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1950 wurde der Personenwaggon 2003 gebaut, jahrelang stand er im Wald, wurde mehr und mehr zerstört. Daniel Wilhelm (vorn) und Jürgen Feyri gehören zu den Mitgliedern der 
Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg, die unter anderem diesen historischen Wagen jetzt komplett restaurieren wollen. Foto: t&w
1950 wurde der Personenwaggon 2003 gebaut, jahrelang stand er im Wald, wurde mehr und mehr zerstört. Daniel Wilhelm (vorn) und Jürgen Feyri gehören zu den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg, die unter anderem diesen historischen Wagen jetzt komplett restaurieren wollen. Foto: t&w

Eisenbahnwaggon wird restauriert: Samba auf Schienen

pet Lüneburg. Der Zustand des Eisenbahnwaggons mit der Nummer 2003 ist erbarmungswürdig. Verrostet, zerstoßen, verkratzt ist die Außenhaut des Personenwagens. Scheiben sind eingeschlagen, die Sitze zum größten Teil zerstört, Dach und Fußboden sind löchrig. Wie es unter den Verkleidungen aussieht, in welchem Zustand die tragenden Elemente wie die Längsträger sind, wird man erst später sehen. „Das ist wie ein Lotteriespiel“, sagt Hans Dierken, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), der die Wagen gehören.

Der Waggon 2003 steht ebenso wie seine „Geschwister“ 2001 und 1990 auf dem Gelände des AVL an der Wittenberger Bahn in Lüneburg. 2017, das ist die Vision der Eisenbahnfreunde, sollen die Waggons wieder das tun, wofür sie 1950 in der Waggonfabrik Henschel-Wegmann in Kassel gebaut wurden: Als „Sambazug“ Passagiere durch die Landschaft transportieren. Gezogen werden sollen sie dann wieder von der Lokomotive 46-01, die schon fahrtüchtig ist, für die in diesem Jahr aber die kostenintensive Hauptuntersuchung ansteht.

Daniel Wilhelm (hinten) und Jürgen Feyri von der Arbeitgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) im Wagen 2003, den sie mit ihren Vereinskollegen innerhalb von zwei Jahren komplett aufmöbeln wollen. Mit dem fertigen „Sambazug“ möchten sie dann wieder zwischen Lüneburg und Bleckede verkehren. Foto: t&w
Daniel Wilhelm (hinten) und Jürgen Feyri von der Arbeitgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) im Wagen 2003, den sie mit ihren Vereinskollegen innerhalb von zwei Jahren komplett aufmöbeln wollen. Mit dem fertigen „Sambazug“ möchten sie dann wieder zwischen Lüneburg und Bleckede verkehren. Foto: t&w

Für die knapp 140 Mitglieder der AVL ist die Aufarbeitung der Fahrzeuge aber eine Herkulesaufgabe, „die wir allein nicht schaffen können“, sagen Hans Dierken, AVL-Pressewart Daniel Wilhelm und Mitglied Jürgen Feyri. Zumal die aktiven Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft nebenher ihre weiteren Aufgaben, den Museumsbahnbetrieb und den Erhalt der Strecke Lüneburg Bleckede, auch noch leisten. Geschätzte Gesamtkosten von 182000 Euro wird das Projekt „Sambazug“ verschlingen, fast 3800 Stunden Arbeit werden die AVL-Mitglieder beisteuern.
Die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) ließen 1950, aus Mitteln des Marshallplans, des milliardenschweren Wiederaufbauprogramms der USA für Europa, einen vierteiligen „Gesellschaftszug“ bauen. Der bestand aus dem „Pack-/Barwagen 1990“ sowie den Sitzwagen 2001, 2002 und 2003, bestach durch Fahrkomfort und Geräumigkeit. Bei Bedarf wurden im „1990“ die Sitze ausgebaut, dann wurde getanzt und geschwoft der Name „Sambazug“ entstand.

Ab 1965 wurden die Waggons auch regelmäßig im „normalen“ Schienen-Personenverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede eingesetzt, 1977 wurde der Linienverkehr auf der Schiene eingestellt, auf die Personenwagen warteten unterschiedliche Schicksale am schlimmsten erwischte es den Waggon 2002, der 1978 bei einer Feuerwehrübung schwer beschädigt und dann verschrottet wurde, und den Waggon 2003: Der stand jahrelang im Wald, wurde durch Vandalismus schwer beschädigt, ehe er 2013 von der AVL erworben wurde.

Was alles an den drei Personenwaggons zu machen ist, weiß Hans Dierken am besten, er plant die praktischen Arbeitsschritte, „ich träume sogar schon davon“. Allein für das „Sorgenkind 2003“ veranschlagt er 2200 Stunden Eigenarbeit für die AVL-Mitglieder. Stück für Stück muss etwa die äußere „Beblechung“ herausgeflext werden. Erst dann könne man sehen, in welchem Zustand das stählerne Gerippe darunter ist und welche Teile ausgetauscht werden müssen. Geprüft und instandgesetzt werden müssen das Fahrgestell, die Bremsen, die Puffer und die Innenausstattung, Fenster, WC-Anlagen, Anstriche und vieles mehr.

Dierken und seine Mitstreiter hoffen, in diesem Sommer mit den praktischen Arbeiten beginnen zu können bis dahin wartet aber noch viel Vorarbeit auf sie, denn die Finanzen können die Lüneburger Eisenbahnfreunde auf keinen Fall allein stemmen. Dierken: „Wir suchen dringend Unterstützer, die uns finanziell helfen, suchen nach Spendern und klopfen alle möglichen Fördermöglichkeiten ab.“ Und die AVLer hoffen auf volle Züge, wenn sie ab 1. Mai wieder den regelmäßigen Fahrbetrieb zwischen Lüneburg und Bleckede aufnehmen (siehe unten), denn auch diese Einnahmen fließen in das Großprojekt.

„Authentizität“, das betonen Hans Dierken und seine Vereinskollegen, liegt ihnen bei ihrem Hobby besonders am Herzen. Denn sowohl die Diesellok 46-01 als auch die Personenwagen 1990, 2001 und 2003 sind vor mehr als einem halben Jahrhundert auf der Strecke Lüneburg Bleckede gefahren. Und das sollen sie in zwei Jahren wieder tun.

Fahrt nach Bleckede

Ihren diesjährigen Fahrbetrieb mit der Bleckeder Kleinbahn nehmen die Lüneburger Verkehrsfreunde am Freitag, 1. Mai, wieder auf. Vom Bahnhof Lüneburg, Gleis 4, geht es um 9.38 Uhr, 12.05 Uhr und 16.05 Uhr nach Bleckede. Um 10.50 Uhr, 14.50 Uhr und 17.20 Uhr geht es von Bleckede wieder nach Lüneburg. Unterwegs kann zugestiegen werden in Erbstorf Ziegelei, Scharnebeck, Rullstorf, Boltersen, Neetze und Neu Neetze. Fahrkarten gibt es beim Schaffner, Platzreservierungen sind unter %05852/951414 möglich, sind aber nicht erforderlich. Die Preise (hin und zurück): Erwachsene (ab 16 Jahre): 12 Euro, Kinder (4 bis 15 Jahre): 6 Euro, Kinder bis zu drei Jahren sind frei. Familien zahlen 24 Euro, Fahrräder werden kostenlos transportiert. Unter anderem auch am Himmelfahrtstag (14. Mai) und an Pfingsten (24. Mai) fährt die Bleckeder Kleinbahn auf der Strecke zwischen Lüneburg und Bleckede.