Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Klar ist nur: Die Breitbandversorgung im Landkreis Lüneburg soll verbessert werden, auch über einen längeren Zeitraum mit den rasant wachsenden Datenübertragungsraten Schritt halten können. Nur wie dies geschehen soll, ist auch nach zwei Jahren noch unklar. Foto: A/t&w
Klar ist nur: Die Breitbandversorgung im Landkreis Lüneburg soll verbessert werden, auch über einen längeren Zeitraum mit den rasant wachsenden Datenübertragungsraten Schritt halten können. Nur wie dies geschehen soll, ist auch nach zwei Jahren noch unklar. Foto: A/t&w

Viele Wege führen zum Ziel – Telekom-Vertreter stellen Konzept für den Breitbandausbau in der Region vor

pet Luhmühlen. Aus dem ganzen Landkreis Lüneburg waren sie ins Veranstaltungszentrum Callunaris CCC nach Luhmühlen gekommen, viele haupt- und ehrenamtliche Bürgermeister aus den Städten und Gemeinden, Mitarbeiter aus den Verwaltungen und Ratsmitglieder. Angelockt hatte sie Punkt 10 der Tagesordnung der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreistags: „Breitband“. Aber der wohl einhellige Tenor nach mehr als zweistündiger Information und Diskussion: „Viel schlauer als vorher sind wir jetzt auch nicht.“ Und einer der Teilnehmer stöhnte nur: „Seit zwei Jahren eiern wir um das Thema herum und kommen nicht weiter…“

Was der Landkreis Lüneburg unternehmen soll, um flächendeckend eine zeitgemäße Breitbandversorgung zu gewährleisten, darüber wird schon lange diskutiert. Wenig begeistert stimmten viele Kommunen zuletzt der Initiative des Kreises zu, den Breitbandausbau an ihn zu übertragen. Immer wieder gab und gibt es Initiativen in Gemeinden, den Ausbau selbst vorzunehmen, beobachtet wird, wie andere Regionen handeln. Immer wieder neue technische Entwicklungen vergrößerten die Unsicherheit ebenso wie verschiedene Signale aus Berlin, dass der Bund sich stärker beim Breitbandausbau engagieren wolle. Wiederholt signalisierte die Telekom Interesse, den Ausbau zu übernehmen.

Zwei Vertreter der Telekom standen dann auch im Mittelpunkt der Sitzung in Luhmühlen. Dr. Henrik Prößdorf und Uwe Ingenhaag legten das Konzept der Telekom für die Breitbandversorgung im Landkreis vor. Kernpunkt: Mindestens 95 Prozent der Haushalte sollen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 MBit/s im Download versorgt werden. Und: Alle Nutzer im Kreis sollen profitieren, auch die in den ganz weit entfernten Ecken vielleicht nicht mit 30, dann aber mit 12 Mbit/s.

Erreicht werden soll das durch den Einsatz von Glasfaserkabel, verbunden mit der Ertüchtigung von vorhandenem Kupferkabel durch „Vectoring“ auf den letzten Metern von den Kabelverzweigern zu den Haushalten. Beim Vectoring werden die elektromagnetischen Störungen, die es zwischen den Kupferleitungen gibt, ausgeglichen. Innerhalb von drei Jahren nach einem möglichen Vertragsabschluss, erklärten die Telekom-Vertreter, könne man die angebotenen Leistungen in die Realität umsetzen.

Mit Interesse nahmen die Ausschussmitglieder die neuen Informationen auf aber auch nicht ohne Misstrauen, wie es unter anderem Wolfgang Marten (SPD) zum Ausdruck brachte: Die Telekom sei ja, so Marten, nicht gerade dafür bekannt, „dass sie strukturschwache Gebiete wirklich flächendeckend“ versorge.

Als die Telekom-Vertreter gegangen waren, Ausschussmitglieder und Bürgermeister wieder unter sich waren, begann die Abwägung des Gehörten. Eigene Konzepte mit mehr eigenen Gestaltungsmöglichkeiten bevorzugten die einen. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) wies vor allem auf finanzielle Vorteile des Fremd-Ausbaus hin im Gegensatz zu einem eigenen Ausbau, bei dem Summen von bis zu 70 Millionen Euro aufzubringen seien, und bei dem er um die Genehmigung des Kreis­etats fürchte, sei das Telekom-Konzept finanziell überschaubar. Entschieden werden sollte in Luhmühlen ohnehin nichts und so wollen Politik und Verwaltung aus Kreishaus und Rathäusern weiter diskutieren und abwägen.

Nachbar-Netze

Endspurt in der Samtgemeinde Elbmarsch: Noch bis Donnerstag, 30. April, können die Tesper, Marschachter und Drager ihre Bereitschaft erklären, sich an das vom Eigenbetrieb „Elbkom“ geplante und später vom Netzbetreiber „Pepcom“ betriebene Glasfasernetz anschließen zu lassen. Mindestens 60 Prozent der erreichbaren Haushalte müssen mitmachen sonst scheitert das Projekt. Nur wer seine Unterschrift bis zum 30. April abgibt, bekommt den Anschluss kostenlos.
„Wir wussten, dass die Quote von 60 Prozent ehrgeizig ist“, sagt Bürgermeister Rolf Roth (SPD). „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen.“
Bis zum 30. April ist der Infostand im Marschachter Rathaus noch geöffnet und zwar dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs von 8 bis 12.30 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 20.30 Uhr.
Am Dienstag, 5. Mai, so Bürgermeister Roth, fällt der Aufsichtsrat der Elbkom die Entscheidung darüber, ob das ehrgeizige Projekt angegangen wird. Roth hofft in den letzten Tagen vor dem 30. April vor allem auch auf die Solidarität der Bürger, etwa der Älteren, die zurzeit kein Internet nutzen, aber an ihre Nachfahren denken sollten.
Schon viel weiter als die Samtgemeinde Elbmarsch ist die Gemeinde Bispingen im Heidekreis. Dort fand in dieser Woche der erste Spatenstich für den Breitbandausbau in eigener Regie statt.
Die Gemeinde Bispingen hatte den „Eigenbetrieb Breitband Bispingen“ gegründet, in dessen Hand der Ausbau eines zukunftsfähigen Netzes liegt. Die Glasfaserkabel werden direkt in jedes Haus verlegt, also nach dem Prinzip „FTTH“ (Fibre to the Home).
Ein dickes Lob gab es von Peer Beyersdorff vom Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen: „Wir haben es mit einem wunderbaren Pilotprojekt für Niedersachsen zu tun, wir machen hier, was andere noch planen.“ pet