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Zwar hat sich schon einiges getan an der Fischtreppe in Neumühlen, Michael Loch vom Fachdienst Umwelt des Landkreises sieht aber immer noch Verbesserungsbedarf. Foto: t&w
Zwar hat sich schon einiges getan an der Fischtreppe in Neumühlen, Michael Loch vom Fachdienst Umwelt des Landkreises sieht aber immer noch Verbesserungsbedarf. Foto: t&w

Erste Hilfe für Fische — Teich am Neumühlener Wehr ist ausgebaggert worden

Der Teich verlandet und voller Schilfgras, die Fischtreppe verfallen und verstopft: Im September vergangenen Jahres hatte sich Rentner Georg Seibel in der LZ über die schlimmen Zustände rund um die alte Wassermühle an der Neetze in Neumühlen beklagt. Sein Hauptkritikpunkt: „Für Fische ist hier kein Durchkommen.“ Ortstermin mit einem Landkreis-Mitarbeiter rund acht Monate später.

emi Neumühlen. Michael Loch lässt seinen Blick über den Teich schweifen. Noch im Herbst wucherte das Schilfgras bis an den Ausgang der Fischtreppe heran, morsches Laub trieb auf dem Wasser und verstopfte das Gitter. Jetzt glitzert die Sonne auf der spiegelglatten Oberfläche, zwischen tiefgrünen Halmen gründeln Enten. „Vor etwa zwei Monaten hat der Wasserverband der Ilmenau-Niederung den Teich in Absprache mit dem Landkreis Lüneburg ausgebaggert“, sagt der Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis. „Damit wurde die Anbindung an die Neetze wiederhergestellt.“

Sinn der Teiche war es früher, das Wasser über Nacht anzustauen, um tagsüber damit die Mühle zu betreiben. Die Fischtreppe am Neumühlener Wehr wurde Anfang der 1990er-Jahre gebaut. Um die Unterhaltung kümmerte sich der Mühleneigentümer, er erhielt dafür eine Entschädigung vom Landkreis. „Aber vor einigen Jahren ist der Vertrag ausgelaufen“, erklärt Loch. Die Aufstiegshilfe für Bachforelle, Rotauge und Brasse verfiel zusehends.

„Die Fischtreppe ist derzeit nur stark eingeschränkt nutzbar“, bestätigt Michael Loch. Vor rund vier Wochen habe deshalb eine Expertin des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) den Vertical-Slot-Fischpass, auch Schlitzpass genannt, in Augenschein genommen. Dazu wurde eigens der Wasserstand abgesenkt.

Ergebnis: „Laub und Äste behindern die Durchgängigkeit der Kammern, der Umlenkblock ist an manchen Stellen weggegammelt, hier und da ist die Strömung zu stark, sodass nicht alle Fische die Treppe benutzen können.“ Nun wollen sich die Verantwortlichen Gedanken machen, welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.

„Die Frage ist, ob wir die Fischtreppe instandsetzen oder die Fische über den Schleusengraben um das Wehr herumleiten“, sagt Loch. Damit, wie die ökologische Situation verbessert werden kann, beschäftigt sich derzeit laut dem Kreismitarbeiter auch eine Gruppe Studierender der Umweltwissenschaften an der Lüneburger Leuphana Universität. Weil das Projekt auf zwei Semester angelegt ist, ist mit konkreten Ergebnissen voraussichtlich erst in einem Jahr zu rechnen.

Aber Loch kündigt an: „Wir wollen mit dem Wasserverband der Ilmenau-Niederung an der Neetze aktiver werden.“ Derzeit sei man etwa schon mit Vorbereitungen für Maßnahmen an der Wassermühle in Thomasburg beschäftigt.

Millionen für den Gewässerschutz
Auch 2015 stellt das Land Niedersachsen mit rund sechs Millionen Euro umfangreiche Fördermittel für den Schutz und die Entwicklung der Fließgewässer zur Verfügung. Damit sich naturnahe Artenbestände erhalten oder auch wieder neu entwickeln können, muss die dazu nötige Strukturvielfalt vorhanden sein. In den technisch ausgebauten Gewässern ist diese jedoch oft nicht mehr ausreichend gegeben. Das Fließgewässerprogramm zielt darauf ab, neben dem Bau der sogenannten „Fischtreppen“ als Wanderhilfe an Stauwehren insbesondere auch Maßnahmen zu fördern, die vielfältige Gewässerstrukturen schaffen.
Von den Zuschüssen profitieren wird auch ein Projekt im Kreis Lüneburg: Laut Michael Loch, Mitarbeiter beim Fachdienst Umwelt des Landkreises, soll der Schleusengraben der Wassermühle Thomasburg an der Neetze ertüchtigt werden – quasi eine Umleitung für Fische am Wehr vorbei. „Die Umsetzung wird Kosten im sechsstelligen Bereich verursachen“, sagt Loch.
Im wasserreichen Niedersachsen sind die Fließgewässer ein wesentliches Element der Umwelt. Sie gliedern die Landschaft, stellen Wanderkorridore dar und sind mitsamt ihren Ufern und Auen selbst auch wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Wichtig ist dabei eine enge räumliche Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche, damit die Tiere schnell zwischen den unterschiedlichen Teillebensräumen wechseln können. „Auch die Fische lieben die Abwechslung“ erläutert dazu der Umweltminister Stefan Wenzel. „Erfolgreicher Gewässerschutz ist daher ohne ausreichende Strukturvielfalt nicht denkbar.“
Hintergrund: Das seit 1992 bestehende und kontinuierlich weiterentwickelte Fließgewässerprogramm dient heute der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Diese sieht vor, dass sich die Gewässer unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen in einem intakten Zustand befinden und möglichst naturnahe Bestände ihrer typischen Flora und Fauna aufweisen. Der erste von insgesamt drei Bewirtschaftungsphasen endet 2015, zwei weitere folgen bis 2027.

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