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Der parteilose Josef Röttgers (vorne) baut auf die breite Unterstützung der Gellerser Parteien, hier mit den Fraktionschefs im Samtgemeinderat Peter Bergen (CDU), Dr. Hinrich Bonin (SPD) und Hartmut Glodzei (Grüne). Anikó Hauch, Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Gellersen, will für einen neuen Politikstil im Rathaus sorgen. Fotos: t&w
Der parteilose Josef Röttgers (vorne) baut auf die breite Unterstützung der Gellerser Parteien, hier mit den Fraktionschefs im Samtgemeinderat Peter Bergen (CDU), Dr. Hinrich Bonin (SPD) und Hartmut Glodzei (Grüne). Anikó Hauch, Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Gellersen, will für einen neuen Politikstil im Rathaus sorgen. Fotos: t&w

Samtgemeindebürgermeister-Wahl: Gellersens „Game of Thrones“

Am Sonntag, 26. April, von 8 bis 18 Uhr haben die Gellerser die Wahl, wer für sie in den kommenden sechseinhalb Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen soll. Die LZ hat die Kandidaten Josef Röttgers und Anikó Hauch zu Hause besucht.

dth Kirchgellersen/Reppenstedt. Auffällig weich gezeichnet ist das Foto von Josef Röttgers (56) auf den Wahlplakaten in Gellersen, schließlich musste die Narbe am Hals etwas kaschiert werden. Und infolge der Chemo- und Strahlentherapie in den vergangenen sechs Wochen verlor er zudem rund 30 Kilo Gewicht. Die Entscheidung für die erneute Kandidatur war noch frisch, da wurde er bereits im Januar, nur wenige Tage nach der verheerenden Krebsdiagnose, im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus im Mund- und Rachenbereich operiert. Nun ist er auf dem Weg der Besserung. „OP und Anschlussbehandlung waren hart. Aber mit jedem Tag geht es weiter bergauf“, sagt der Amtsinhaber. Und fügt hinzu: „Ich bin bald wieder ganz der Alte nur schlanker.“ Der Diplom-Verwaltungswirt hat den kommenden Wahlsonntag fest im Blick, und er kämpft für eine weitere Amtszeit als Gellerser Samtgemeindebürgermeister.

„Das wirkt zu weich, das bin ich nicht“, wendet Anikó Hauch (40) ein auf den Vorschlag, sie für die LZ mit ihrer Katze zu fotografieren. „Aber wenn ich einen Rottweiler hätte…“ Die Unternehmerin und Wirtschaftsjuristin hält nichts von so einem Gehabe: „Ich bin eine Kämpferin“, sagt die Vorsitzende des Gellerser FDP-Ortsvereins selbstbewusst. Ihre Kandidatur für den Chefsessel im Gellerser Rathaus meldete sie erst Mitte März an. Da war längst klar, dass der Kandidat von den Grünen, Oliver Glodzei, überraschend einen Rückzieher gemacht hatte, um Röttgers zu unterstützen. Zur Motivation, sich zu bewerben sagt Hauch: „Die Bürger haben eine alternative Wahlmöglichkeit verdient. Wir leben schließlich in einer Demokratie.“ Als Außenstehende könne sie eher erkennen, wo Stärken und Schwächen in der Verwaltung zu finden sind. „Mit mir wird die Entfremdung zwischen Politik und Bürgern nicht weiter fortgesetzt.“

Die Bekanntgabe von Hauchs Kandidatur hatte Röttgers im März förmlich angestachelt. „Ich möchte gerne weitermachen und jetzt erst recht“, hatte er gesagt. Doch Wahlkampf ist das eine, Chemotherapie das andere. Aber er hatte schon im Januar damit gerechnet, kaum Wahlkampf betreiben zu können. Bekannte, Freunde und Familie verteilen Wahlkampf-Flyer für ihn, stellten Plakate auf. Zudem unterstützen ihn SPD und Grüne sowie die CDU. Zum LZ-Gespräch hat Röttgers die drei Fraktionsvorsitzenden mit eingeladen: Dr. Hinrich Bonin (SPD), Hartmut Glodzei (Grüne) und Peter Bergen (CDU). Sie leisten ihm im Wohnzimmer auf der schwarzen Sitzgarnitur Gesellschaft, Röttgers hat Kaffee und Kuchen auf den Couchtisch gestellt. Zur Kandidatur von Hauch sagt Bonin: „Frau Hauch hat leider versäumt, in den vergangenen Monaten an der Rats- und Ausschussarbeit als Bürger teilzunehmen.“ Er könne sie deshalb schwer einschätzen. Bergen: „Doch, als Leserbriefschreiberin …“ Röttgers hingegen habe sich schon 2006 als Kandidat für die CDU bewährt. Aber auch aus Sicht von Rot/Grün, die in einem Wahlaufruf über Röttgers schreiben: „Wir haben da einen Samtgemeindebürgermeister, der praktisch rund um die Uhr für Gellersen da ist. Zeigen wir ihm, dass wir das wertschätzen, und opfern wir ihm mindestens ein paar Minuten im Wahllokal.“

