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Die Übersetzer haben aus ihren Kabinen heraus einen Überblick über das ganze Gerichtsgeschehen. Der Richtertisch befindet sich auf der Bühne. Foto: t&w
Die Übersetzer haben aus ihren Kabinen heraus einen Überblick über das ganze Gerichtsgeschehen. Der Richtertisch befindet sich auf der Bühne. Foto: t&w

Kabinen für die Dolmetscher

rast Lüneburg. Die Ritterakademie hat sich in ein Gerichtsgebäude verwandelt, in dem 500 Quadratmeter großen Saal beginnt heute der NS-Prozess gegen den 93-jährigen Oskar Gröning unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Medienvertreter und andere Prozessbesucher gelangen ab 8.30 Uhr durch zwei Sicherheitsschleusen in den Saal, unterziehen sich auch Körperkontrollen. Gegenstände werden in gestern gelieferten Safes deponiert.

Im Saal selbst gibt es vom Eingang aus gesehen rechts 60 Plätze für Medienvertreter sowie 60 für normale Besucher. Links sind 50 Plätze für die Nebenkläger und ihre Anwälte reserviert. Der Richtertisch, an dem auch der Staatsanwalt Platz nimmt, ist am Saalende auf der Bühne platziert, er ist respektvoll schwarz eingehüllt. Hinter dem Tisch befindet sich eine große Leinwand für den Fall, dass während des Prozesses Videomaterial eingespielt werden soll. Vorne rechts, kurz vor dem Richtertisch, ist der Tisch für Oskar Gröning und seinen Anwalt Hans Holtermann.

Der Raum ist gespickt mit Technik. Allein 150 Mikros sind installiert worden. Oben auf der Empore wurden Dolmetscher-Kabinen aufgestellt mit Infrarotempfänger-Technik. Für die Technik ist Justizwachtmeister Harald Plaschke vom Landgericht zuständig: „Übersetzt wird in den Sprachen Englisch, Hebräisch und Ungarisch.“ Ob die Übersetzungen nur über Kopfhörer der Beteiligten oder für den ganzen Saal übertragen wird, war gestern noch unklar. Im ersten Stock befindet sich auch das Beratungszimmer für die Richter und Schöffen. Zum Equipment gehören auch Drucker, Kopierer und Beamer.

Einige Medienvertreter schauten sich die Ritterakademie gestern schon einmal an. Ihnen erklärte Landgerichtssprecherin Frauke Albers, dass heute zum Prozessauftakt zunächst die Anklage verlesen wird: „Danach erhält Herr Gröning die Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.“ An den 13 folgenden Verhandlungstagen werden dann Zeugen gehört. Albers erklärte auch, dass es das erste NS-Verfahren dieser Art ist, das juristisch abgeschlossen werden könnte. Basis dafür ist ein Urteil des Landgerichts München aus dem Jahre 2011: Wegen Beihilfe zum Mord in 28000 Fällen wurde Iwan „John“ Demjanjuk, der Wächter im Vernichtungslager Sobibor war, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde aber nie rechtskräftig, da der Mann 2012 starb.