Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kaltenmoor aus der Luft: Im größten Lüneburger Stadtteil leben heute mehr als 9000 Menschen. Foto: A./bold
Kaltenmoor aus der Luft: Im größten Lüneburger Stadtteil leben heute mehr als 9000 Menschen. Foto: A./bold

Lüneburg Kaltenmoor: Geburtsstunde eines Stadtteils

ca Lüneburg. Frau von Bülow ließ sich nicht lumpen, in ihrem Gutshaus empfing sie Familie und Vertreter der Stadt. Schließlich hatte die alte Dame dem Rathaus weite Ländereien verkauft, heute steht der Stadtteil Kaltenmoor dort, und auch Häuser in Wilschenbruch heben sich auf ehemaligem Land derer von Bülows empor. An der weißgedeckten Tafel ließen sich unter anderem auf den Tag genau vor 50 Jahren, also am 30. April 1965, Kämmerer Heine und der Leiter des Liegenschaftsamtes, Gerhard Meyer, nieder. Meyer hat die Speisekarte aufgehoben: Die Gäste labten sich an wacholdergeräucherten Forellenfilets, doppelter Kraftbrühe Mikkado, gespickter Rehkeule und Obstsalat.

Meyer, heute 90 Jahre alt, sagt, vor einem halben Jahrhundert seien die Dokumente unterzeichnet worden, welche das Fundament für Lüneburgs größten Stadtteil bildeten. „Der Rechtsanwalt und Notar Petersen hat die Verträge aufgesetzt“, sagt Meyer. Neben den Ländereien habe die Stadt auch das Gutshaus in Kaltenmoor erworben: „Allerdings hatte Frau von Bülow dort ein Wohnrecht bis zu ihrem Tod.“ Heute ist in diesem Gebäude das Jugendzentrum zu Hause. „Es waren Flächen östlich der Stadt, das ging bis Wendisch Evern ran, und dann Teile von Wilschenbruch. Zusammen rund 100 Hektar Fläche“, erzählt Meyer. Aus dieser Zeit stamme auch der ehemalige Anteil der Stadt am inzwischen aufgelösten LSK-Platz.

Die Stadt hatte das Land gekauft, um es günstig weiter zu veräußern. So konnten 65 Bauherren Grundstücke für Eigenheime erwerben, Größe zwischen 800 und 1800 Quadratmeter. Der Preis pro Quadratmeter: 13,50 Mark. Grundstücke seien hochbegehrt gewesen, sagt Meyer. Am Bockelsberg und auf dem Kreideberg etwa waren neue Blocks und Bungalows entstanden, doch der Druck auf dem Wohnungsmarkt sei hoch geblieben. Auch weil Häuser aufgrund von Senkungsschäden für unbewohnbar erklärt wurden.

Nun Kaltenmoor. 6000 Menschen sollten da leben, so die Planer Heute sind es mehr als 9000. Die Stadt suchte sich Partner, zum Teil Unternehmer aus Lüneburg und Hamburg, zum anderen aber den Gewerkschaftskonzern Neue Heimat, der Hochhäuser aus dem Boden stampfte. So schreibt die LZ im August 1967, dass die Firma Urbach und die Neue Heimat in „zwei interessanten Baugruppen“ 249 Heimstätten schaffen wollen. Kosten: 15,3 Millionen Mark. Der Mietpreis solle bei 3,19 Mark pro Quadratmeter liegen.

1968 ist der erste Riesenblock fertig, die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Straße 1, 3, 5 und 7. 1973 entsteht das Einkaufszentrum. Schließlich bauen Handwerker das erste ökumenische Gemeindezentrum Deutschlands in Kaltenmoor.

An die alten Besitzverhältnisse erinnert heute noch der Bülows Kamp. Der alte Liegenschaftsamtsleiter Meyer sagt, auch das Gebiet habe die Stadt damals erworben, um begehrten Wohnraum zu schaffen: „Das Problem der hohen Nachfrage ist ja geblieben.“