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Eva Mozes Kor reicht Oskar Gröning die Hand, er hält sie mit seinen beiden Händen fest. Eine Geste der Vergebung, die anderen Nebenklägern wie auch dem Internationalen Auschwitz Komitee missfallen hat. Foto: kor/privat
Eva Mozes Kor reicht Oskar Gröning die Hand, er hält sie mit seinen beiden Händen fest. Eine Geste der Vergebung, die anderen Nebenklägern wie auch dem Internationalen Auschwitz Komitee missfallen hat. Foto: kor/privat

Der Fall Gröning: Geste stößt auf Unverständnis

rast Lüneburg. Bei einem persönlichen Treffen hatte die Auschwitz-Überlebende Eva Mozes Kor (81) dem wegen Beihilfe zum Mord in 300000 Fällen angeklagten ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning (93) gesagt, dass sie ihm vergeben habe. Am Sonntagabend wurde in der Talkshow von Günther Jauch ein Foto aus dem Privatbesitz von Eva Mozes Kor gezeigt, wie sie Gröning die Hand reicht, die der mit seinen beiden Händen festhält und drückt. Die Rechtsanwälte Prof. Dr. Cornelius Nestler und Thomas Walther vertreten 49 der insgesamt 65 Nebenkläger in diesem Strafverfahren, das am heutigen Dienstag in der Lüneburger Ritterakademie mit zwei weiteren Zeugenvernehmungen von Überlebenden fortgesetzt wird. Die beiden Juristen kritisierten gestern in einer Presseerklärung im Namen ihrer Mandanten das Verhalten von Eva Mozes Kor.

In der Presseerklärung heißt es: „Frau Eva Kor hat dem Angeklagten verziehen. Unsere Mandanten hätten hier nichts zu kommentieren wer besser als die Überlebenden von Auschwitz weiß, dass jeder einen eigenen Weg finden muss, mit dem Erlittenen umzugehen , wenn Frau Kor ihr ,Verzeihen und Vergeben mit dem Angeklagten nicht immer wieder öffentlich inszenieren würde. Das gibt Anlass zu erinnern: Unsere 49 Mandanten, alle ebenfalls Überlebende von Auschwitz, sind Nebenkläger geworden, weil sie für ihre ermordeten Eltern und Geschwister Klage führen wollen. Nimmt man allein nur die in Auschwitz ermordeten Familienangehörigen unserer Mandanten, handelt es sich um nahezu 1000 Menschen. Der Angeklagte hat daran mitgewirkt, nicht nur diese Angehörigen, sondern insgesamt 300000 Menschen zu ermorden.“ Die Anwälte machen für ihre Mandanten deutlich: „Gegenstand des Strafverfahrens ist nicht, dass Herr Gröning der Frau Kor oder anderen Nebenklägern persönlich etwas angetan hat. Ob es Frau Kor zusteht, Herrn Gröning die Mitwirkung an der Ermordung ihrer Angehörigen zu verzeihen, mag jeder selbst beantworten. Aber Frau Kor sagt: ,Diese Anklagen müssen aufhören. Dann hätte sie nicht Nebenklägerin werden sollen.“

In der Erklärung heißt es weiter: „In diesem Strafverfahren geht es vor allem auch um die Dokumentation des jahrzehntelangen Versagens der Justiz. Als Nebenklägerin im Namen der Ermordeten aufzutreten, öffentlich das Strafverfahren abzulehnen und die Rolle der Nebenklägerin zur medial inszenierten persönlichen Verzeihung zu nutzen das passt nicht zusammen und veranlasst unsere Mandanten zu der Mitteilung: ,Wir können Herrn Gröning nicht die Mitwirkung am Mord unserer Angehörigen und weiterer 299000 Menschen verzeihen zumal er sich bisher frei von jeglicher strafrechtlicher Schuld fühlt. Wir wollen Gerechtigkeit und wir begrüßen die Aufklärung, die dieses Strafverfahren leistet.“

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