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Damit sie dem Unterricht überhaupt folgen können, lernen Flüchtlingskinder zunächst die Grundbegriffe der deutschen Sprache in einer speziellen Klasse. Foto: A
Damit sie dem Unterricht überhaupt folgen können, lernen Flüchtlingskinder zunächst die Grundbegriffe der deutschen Sprache in einer speziellen Klasse. Foto: A

Kapazitätsgrenze längst erreicht

us Lüneburg. Sie sind schulpflichtig wie jedes andere Kind auch, doch viele der Flüchtlingskinder, die nach Flucht vor Krieg und Terror mit ihren Eltern in Lüneburg angekommen sind, können schon aus sprachlichen Gründen dem Unterricht nicht folgen. Abhilfe schaffen sogenannte Sprachlernklassen, die in ganz Niedersachsen eingerichtet sind, eine davon an der Heiligengeistschule in Lüneburg die bislang einzige im gesamten Landkreis. Bis zu einem Jahr lang werden die Schüler hier auf den Unterricht an den Schulen vorbereitet eine Arbeit, die bei einer Veranstaltung an der Heiligengeistschule breite Anerkennung erfuhr. Doch die Kapazität der Sprachlernklasse ist längst erschöpft, Entlastung nicht in Sicht.

„Wir wollen die Kinder dahin bringen, dass sie schnellstmöglich dem Unterricht an den Regelschulen folgen können. Aber wir geben ihnen hier auch einen Schonraum“, erklärt Barbara Geck, Leiterin der Heiligengeistschule, das Prinzip der Sprachlernklassen. Bis zu 16 Schüler aller Altersgruppen der Klassen 1 bis 4 werden aufgenommen, pro Woche finden 23 Stunden Unterricht statt. Die Schüler werden dabei individuell und ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert. Während den frisch Dazugekommenen zunächst die Basis der deutschen Sprache vermittelt wird, nehmen diejenigen, die schon länger dabei sind, am Unterricht der sogenannten Bezugsklassen teil, das sind normale Grundschulklassen, die für die zeitweise Aufnahme der Kinder von Flüchtlingen vorbereitet sind. Zu Beginn ist es in der Regel der Sport- und Musikunterricht, später auch Mathe oder Deutsch. „Wer mehr Zeit braucht, bekommt sie auch“, sagt Klassenlehrerin Ilka Arndt.

20 Schüler haben die Sprachlernklasse inzwischen absolviert und sind an ihre Grundschulen zurückgekehrt. Die Klasse arbeitet nach dem Rotationsprinzip, „verlässt ein Schüler die Klasse, kann ein anderer nachrücken“, sagt Barbara Geck. Wann ein Schüler wieder zurückkehrt, entscheidet die Schulkonferenz, zum Wechsel gibt es dann auch ein Zeugnis, „entweder mit Noten, wo es möglich ist, oder mit Hinweisen zum Kompetenzfortschritt“.

„Ich bin erleichtert, meine zwei Schüler hier so gut aufgehoben zu sehen“, sagt Anne Surholt, Leiterin der Grundschule Kreideberg. Anfangs sei sie skeptisch gewesen, jetzt aber könne sie die Arbeit der Schule nur loben. Anerkennung gab es auch von zwei Teilnehmerinnen der Landesschulbehörde, beide zeigten sich vom Konzept und der Arbeit der Heiligengeistschule überzeugt.

Zugleich hieß es, dass trotz der wichtigen und guten Arbeit wohl nicht mit weiteren Sprachlernklassen zu rechnen sei, entsprechende Signale seien aus dem Kultusministerium in Hannover gekommen, wohl wissend, dass die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber weiter steigen werde. Unklar blieb an dem Abend auch, warum die Sprachlernklasse der Heiligengeistschule nicht nur Schüler der Hansestadt, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden Reppenstedt, Vögelsen, Adendorf und Bardowick aufnimmt, nicht aber aus dem gesamten Landkreis. Der Landkreis, der zwar selbst nicht Träger der Grundschulen, aber für die Schülerbeförderung zuständig ist, verweist in dieser Sache auf die Landesschulbehörde. Die erklärt ebenfalls, nicht zuständig zu sein und zeigt auf das Kultusministerium in Hannover. Das hatte zwar Anfang das Jahres noch verkündet, 240 zusätzliche Sprachlernklassen in Niedersachsen einzurichten, nicht aber, wann und wo diese entstehen sollen. Auch war man dort nun nicht bereit, auf eine mündliche Anfrage zu antworten und bat um Schriftform. Auch das blieb allerdings fruchtlos: Vorerst sei mit keiner Antwort zu rechnen, man werde sich in den nächsten Tagen, eher nächste Woche da­rum bemühen.

Auch die Stadt sieht dringenden Handlungsbdearf. „Es werden weitere Flüchtlinge kommen. Wir werden den Druck erhöhen“, erklärt Lüneburgs designierte Bildungsdezernentin Pia Steinrücke. Da ein Ausbau an der Heiligengeistschule nicht möglich sei, müssten auch im Landkreis Sprachlernklassen eingerichtet werden, fordert sie. Hierzu werde die Stadt in Kürze Gespräche mit dem Landkreis und dem Land führen.

2 Kommentare

  1. Meine Frage – liebe LZ – wurde nicht beantwortet.

  2. Was hier passiert hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Es ist Wahnsinn und die Schergen und Profiteure sollten sich genau überlegen, was für eine Zukunft sie produzieren…