Auf dem Küchentisch in Hauchs hell eingerichtetem Heim in Reppenstedt liegt neben ihrem Wahlkampf-Flyer („Für ein Hauch Mehr in Gellersen“), eine Postkarte für das „Dialogforum Schiene Nord“. Darauf können Bürger ihr Anliegen bei der Debatte um die Alternativ-Planungen zur umstrittenen Y-Trasse formulieren. Die Karten verteilte sie unter anderem in Westergellersen. Hauch: „Und in Kirchgellersen und Heiligenthal haben wir in zwei Tagen rund 100 Unterschriften für die Sanierung der Kreisstraße zwischen Heiligenthal und Rettmer gesammelt.“ In Südergellersen bespielt sie das Thema Windkraft: Am heutigen Mittwoch, 22. April, lädt sie zu einer Infoveranstaltung über geforderte Mindestabstände ein, um 18 Uhr ist eine Begehung einer Windkraftanlage geplant, ab 19 Uhr eine Bürgerdiskussion im Dorfgemeinschaftshaus mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Gero Hocker. Morgen und übermorgen will Hauch, jeweils nach der Arbeit in ihrer privaten Arbeits- und Personalvermittlung, den Rest ihrer 3000 Flyer verteilen. Auf Plakate hat sie weitgehend verzichtet, putzt lieber Klinken.

Zwischen den noch notwendigen Arzt- und sporadischen Wahlkampfterminen muss auch noch Zeit für Ablenkung sein. Tolkien-Fan Röttgers liest derzeit den Roman „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin, die Romanvorlage zur Erfolgs-TV-Serie „Game of Thrones“. Die Serienstaffeln liegen auf dem Fernsehschrank parat. Röttgers: „Und bei welcher Staffel sind Sie?“

Um auszuspannen widmet sich Hauch neben dem Lesen („Gute Prinzessinen kommen ins Märchen, böse schreiben Geschichte“) auch gerne mal der Gartenarbeit. „Wenn man den ganzen Tag im Büro war, ist das ein guter Ausgleich.“

o Die Samtgemeinde Gellersen mit ihren Mitgliedsgemeinden Reppenstedt sowie Kirch-, Süder- und Westergellersen zählt rund 13000 Einwohner. Wahlberechtigt sind am Sonntag alle Gellerser, die das 16. Lebensjahr vollendet haben.

Die Ziele der Kandidaten

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Amtszeit setzen?
Josef Röttgers: Ich will den frühkindlichen Bildungsbereich weiter stärken. Weiterhin wird uns die Aufnahme von Flüchtlingen beschäftigen und die weitere Entwicklung unserer Feuerwehren. Und wenn sich der Bau einer neuen wettkampfgerechten Sporthalle von Stadt und Landkreis nicht in der Hansestadt realisieren lässt, kann ich mir gut vorstellen, dass es dafür einen geeigneten Standort in der Samtgemeinde Gellersen gibt.
Anikó Hauch: Der Schuldenpolitik der Samtgemeinde werde ich mich mit aller Kraft entgegenstemmen. Gesundes Haushalten keine Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuern in Gellersen! „Geheimverhandlungen“ am Bürger vorbei wird es mit mir nicht geben. Den Mitgliedsgemeinden möchte ich wieder Perspektiven geben und sie nicht finanziell weiter aushungern.

Welche Ziele verfolgen Sie bei der kommunalen Kinderbetreuung und den Grundschulen?
Röttgers: Der schon gute Betreuungsumfang mit hohen Standards soll weiter verbessert werden und natürlich sollen auch die Eltern weiter entlastet werden, dies allerdings nur im Zusammenwirken mit Bund und Land. Wir Gemeinden schaffen das nicht alleine. Die Grundschulen sollen schrittweise zu Ganztagsschulen ausgebaut werden, bei gleichzeitiger energetischer Sanierung unserer älteren Liegenschaften.
Hauch: Ziel ist es, die Kinderbetreuung kostenfrei zu gestalten. Dabei sind Bund und Land, die beide den Rechtsanspruch für die Kinderbetreuung beschlossen haben, in die Verantwortung zu nehmen.

