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Immer wieder ärgern sich Kunden darüber, dass gelbe Säcke im Supermarkt nicht zu bekommen sind oder schnell reißen. Ausgelegt sind die dünnen Säcke für drei bis vier Kilogramm Verpackungsmüll. Foto: A
Immer wieder ärgern sich Kunden darüber, dass gelbe Säcke im Supermarkt nicht zu bekommen sind oder schnell reißen. Ausgelegt sind die dünnen Säcke für drei bis vier Kilogramm Verpackungsmüll. Foto: A

Streit um Risse im gelben Sack

kre Barendorf. Zu dünn, zu unpraktisch und dazu noch Mangelware: Beim Thema gelber Sack sieht Regina Wollschläger aus Barendorf inzwischen rot: Nicht nur, weil die Qualität der Tüten nachgelassen habe, auch an der Versorgung mit den gelben Säcken hapere es. Die dünnen Plastikbehältnisse erhalten Bürger bei Bedarf kostenlos unter anderem auch in den Supermärkten in Stadt und Landkreis Lüneburg. Das Problem: „Wir werden selbst nur unzureichend beliefert“, ärgert sich Regina Wollschläger, die an drei Vormittagen in der Woche als Kassiererin im Lebensmittel-Supermarkt in Barendorf arbeitet. ,,Fast jeden zweiten Kunden, der um eine Rolle mit gelben Säcken bittet, müssen wir deshalb vertrösten“, berichtet Wollschläger.

Die Lieferungen an die Märkte seien äußerst knapp kalkuliert. Vier bis sechs Kartons à 70 Rollen, ,,die dann natürlich wieder schnell vergriffen sind“, klagt die Kassiererin.

Bis März war die Firma ALBA für das Einsammeln der gelben Säcke im Landkreis (ohne die Stadt Lüneburg) verantwortlich. Doch das Berliner Unternehmen hat sich von seinem Logistikstandort in Salzhausen getrennt. Den hat die Otto Dörner GmbH einschließlich der 28 Mitarbeiter und der Fahrzeuge komplett übernommen. Seit wenigen Wochen also ist nun das Hamburger Unternehmen in Sachen gelber Sack im Landkreis Lüneburg unterwegs. Dass es seitdem mit der Lieferung der gelben Säcke besser klappt, diesen Eindruck hat die Barendorferin bislang aber noch nicht gewinnen können.

Dass ein Wechsel stattgefunden hat, ist auch für Norbert Völl neu, Pressesprecher des Dualen Systems Deutschland (DSD), dessen Markenzeichen der Grüne Punkt ist. Auf die Beschwerden angesprochen sagt er: „Grundsätzlich müssen die gelben Säcke für die Kunden in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen“.

2,5 Millionen Tonnen Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Metallen und Verbundstoffen sammelt das Duale System Jahr für Jahr ein. ,,Im Landkreis Lüneburg ohne die Stadt waren es 2012 rund 3900 Tonnen“, berichtet Völl. Rund 46 Kilogramm Plastikmüll produziere jeder Deutsche pro Jahr, von denen aber bislang nur etwa 16 Kilogramm recycelt werden. Der Rest landet laut dem DSD-Sprecher auf den Mülldeponien oder in den Müllverbrennungsanlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung.

Dass die Mülltrennung Sinn macht, daran gibt es kaum Zweifel — Wertstoffe werden so wiedergewonnen. Trotzdem ärgern sich nicht nur Regina Wollschläger und ihre Kunden über die Säcke, die aus ihrer Sicht viel zu schnell einreißen. Dazu sagt Völl: ,,Die Säcke müssen einer von uns vorgegebenen Spezifikation entsprechen.“ Das bedeute, sie müssen nicht nur eine bestimmte Dicke haben, auch der Grad der Reißfestigkeit sei vorgeschrieben. Grundsätzlich würden die gelben Säcke so dünn wie möglich gefertigt, um den Materialeinsatz gering zu halten. ,,Das ist auch eine Ressourcenfrage“, so Völl. Drei bis vier Kilogramm Gewicht sollte ein gelber Sack aber schon aushalten können. Darüber hinaus wird es kritisch. Doch der DSD-Sprecher erinnert auch daran: ,,Der gelbe Sack ist kein Müllsack.“