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Die Geschäftsstelle des Lüneburger Arbeitgeberverbandes an der Stadtkoppel platzt aus allen Nähten. Der Verband plant deshalb einen Anbau. Illustration: nh
Die Geschäftsstelle des Lüneburger Arbeitgeberverbandes an der Stadtkoppel platzt aus allen Nähten. Der Verband plant deshalb einen Anbau. Illustration: nh

Hauptversammlung des Verbandes: (Fast) alles neu bei Arbeitgebern

kre Lüneburg/Gut Bardenhagen. Neues Format, anderer Tagungsort, geändertes Programm, Musik und erstmals eine Karikaturenausstellung: Mit diesem neuen Konzept für die jährliche Hauptversammlung präsentierte sich jetzt der Arbeitgeberverband Lüneburg Nordostniedersachsen (AV) auf Gut Bardenhagen. Ganz nach der Devise des Komponisten Richard Wagner, der ebenfalls erkannt hatte, dass nur ,,der lebt, der Wandel und Wechsel liebt“, merkte AV-Präsident Heiko Westermann in seiner Rede schmunzelnd an.

Wandel und Veränderung, das beschäftigte die Mitglieder auch an anderer Stelle, denn: Seine Geschäftsstelle an der Stadtkoppel platzt aus allen Nähten, der Verband plant deshalb einen Ergänzungsbau. Einen Entwurf, wie das Gebäude aussehen könnte, um Platz für die Mitarbeiter, künftige Referendare und Auszubildende sowie Mieter zu schaffen, stellte die Verbandsspitze den Mitgliedern vor. Die Versammlung stimmte den Plänen zu einem solchen „Haus der Wirtschaft“ zu und beauftragte die AV-Geschäftsführung, die Bauvoranfrage bei der Stadt zu stellen.

Was Karikaturisten im Laufe des Jahres mit spitzem Bleistift an Wirtschaftsthemen aufgegriffen hatten — die abschlagsfreie Rente etwa, der demografische Wandel oder den Mindestlohn — machte auch Westermann in seiner Rede noch einmal zum Thema: Nicht alle politischen Entscheidungen in Deutschland finden die ungeteilte Zustimmung des Arbeitgeberverbandes. So mahnte er unter anderem einen „viel zu hohen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand“ für Unternehmen durch das neue Mindestlohn-Gesetz an. ,,Ein echtes Bürokratie-Monster. Hier erwarten wir als Arbeitgeber von der Bundesregierung entscheidende Nachbesserungen.“

Auch beim geplanten Gesetz zur Tarifeinheit hofft der Lüneburger Arbeitgeberpräsident auf eine zügige und praktikable Lösung: ,,Es kann nicht sein, dass kleine Spartengewerkschaften ihre Streikkarte ausspielen und damit das öffentliche Leben massiv beeinträchtigen. So wie das die Gewerkschaft der Lokführer aktuell gerade wieder demonstriert hat“. Weitere Themen betrafen das Erbschaftsteuerrecht für Unternehmen, das vom Bundesverfasssungsgericht im vergangenen Jahr in Teilen für verfassungswidrig erklärt wurde („…diese Entscheidung darf nicht dazu führen, dass Betriebe und viele tausend Arbeitsplätze gefährdet werden…“) und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank („…keine Option auf Dauer…“).

Zum Vorwurf der Politik, dass Unternehmen Frauen schlechter entlohnen würden als Männer, stellte Westermann klar: ,,Dass Frauen statistisch gesehen weniger verdienen als Männer, hat zumindest in Deutschland nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern strukturelle Ursachen.“ Denn noch immer würden mehrheitlich die Frauen für Erziehungs- und Pflegezeiten ihre Erwebstätigkeit unterbrechen. Hinzu komme, dass sich die meisten weiblichen Auszubildenden auf Berufe wie Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel oder Bürokauffrau konzentrieren. Die sogenannten MINT-Studienfächer — Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik — dagegen würden bei Frauen nur wenig Anklang finden. Ein Umstand, den der Verband schon lange erkannt hat. Mit eigenen Veranstaltungen versucht er zu einem Umdenken anzuregen: mit den Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft, Veranstaltungen zur Berufsorientierung oder als Sponsor für Schulbusfahrten zur Ideen-Expo. ,,Wir reden nicht, wir handeln“, so Westermann zum Abschluss.

Bei den turnusmäßigen Wahlen zum Vorstand wurden die Vize-Präsidenten Volker Krause, Karl-Reinhold Mai, Markus Meyer und Volker Meyer in ihren Ämtern bestätigt.

Rente ab 50…
Rente ab 50 und 1200 Euro für alle. Rechnungen bitte an .? Gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Lüneburg Nordostniedersachsen präsentierte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft rund 60 Karikaturen renommierter Zeichner, die die demografischen Herausforderungen der Republik künstlerisch umsetzen. Dirk Meissner, Burkhard Mohr, Barbara Henninger, Luff, Johann Mayr und weitere 16 Künstler zeigten, dass nicht nur den politischen Entscheidungen von Arbeitsministerin Andrea Nahles lustige Aspekte abgewonnen werden können. Wer wollte, konnte von sich selbst eine Karikatur von Schnellzeichner und Karikaturist Rolf Henn alias Luff fertigen lassen. Henn zeichnet seit 1987 politische Karikaturen für namhafte Zeitungen. Dafür wurde er dreimal mit dem Deutschen Preis für politische Karikatur ausgezeichnet.