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Dass Worte wertvoll sein können, haben die Kinder der Kita Paul-Gerhardt von Siine Behrens (vorn) und Johanna Kraake gelernt. Foto: t&w
Dass Worte wertvoll sein können, haben die Kinder der Kita Paul-Gerhardt von Siine Behrens (vorn) und Johanna Kraake gelernt. Foto: t&w

Im Land der fehlenden Worte – Ohnsorg-Schauspielerin zu Gast in der Kita Paul-Gerhardt

us Lüneburg. Manchmal fehlen einem einfach die Worte. Wie schlimm das sein kann, hat Paul erfahren. Er hat Marie sehr lieb, doch er kann es ihr nicht sagen, denn er hat nur drei Wörter, um sich ihr verständlich zu machen: Kirsche, Staub und Stuhl. Und da ist auch noch Oskar, der viel mehr Wörter hat und obendrein auch noch drei Lieder singen kann. Die konnte er sich kaufen, denn seine Eltern sind sehr reich. Und nur wer Geld hat, kann sprechen oder singen. So ist das in dem Land, in dem eine große Fabrik unentwegt Wörter produziert, für die man zahlen muss, wenn man sie benutzen will. Die sechsjährige Lea findet das nicht richtig, die Geschichte von Paul und Marie, die Siine Behrens aus dem Hamburger Ohnsorg Theater in der Lüneburger Kita Paul Gerhardt vorgetragen hat, findet sie trotzdem klasse.

„Ich sabbel ja selber so viel“, erzählt Lea. Gerade hat sie einen Streifen Papier zerkaut und damit einen ordentlichen Grundstock an Wörtern runtergeschluckt so, wie es auch in dem Land von Paul und Marie funktioniert. „Ist ja nur Esspapier“, weiß sie. Auch Dora freut sich, jetzt ordentlich viele Wörter in ihrem Bauch zu haben, denn so wie die beiden Kita-Mädchen durften am Ende alle Kinder nach den begehrten Wort-Papier-Streifen greifen. Was sie damit machen will? „Das weiß ich noch nicht“, sagt Dora, „vielleicht singen.“

Die Geschichte von der großen Wörterfabrik wollte sich Johanna Kraake mit ihrer Kita-Gruppe eigentlich im Hamburger Ohnsorg-Theater anschauen, doch die Vorstellungen dort waren alle schon lange im Voraus ausgebucht, berichtet die Erzieherin. Ohnsorg-Schauspielerin Siine Behrens aber war bereit, die Geschichte nach Lüneburg zu bringen, zwar nicht als Theaterstück, aber schauspielerisch von ihr vorgetragen. Auch die Wörterfabrik und das Haus von Paul und Marie brachte sie mit, ebenso den Wind, der die auf Papier geschriebenen Wörter durch die Stadt wirbelte und Paul so wenigstens die drei Wörter zuwehte.

„Die Kinder erfahren durch diese Geschichte, dass es Worte gibt, die wertvoller sind als andere“, sagt Siine Behrens. Die Mädchen und Jungen begreifen sofort, dass man mit „Katzenpipi“ in der Eisdiele einfach kein Glück haben wird. Auf Plattdeutsch, denn so wird das Stück stellenweise im Theater vorgetragen, heißt es „Wöör mit Kulöör“, Worte mit Farbe, erzählt Siine Behrens. Sie selbst ist nicht mit Platt groß geworden, die 29-Jährige musste es erst lernen, „das klappt aber ganz gut.“ Gespielt wird das Stück an der Studio-Bühne des Ohnsorg-Theaters, Ziel ist es, Plattdeutsch in die Schulen zu bringen. Dazu wurde extra ein pädagogisches Begleitprogramm entwickelt.

Dass ein guter Wortschatz wertvoll und kostbar ist, ist aber nur die eine Botschaft des kleinen Theaterstücks, das auf der Erzählung des Kinderbuchs „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade beruht. Denn am Ende der Geschichte ist es nicht Oskar, sondern Paul, dem Marie ihr Herz und ihre Küsse schenkt, trotz der dürren Worte. Wahre Liebe ist eben doch nicht käuflich.