wenn man erwerbstätig ist, hat man im stressigen Alltag wenig Zeit zum Kochen“, das hat Marc Sommer unter anderem bei seiner Mutter beobachtet. Mit seiner Geschäfts­idee will der 16-Jährige auf diese Bedürfnisse eingehen und dazu noch all das bieten, was Fastfood-Ketten nicht leisten.

Aussehen soll der Essens­automat in etwa wie ein Snack-Automat mit Touch-Pad und verschiedenen Bezahlmöglichkeiten. Die einzelnen Zutaten werden in recyclebarem Plastik vakuumverpackt, „so sind Hygiene und Frische garantiert“. Per App und auf der Website edible-solutions.de sollen Hungrige nicht nur rund um die Uhr ihr Wunschgericht europäischer Küche zusammenstellen, sondern auch zurückverfolgen können, woher das Essen kommt. Der Verzicht auf Massentierhaltung versteht sich von selbst. Die ersten drei Automaten will der Gymnasiast aus Adendorf in Hamburg aufstellen.

Marc Sommer, der sich bereits mit 13 Jahren mit Webseiten-Entwicklung selbstständig gemacht hat, verfolgt hohe Ziele. Schon lange steht für den wirtschaftsbegeisterten Schüler fest, dass er nach seinem Abitur im kommenden Jahr BWL studieren will. Doch erst einmal muss er sein Produkt beim Zwischenfinale der Jury schmackhaft machen, wo weitere Punkte für den Gesamtwettbewerb winken. „Natürlich bin ich aufgeregt“, sagt der 16-Jährige. „Aber ich bin sehr optimistisch und zielstrebig und werde mein Bestes geben.“

Tipps für junge Gründer

Jedes Jahr werden in Deutschland laut Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWI) mehr als 340 000 neue Unternehmen gegründet. Existenzgründer gibt es in allen Altersklassen – aber besonders viele junge Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Welches Mindestalter gilt und was sonst noch beachtet werden muss – die LZ hat bei Lüneburgs Wirtschaftsförderer Jürgen Enkelmann nachgefragt:

Ab wie vielen Jahren darf ich ein Unternehmen gründen? Die unbeschränkte Geschäftsfähigkeit wird mit Vollendung des 18. Lebensjahres erreicht. Rechtsgeschäfte, die bis zum vollendeten 18. Lebensjahr abgeschlossen werden, sind schwebend unwirksam, wenn sie nicht mit Einwilligung des gesetzlichen Vertreters (in der Regel die Eltern) geschlossen werden. Die Eltern können dem Rechtsgeschäft auch nachträglich zustimmen, das heißt genehmigen (innerhalb von 14 Tagen).

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? In jedem Fall sollten persönliche und fachliche Voraussetzungen vorhanden sein. Bei Existenzgründungen im Handwerk müssen z.B. die formalen Eintragungsvoraussetzungen laut Handwerksordnung berücksichtigt werden (zum Beispiel Meisterprüfung). Die Gründung entsteht durch Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt am Sitz des Unternehmens (Stadt/Gemeinde). Der Kapitalbedarf sowohl kurz- (sogenannte laufende Betriebsmittel) als auch langfristig (zum Beispiel Anlagen, Warenlager) sollte bekannt und durch ein Finanzierungskonzept abgesichert sein. In diesem Zusammenhang kommt ein aussagefähiges Unternehmenskonzept (Businessplan) ins Spiel, das für die Bereitstellung von Fremdkapital durch eine Hausbank benötigt wird.

Wie entwickle ich eine erfolgreiche Geschäfts­idee? Grundvoraussetzung sind ausreichende Kenntnisse über aktuelle Marktentwicklungen und konkrete Kundenbedürfnisse. Erst wenn klar ist, wer als Kunde in Frage kommt, welchen Nutzen das Produkt/die Dienstleistung für ihn hat und worin die Vorteile gegenüber möglichen Konkurrenzprodukten liegen, sind Detailplanungen sinnvoll. Zu beachten ist auch der ständige Wandel von Kundenbedürfnissen. Was heute noch gefragt ist, kann morgen schon „out“ sein und umgekehrt. Deshalb sind Markt- und Wettbewerbsanalysen eine Daueraufgabe. Wer Trends rechtzeitig erkennt, kann fast sicher sein, eine gute Grundlage für das Konzept zu haben. Doch Vorsicht: Eine Erfindung muss sich vermarkten lassen. Nur dann wird aus einer guten Idee eine Innovation.

Wie setze ich eine Idee in die Tat um, was benötige ich dafür? Ein motiviertes Gründerteam mit unterschiedlichen Fähigkeiten, eine solide Eigenkapitalausstattung und vorhandene Kundenkontakte sind eine gute Basis für den Erfolg. In den seltensten Fällen sind alle drei Komponenten von Beginn an vorhanden. Durch ein schlüssiges Konzept können erkannte Defizite jedoch kompensiert werden (zum Beispiel durch die Einbindung von Business Angels in die Gesellschafterstruktur). Empfehlenswert ist die Nutzung von Beratungsangeboten und die frühzeitige Einbindung von Steuer- oder auch Rechtsberatern. Auch die Aufwendungen für ein erfolgreiches Marketingkonzept sollten nicht unterschätzt werden.

Infos zur Beratung: Gründungsnetzwerk Region Lüneburg