Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nach dem Ende der finanziellen Hilfe des Kreises Lüneburg muss das KICK Ostheide das Betreuungsangebot für verhaltensauffällige Kinder in Neetze einstellen. Die Gruppe Sonnenkinder läuft im Sommer aus. Foto: A/be
Nach dem Ende der finanziellen Hilfe des Kreises Lüneburg muss das KICK Ostheide das Betreuungsangebot für verhaltensauffällige Kinder in Neetze einstellen. Die Gruppe Sonnenkinder läuft im Sommer aus. Foto: A/be

Schatten fällt auf „Sonnenkinder“

kre Neetze/Reinstorf. Sie nennen sich „Sonnenkinder“. Der Name impliziert fröhliche Gesichter, glückliche Menschen und eine positive Lebenseinstellung. Wenn es nur so wäre: Denn auf die „Sonnenkinder“ fällt ein dunkler Schatten. Am 31. Juli endet das Angebot, die sozialpädagogische Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder, im KICK Ostheide. Für die Eltern der betroffenen Jungen und Mädchen eine Katastrophe: „Hier wird einmal mehr an den ganz Schwachen, den Kindern, gespart“, machen Janet und Holger Voigt aus Reinstorf ihrem Ärger Luft.

Ihr Sohn Matti leitet unter ADHS und dem Tourettesyndrom. Die nachmittagliche Betreuung im KICK Ostheide ist für den Grundschüler extrem wichtig: Hier bekommt sein Tagesablauf nicht nur Struktur, „er hat vor allem auch gelernt, sich selbst und sein Verhalten zu reflektieren“, berichtet Janet Voigt. Doch all diese Erfolge sieht sie nun in Frage gestellt. Mit einem Schreiben, das den Eltern wenige Tage vor Ostern zugegangen ist. Darin heißt es: ,,Die Fortführung des Gruppenangebotes fand in den für Erziehungshilfen zuständigen politischen Gremien (Jugendhilfeausschuss) nach sechs Jahren keine weitere Mehrheit, so dass das Angebot (…) zum Sommer endet.“

Neben Matti sind noch sieben weitere Grundschulkinder von der Schließung der Gruppe betroffen. „Eine Schande“, findet Janet Voigt: Die Politik spreche zwar viel und gerne von Inklusion, „doch in der Realität sieht man, was von derartigen Sonntagsreden wirklich zu halten ist.“

Dabei ist das Gruppenangebot ,,Sonnenkinder“ im Sozialprojekt KICK Ostheide bei Eltern und Pädagogen gleichermaßen hoch geschätzt. Hier bekommen auffällige Kinder Hilfe, Förderung und Unterstützung bei Schulproblemen, wenn sie Schwierigkeiten in der Gruppe haben, wenn es Probleme im Elternhaus gibt oder es an einer festen Tagesstruktur mangelt. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Eltern beim KICK und beim Jugendamt Hilfe und Unterstützung fordern. Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden die Kinder intensiv bei den Hausaufgaben unterstützt und individuell gefördert. ,,Das soziale Lernen in der Gruppe steht im Mittelpunkt“, sagt Voigt.

Dass diesen Kindern nun quasi mit dem Rotstift alle Chancen genommen werden sollen, können Mattis Eltern überhaupt nicht verstehen. Zwar wird den Eltern im Kündigungschreiben in Aussicht gestellt, dass man mit ihnen weitere Gespräche führen wolle, um zu klären, ob sie für ihre Kinder weitere Erziehungshilfen in Anspruch nehmen wollen doch für die Voigts ist das nur ein schwacher Trost: „Eine Einzelunterstützung, vielleicht nur an wenigen Tagen in der Woche, kann nie und nimmer die therapeutische Arbeit leisten wie die ,Sonnenkindergruppe“.

Genauso sehen das auch Lars Kramer und Bärbel Wildner, die beiden Schulleiter der Grundschulen in Barendorf und Neetze. ,,Eine Vollkatastrophe“, nennt Wildner die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses, die Gruppe zu schließen. ,,Die Mitarbeiter des KICK leisten ganz hervorragende Arbeit“, betont die Neetzer Schulleiterin, für die zudem klar ist: „Das dort gemachte Angebot ist durch nichts zu ersetzen!“ Für Wildner und ihren Barendorfer Kollegen Kramer ist klar: ,,Wer bei der Präventionsarbeit den Rotstift ansetzt, spart an der falschen Stelle.“

Auf die bevorstehende Schließung der Gruppe angesprochen, sagt Ostheides Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer: „Ich werde mich noch einmal mit dem Landkreis in Verbindung setzen.“ Ob dieses Gespräch von Erfolg gekrönt sein wird die Voigts wollen es gerne hoffen. Im Interesse ihres Sohnes Matti und der anderen Kinder.