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Der Gedenkstein am Timeloberg, nicht weit von hier wurde am 4. Mai 1945 die Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnet  im Hintergrund unter anderem die Bürgermeister Norbert Meyer und Peter Rowohlt (v. l.). Foto: be
Der Gedenkstein am Timeloberg, nicht weit von hier wurde am 4. Mai 1945 die Teilkapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnet im Hintergrund unter anderem die Bürgermeister Norbert Meyer und Peter Rowohlt (v. l.). Foto: be

Gedenken an 70 Jahre Frieden + + + Mit LZplay-Video

pet Wendisch Evern. 70 Jahre ist es her, dass der deutsche Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg am 4. Mai 1945 auf dem Timeloberg bei Wendisch Evern gegenüber dem britischen Feldmarschall Bernard Law Montgomery die Kapitulation der Wehrmacht für den nordwestdeutschen Raum, die Niederlande und Dänemark erklärte.

Eine Teilkapitulation, aber ein großer Schritt auf dem Weg zum endgültigen Ende des Zweiten Weltkriegs. Dementsprechend groß war die Resonanz auf die Gedenkveranstaltung, zu der der Landkreis Lüneburg und die Samtgemeinden Ilmenau und Ostheide in die Martinuskirche Deutsch Evern und zum Timeloberg eingeladen hatten.

Pastor Dr. Frank Mertin erklärte im Gottesdienst, der vom Posaunenensemble der Musikschule Lüneburg begleitet wurde: „Solche Gedenkveranstaltungen wollen die Erinnerung an Krieg und Zerstörung wachhalten, damit wir das Leid der Opfer und die verbrecherische Gewalt der Täter eben nicht vergessen, weder in den beiden Weltkriegen des vorigen Jahrhunderts noch heute in Syrien oder im Irak oder in anderen Ländern.“

„70 Jahre Teilkapitulation auf dem Timeloberg, das ist der Anfang von 70 Jahren Frieden in unserer Heimat, in Europa“, betonte die stellvertretende Landrätin Elke Stange. Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (Ilmenau) schlug die Brücke zwischen Kriegsende, der langen Zeit des Friedens und der Gegenwart mit der aktuell herrschenden Flüchtlingsproblematik.

Er appellierte: „Jetzt müssen wir Vorbild sein und zeigen, wie positiv sich dieser langjährige Frieden auf eine Gesellschaft auswirken kann.“ Norbert Meyer (Ostheide) forderte: „Lassen Sie uns an einem Frieden auf der Welt, für den jeder einzelne zuständig ist, arbeiten.“

Die Festrede hielt Prof. Dr. Rolf Wernstedt, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Landtags. Zu Unrecht sei die Teilkapitulation auf dem Timeloberg im „allgemeinen deutschen Bewusstsein fast in Vergessenheit“ geraten, erklärte er.

Wernstedt hob die direkten und indirekten Folgen sowie die Bedeutung des Vorgangs auf dem Timeloberg hervor. Zwei Folgen: „Vier Tage früher Kriegsende bedeutete, dass weniger Menschen unsinnig gestorben sind.“ Und: „Die geordnete Kapitulation hat den Übergang zu neuer ziviler Verwaltung in den besetzten und noch zu besetzenden Gebieten erleichtert und fanatisierten nationalsozialistischen Funktionären und HJ-Jugendlichen und marodierenden SS-Gruppen jede Handlungsmöglichkeit genommen.“ Die Ereignisse auf dem Timeloberg, „die beteiligten Personen und die folgenden politischen Gesamtzusammenhänge“ seien „durchaus von nationaler und internationaler Bedeutung“.

Am Fuße des Timelobergs, wo seit 1995 ein Findling mit der Aufschrift „Nie wieder Krieg“ an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, begrüßten anschließend die Heidejäger die Gäste mit der Europahymne. Elke Stange und Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer für den Landkreis, die Bürgermeister Peter Rowohlt und Norbert Meyer für die Samtgemeinden Ilmenau und Ostheide und auch Gäste legten dort Kränze nieder: der britische Colonel Andrew Reynolds, Kommandeur der britischen Garnison Bergen-Hohne, und Kinder und Jugendliche aus der französischen Partnerregion Criquetot l’Esneval in Frankreich, die gerade für eine Woche in der Samtgemeinde Ostheide zu Gast sind — eine Partnerschaft, die 1979 „zur Aussöhnung unserer Völker gegründet wurde“, wie Meyer betonte.