Die Einheitsgemeinde ist gescheitert. Wie geht es weiter?
Röttgers: Ich habe auch während der Diskussion um die Einheitsgemeinde immer gesagt, dass ich mit dem derzeitigen Zustand auch gut leben kann. Wir haben die Krippen, Kitas und offene Jugendarbeit und sind damit schon viel mehr „Einheitsgemeinde“ als andere Samtgemeinden. Die konstruktive Zusammenarbeit, insbesondere mit den Gemeindebürgermeistern, wird natürlich fortgesetzt.
Hauch: Wir waren die Einzigen, die sich aktiv mit den Bürgern gegen die Zentralisierung der Verwaltung gestemmt haben. Wir haben mit den Bürgern erfolgreich die Einheitsgemeinde verhindert. Wir haben immer wieder gesagt, dass wir großes Einsparpotenzial sehen und zwar vornehmlich bei den Personalkosten im Wege der Zusammenführung von Verwaltung im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit. Das hätte man vorantreiben müssen.

Wie stehen Sie zu den Y-Trassen-Varianten der Deutschen Bahn?
Röttgers: Wir haben hier eine wunderbare und hochwertige Landschaft, die nicht in Geld messbar ist. Dabei ist es für mich ein absolutes „NoGo“, diese wertvolle Landschaft zu zerschneiden. Ich vertrete ein klares Nein zu Bahn-Trassen durch die Naturparkregion.
Hauch: Ich habe noch nie so viel Schwachsinn erlebt wie mit der Planung der Y-Trasse. Da gibt es eine planrechtlich vorangetriebene vernünftige Variante. Nur weil sie den Landes-Grünen offensichtlich nicht gefiel, hat die DB im Wege des vorauseilenden Gehorsams diese Planungen vorgelegt, ohne Rücksicht auf die dort wohnenden Menschen.

Wie stehen Sie zum Bau von Windkraftanlagen in Gellersen?
Röttgers: Wir hatten Windkraft-Vorranggebiete in Westergellersen und zwischen Kirchen und Dachtmissen. Die fand ich soweit in Ordnung. Diese hat der Landkreis aber gestrichen. Gegen die Ausweitung der Fläche in Südergellersen habe ich bekanntermaßen gekämpft und werde es auch weiterhin tun.
Hauch: Bei der Planung der Windkraftanlagen fehlte der Landkreis-Politik mal wieder die Kraft, die Menschen in ihre Planung mit einzubeziehen. Eine starke Samtgemeindebürgermeisterin setzt sich immer für die Menschen vor Ort ein.

 

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5 Kommentare

  1. ich habe gewählt, gegen 10 uhr war die wahlbeteiligung in etwa bei rasanten 4 % angekommen. ob die 10 % wohl geknackt werden? demokratie kann ja so bequem sein.

    • ….lieber Herr Bruns, leider sieht man diesen Trend in ganz Deutschland das die Deutschen Wahlmüde sind…..es gibt gute Politiker und schnarchnasen die nur nach Berlin wollen weil man dann ausgesorgt hat….aber etwas für Deutschland machen damit tun die sich schwer…..genauso zur Wahlurne zu gehen, weil viele keinen Sinn mehr darin sehen und die Politiker eh das machen was Sie wollen ohne die Bevölkerung zu fragen. Bei Herrn Röttgers ist das anders….

      • wissen sie, ich würde mich ja gern noch mal zur wahl aufstellen. ohne parteien. der erfolg würde ohne reklame sehr gering sein. reklame kostet geld. parteien bekommen es vom staat. einzelkämpfer,die sich für die gemeinschaft einsetzen wollen, nicht. warum ist das wohl so?

  2. Heiko Rottmann

    ….habe Briefwahl gemacht…..leider wird hier in Reppenstedt und auch in GESAMT Deutschland nicht gesehen bzw. geschnallt das es wichtig ist zu wählen um seine Meinung kunt zu tun….

  3. Heiko Rottmann

    ….finde das Herr Röttgers hier in Gellersen eine PRIMA Arbeit gemacht hat und diese wohl auch weiterhin tun wird….klar gehört Kindern die Zukunft aber mit einen Wahlslogan „Kinderlärm ist unsere Zukunft“ oder so wirkt bei mir abschreckend und hat mit den Problemen einer Samtgemeinde nichts zu tun und geht an der Wirklichkeit vorbei…..