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Die Erde verknautscht sich an der Frommestraße. Die Kanalrohre leiden und sollen ausgetauscht werden. Foto: t&w
Die Erde verknautscht sich an der Frommestraße. Die Kanalrohre leiden und sollen ausgetauscht werden. Foto: t&w

Abwärts an der Frommestraße Senkungsschäden verursachen auch Absacken von Abwasserrohren

ca Lüneburg. Wenn alles klappt, soll noch in diesem Jahr gebaut werden: Die Abwassergesellschaft (AGL) will die beiden Abwasserleitungen im Scunthorpe-Park auf einer Länge von rund 40 Metern erneuern. Hintergrund sind die Senkungsbewegungen an der Frommestraße. Die dort befindlichen Rohre nutzt die AGL aufgrund von Versackungen nicht mehr, sie ist auf ein Röhrenpaar, rund 20 Meter entfernt, im Park ausgewichen. Doch auch für die sogenannten Hauptsammler mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern bestehen Probleme.

AGL-Chef Lars Strehse und sein Kollege Klaus Niemann umreißen die Lage. Danach leiden die Rohre unter den Senkungen. So besteht kein Gefälle mehr, im Gegenteil: Die Rohre haben quasi einen 13 Zentimeter tiefen Knick, in dem Regen- und Schmutzwasser wie in einer Pfütze stehen. Aus Gründen der Hygiene und der Geruchsbelästigung lässt Niemann, zuständig für den Kanalbau, öfter Kollegen mit einem Spülwagen anrücken.

Das zweite Problem ist ein mechanisches: Durch das Absacken werden Rohre am oberen Teil gegeneinander gequetscht, die Folge können Brüche und Risse sein. Am Fuß hingegen werden sie auseinandergezogen — Abwasser kann auslaufen.

Niemanns Idee: Die Rohre werden verlegt und mit besonderen doppelt so breiten Muffen verbunden, die zumindest einen Teil der Bewegungen ausgleichen können. Strehse vergleicht das Modell mit einer „Doppelkette“.

Gelagert werden soll das Konstrukt in „flüssigem Boden“. Die Erklärung: Die Erde wird ausgehoben, die Rohre ausgetauscht. Normalerweise würden Arbeiter die Gräben wieder zuschütten und mit einem Rüttler verdichten. Doch das wollen die Ingenieure an der Frommestraße vermeiden, Stichwort: erschütterungsarmes Bauen. Deshalb setzen sie auf den flüssigen Boden. Das Erdreich wird mit einem besonderen Gemisch wie etwa Zement versetzt und verfüllt. Das Material verdichtet sich weitgehend selber. Es ist aber durchlässig und kann „mit einer Schaufel wieder rausgeholt werden“.

In der Pressestelle der Stadt nennt Sarah Cramer von Claus­bruch Zahlen eines Messpunktes an der Ecke Fromme-/Bastionstraße: „Im Jahr 2014 ist die Senkungsgeschwindigkeit im Zentrum des Senkungsgebiets zurückgegangen. 2011 lag sie bei 12 Zentimetern, in 2012 bei 18, 2013 bei 21 und 2014 bei 14. Seit seiner Einrichtung vor knapp fünf Jahren ist der Mess­punkt um mittlerweile 78,5 Zentimeter abgesackt.“

Das zeigt die Dramatik und macht es gleichzeitig schwer für die Planer, in die Zukunft zu schauen. „Wir wissen ja nicht, wie es weitergeht“, sagt Strehse. Deshalb überlegt die AGL auch, welche weitergehenden Lösungen möglich sind. Dabei beziehen die Fachleute aktuelle und vergangene Entwicklungen ein. Denn ein Generalentwässerungsplan aus den 80er-Jahren muss angepasst werden: Neue Baugebiete sind entstanden, auf Grundstücken versickert durch Entsiegelung mehr Wasser. Aber nicht nur das. Strehse sagt, dass der Lüneburger Untergrund ständig in Bewegung sei, das zwinge zu Reaktionen.

Die Arbeiten im Park an der Frommestraße sollen in diesem Jahr beginnen. Eine Kostenschätzung sei schwierig, sagt Niemann, rechnet aber damit, „dass wir unter 100000 Euro bleiben“. Wenn es gut laufe, habe die AGL für zehn, zwanzig Jahre Ruhe. Doch es könne auch anders kommen — das entscheiden die Kräfte in der Tiefe.