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Maik und Maik Landwermann stehen mit dem Kick Down auf dem Frühjahrsmarkt. Vater und Sohn gehören zu einer Familie, die seit Generationen im Schaustellergewerbe ihr Geld verdient. Foto: ca
Maik und Maik Landwermann stehen mit dem Kick Down auf dem Frühjahrsmarkt. Vater und Sohn gehören zu einer Familie, die seit Generationen im Schaustellergewerbe ihr Geld verdient. Foto: ca

Kühler Rechner und etwas verrückt

ca Lüneburg. Einfach mit dem Karussell von Ort zu Ort zu fahren und auf Einnahmen zu hoffen, reicht heute nicht mehr. „Man muss gut rechnen“, sagt Maik Landwermann. „Ich lasse schon mal einen Platz aus, wenn die Kosten zu hoch sind.“ Landwermann ist Schausteller in sechster Generation. Er ist sich sicher, gut gerechnet zu haben: Für ein paar Hunderttausend Euro hat der 39-Jährige mit seiner Familie das „Kick Down“ gekauft.

Den Probelauf absolvierte das 18 Meter lange und 16 Meter tiefe Gerät mit seinen Gondeln auf dem Hamburger Dom. In Lüneburg steht jetzt die nächste Bewährungsprobe an. Nach zehn Jahren soll sich die Investition „amortisiert“ haben. Für Landwermann geht es weniger um Rummelplatz-Romantik als um Zahlen.

Die „Adrenalin-Racing-Thrill-Maschine“, so bewirbt das Teil eine Facebook-Seite, passt auf zwei Wagen, zwei Angestellte benötigt es. Zwanzig Fahrgäste passen auf die „überdimensionale Bratpfanne“. 30 Jahrmärkte steuert der Unternehmer in der Saison zwischen März und Ende November an. „Danach kommt noch die Zeit der Weihnachtsmärkte“, sagt er. Neben dem Kick Down betreibt die Familie einen Mäuse-Zirkus, Imbissbetriebe und über die Familie seiner Frau einen Ausschank auf dem Münchner Oktoberfest. Während Landwermann auf den Lüneburger Sülzwiesen zu tun hat, ackert sein Schwiegervater in Regensburg.

Der Chef plant die Routen genau. „Wir gehen auf kleinere Plätze wie in Lüneburg“, sagt er. Er achtet auf die Mischung: Angebote für die Kinder, Rasantes wie Break Dancer und Autoscooter für die Jugend, gerne auch ein Riesenrad für die, die nicht mehr das Gefühl brauchen, dass ihr Magen hüpft wie ein Flummi. Und dazu ein Blick auf Standgebühren, Energieausgaben, Entfernungen und Spritpreise. „Transportkosten machen uns zu schaffen“, sagt der Unternehmer.

Er selbst hat nach der Schule Fahrzeugbauer gelernt, dazu eine Ausbildung in mehreren Modulen beim TÜV absolviert, um seine Karussells zusammenbauen zu können und dabei eben allen Anforderungen in puncto Sicherheit zu genügen. Das ist der eine Part. Den anderen deckt seine Frau ab. Sie kommt aus einem kaufmännischen Beruf. Eine gute Mischung für einen Familienbetrieb mit insgesamt sechs Angestellten.

Doch der stämmige Mann hat nicht nur sein „hartes Geschäft“ im Kopf. Wer im Wohnwagen zwischen dem Duft von gebrannten Mandeln und Champignonpfanne, dem Sound von wummernden Discobeats und wilden Ansagen zu Hause ist, der muss schon ein bisschen verrückt sein und das ständige „auf Achse sein“ in ganz Deutschland und der Schweiz lieben.

Landwermann nimmt seinen dreijährigen Sohn, der ebenfalls Maik heißt, auf den Arm, lacht und sagt: „Schausteller sein, macht einfach Spaß.“ Klein-Maik wird wohl die siebte Kirmes-Generation sein.