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Guten Appetit mit gutem Gewissen: Wirtin Anja Winterberg und Initiator Matthias Tritsch freuen sich über jeden, der Gebrauch von der Reste-Box macht. Foto: t&w
Guten Appetit mit gutem Gewissen: Wirtin Anja Winterberg und Initiator Matthias Tritsch freuen sich über jeden, der Gebrauch von der Reste-Box macht. Foto: t&w

Reste-Box fürs gute Gewissen

us Lüneburg. Nicht jeder traut sich, nach ihr zu fragen. Den einen ist es peinlich, weil sie glauben, man hielte sie für spießig, die anderen, weil sie meinen, sie wirkten kleinlich. Und obwohl das Essen lecker, der Teller aber zu voll war, bitten nur Wenige bei ihrem Restaurantbesuch um ein Doggy Bag, einen Behälter, um das Nichtgegessene mit nach Hause nehmen zu können. Stattdessen wandern die Reste in die Abfalltonnen, rund 24 Kilogramm sind es pro Jahr und Gast allein in deutschen Restaurants, Kantinen oder Cateringveranstaltungen, wie das Umweltbundesamt 2014 ermittelt hat. Einen Weg, das zu ändern, hat der Lüneburger Matthias Tritsch mit seiner Reste-Box gefunden.

„Die Wertschätzung von Lebensmitteln in Deutschland ist sehr gering, auch, weil sie hier oft viel zu billig angeboten werden“, sagt Tritsch, der vor einem Jahr zusammen mit einem Partner „Greentable“ ins Leben gerufen hat, eine Internet-Plattform für nachhaltiges Essen in Restaurants. Grundgedanke dabei ist die Auflistung von Restaurants, die ihr nachhaltiges Arbeiten nachweisen können unter anderem durch den Bezug von regionalen und saisonalen Produkten, soziales Engagement, Energieeffizienz, die Angabe von Nährwerten auf der Speisekarte oder durch Vermeidung von Lebensmittel-Abfällen.

„Ein Schritt dabei ist die Reste-Box“, wie Tritsch erklärt. In den Niederlanden fand er ein Unternehmen, das die gewünschten Boxen nicht nur aus kompostierbarem Material herstellen kann, die Kartons können mitsamt Speiseresten auch in die Mikrowelle gestellt werden. Um seine Idee zu vermarkten, fragte der Greentable-Werber beim Bundesernährungsministerium an und hatte Glück. Die Box passte perfekt zum eigenen Konzept „Zu gut für die Tonne“. Das Ministerium war bereit, gemeinsam mit Greentable die Aktion „Restlos genießen“ mit einem bundesweiten Gastronomie-Aufruf zu starten und die Produktion der Boxen zu finanzieren.

Eines der 176 beteiligten Gastronomiebetriebe und das bislang einzige in Lüneburg ist das Restaurant „Zum Roten Tore“. „Regionalität fühlen wir uns schon seit 20 Jahren verbunden“, sagt Inhaberin Anja Winterberg. Nicht nur Stinte, Heidschnucken und Auerochsen bezieht sie von regionalen Anbietern, auch Spargel, Champignons, Brot, Eier oder Kartoffeln holt sie von heimischen Bauern. Was sie nicht aus der Region beziehen kann wie beispielsweise Kaffee, versucht sie mittels Fairtrade-Produkten abzudecken.

Von den 100 Exemplaren der Reste-Box, die die Gastronomin zu Beginn der Aktion vor einem Monat erhalten hat, fanden 30 bislang Abnehmer. „Ich freue mich, wenn die Gäste ihr Essen mitnehmen wollen, es zeigt mir, dass es ihnen geschmeckt hat.“ Auch von der Greentable-Idee ist Anja Winterberg angetan: „Ich bin immer dankbar zu erfahren, welche Produkte noch in der Region angeboten werden“. Sie hofft daher, dass sich möglichst viele der Initiative anschließen und das Netzwerk von Anbietern und Abnehmern immer größer wird.

Matthias Tritsch denkt derweil schon an die nächste Aktion. „Im Sommer plane ich im Heidekreis einen Feldversuch zum Thema Trinkwasser.“ Mit dem Umweltbundesamt sei er bereits im Gespräch.