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Margret Homola vor einem der Pavillons in der Großen Bäckerstraße, wo unter anderem Vertreter des Lüneburger Behindertenbeirats und der Bürgergemeinschaft Bad Bevensen inklusiv informierten. Foto: t&w
Margret Homola vor einem der Pavillons in der Großen Bäckerstraße, wo unter anderem Vertreter des Lüneburger Behindertenbeirats und der Bürgergemeinschaft Bad Bevensen inklusiv informierten. Foto: t&w

Es gibt noch viele Barrieren – Aktion im Rahmen des „Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ + + + Mit LZplay-Video

as/kg Lüneburg. „Mit Behinderungen ist zu rechnen“, Banner mit dieser Aufschrift prangten am Dienstag an Pavillons in der Großen Bäckerstraße. Der Behindertenbeirat von Stadt und Landkreis sowie 15 Organisationen und Einrichtungen der Behindertenhilfe informierten dort über Barrieren, denen Menschen mit Beeinträchtigungen im Alltag ausgesetzt sind. Die Aktion fand anlässlich des „Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ statt. Mit Behinderungen ist zu rechnen, das kennt auch Margret Homola nur zu gut aus eigener Erfahrung, die die LZ beim Aktionstag traf.

Die 39-jährige Lüneburgerin sitzt seit 2002 im Rollstuhl, lebt allein in einer Wohnung. „Eine Möchtegern-barrierefreie-Wohnung“, umschreibt sie und erläutert: Mit dem Fahrstuhl käme sie noch in den zweiten Stock, doch die Wohnung an sich sei nicht barrierefrei. Sprich: Der Rollstuhl bleibt im Flur und sie hangele sich an Regalen und Stühlen entlang durch die einzelnen Räume. In Lüneburg gebe es nur wenige bezahlbare Wohnungen und noch weniger, die zum Beispiel per Rollstuhl befahrbar seien. Unüberwindbare Hindernisse sind für sie auch Geschäfte, wenn diese nur über Treppen zu erreichen sind oder diese über keine sich automatisch öffnenden Türen verfügen. Ein Beispiel dafür, dass Planer auch bei Neubauten nicht für den gleichberechtigten Zugang für Menschen mit Beeinträchtigungen sorgen, nennt sie auch: „Wenn ich in die 2012 eröffnete Musikschule möchte, muss mir jemand die Tür öffnen, denn es gibt keinen automatischen Türöffner.“ Schwierig sei es auch, in verschiedene Gebäude der Stadtverwaltung zu kommen. Den Zugang barrierefrei zu gestalten, sei schwierig aufgrund des Denkmalschutzes, heiße es. Aber sie würde sich wünschen, dass der Denkmalschutz nicht über dem Menschen steht. In dem Zusammenhang richtet sie auch den Blick auf Kopfsteinpflaster. Wenn das erneuert werden muss, wären Platten für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie ältere Menschen mit Rollator eine sinnvolle Lösung.

Auf die Probleme im Alltag von Menschen mit Beeinträchtigungen machten auch drei Klassen des Instituts für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege mit einer Maskenaktion und Sprüchen wie „Ihr lacht über mich, weil ich anders bin. Ich lache über Euch, weil Ihr alle gleich seid“ aufmerksam. Am Stand des Blinden- und Sehbehindertenverbands Nordost Niedersachsen konnten Interessierte taktilen Leitlinien nachgehen und sich über deren Funktion informieren.

Kirstin Linck, stellvertretende Vorsitzende des Behindertenbeirats, freute sich über viele Unterschriften für die Aktion „Barrierefreie Kommunalwahlen für Sehbehinderte und Blinde 2016“. Mit dieser soll eine Gesetzesänderung erwirkt werden, damit Schablonen für Wahlzettel hergestellt werden.

Eine Überraschung gab es zudem am Nachmittag auf dem Schrangenplatz. Zu lauter Musik lösten sich plötzlich die Tanzpädagoginnen Nadine Troué und Mira Rommel aus der Menge der Passanten und begannen zu tanzen. Knapp 50 Menschen mit und ohne Behinderung taten es ihnen gleich und ließen Arme und Hüften zum Song „Greased Lightning“ kreisen. „Wir tanzen regelmäßig mit Bewohnern verschiedener Einrichtungen. So kam die Idee, heute diesen Flashmob anzubieten“, so Beate Horstjan von der Stiftung Kühnausche Gründung Lüneburg, die die Aktion zusammen mit der Tanzwerkstatt des Lüneburger Assistenz e.V. und Studenten der Leuphana organisiert hat.