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Ein kleiner Erfolg für das Wiesenvogelschutzprogramm des Landkreises. Matthias Koitzsch zeigt auf vier Kiebitz-Eier. Zwei davon sind schon angepickt, die Küken schlüpfen bald. Foto: be
Ein kleiner Erfolg für das Wiesenvogelschutzprogramm des Landkreises. Matthias Koitzsch zeigt auf vier Kiebitz-Eier. Zwei davon sind schon angepickt, die Küken schlüpfen bald. Foto: be

Wiesenvögel erleben schlechte Zeiten

pet Scharnebeck. Es steht schlecht um den „Vanellus vanellus“ und noch schlimmer um den „Numenius arquata“. In früheren Zeiten durchaus typisch für die Region und in großer Zahl sesshaft, nehmen die Bestände der Wiesenvogelarten Kiebitz und Großer Brachvogel seit vielen Jahren rapide ab. Mit seinem Wiesenvogelschutzprogramm versucht der Landkreis Lüneburg, die vom Aussterben bedrohten Feuchtwiesenbewohner zu schützen die Aussicht auf große Erfolge ist gering.

An der Kreisstraße 53 zwischen Scharnebeck und Echem. Ornithologe Matthias Koitzsch von der Planungsgemeinschaft Marienau in Dahlem zückt sein Fernglas, sucht ein für die Einsaat vorbereitetes Maisfeld östlich der Straße ab. Vor Wochen hat er hier Bambuspfähle an den Stellen in die Erde gesteckt, wo Kiebitze sich einen Platz zum Brüten gesucht haben.

Inzwischen hat der Landwirt den Acker gepflügt, geeggt und damit für die bevorstehende Einsaat vorbereitet, die markierten Gelege der Kiebitze hat er dabei umfahren. Um erkennen zu können, ob das Brutgeschäft der zwei Kiebitzpaare erfolgreich war, muss Matthias Koitzsch über Wiese und Acker zum Nest. Schon bald steigen die Kiebitzeltern auf, behalten von oben die Situation im Blick. An den Gelegen angekommen, freut sich Koitzsch über Erfolge: Vier Kiebitzeier liegen in einem Gelege. „In zwei Eier haben die Jungvögel schon ein Loch gepickt, die schlüpfen gerade“, sagt er. Im zweiten Gelege hatten es die Küken eiliger: Sie sind schon geschlüpft, die Schalenreste haben die Eltern untergegraben. „Die Jungvögel sind am Ackerrand unterwegs“, vermutet Matthias Koitzsch.

Auf dem Acker zwischen Scharnebeck und Echem hat das Wiesenvogelschutzprogramm, mit dessen Überwachung der Landkreis Matthias Koitzsch und seine Kollegen von der Planungsgemeinschaft Marienau beauftragt hat, gegriffen, auch wenn die jungen Kiebitze noch längst nicht über den Berg sind, jetzt vor allem von Fuchs, Marderhund und Waschbär bedroht werden. Insgesamt werden solche Bruterfolge aber immer seltener.

Auf insgesamt drei Flächen, in der Echemer und der Brietlinger Marsch sowie im Gebiet Vogeley bei Wittorf, führt der Landkreis Lüneburg das Wiesenvogelschutzprogramm seit 2011 durch, dieses Jahr ist noch ein Gebiet in Amt Neuhaus dazu gekommen, wo die Stork Foundation Preten und die Agrarvereinigung Darchau als Bewirtschafter der Flächen kooperieren. Dort sind kürzlich aus 15 Kiebitznestern auf einem Maisacker rund 60 Küken geschlüpft.

Für die Flächen westlich der Elbe schätzt Matthias Koitzsch die Anzahl der Gelege auf gut 30. Mit dem Wiesenvogelschutzprogramm versucht der Landkreis, „die Landwirtschaft und den Artenschutz unter einen Hut zu bringen“, erklärt Elke Benecke, Diplom-Landschaftsplanerin beim Landkreis. So trifft der Kreis mit Landwirten, die sich beteiligen, Abmachungen, die besagen: Wenn der Bauer bei seiner Arbeit das von den Mitarbeitern der Planungsgemeinschaft Marienau gekennzeichnete und registrierte Nest umfährt oder die Bodenbearbeitung verschiebt, bekommt er einen finanziellen Ausgleich.

Im Kleinen gelingt es so, die Art in der Region zu erhalten. Gegen die großen Einflüsse, die die Population von Kiebitz aber auch Großem Brachvogel einbrechen lassen, könne man dagegen wenig tun, so Matthias Koitzsch. Etwa gegen klimatische Veränderungen, die sich unter anderem in trockenen Frühjahren äußern können. Gegen die große Zahl der „Raubsäuger“, etwa Fuchs, Marderhund oder Waschbär, die sich Ei oder Jungvogel zu gern schmecken lassen, aber auch gegen die immer intensivere landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen, gegen gut drainierte, entwässerte Äcker. Kaum noch wahrnehmbar sei so das Vorkommen des Großen Brachvogels. Wird ein Gelege entdeckt, wird es weiträumig durch einen Elektrozaun vor seinen gefräßigen Feinden geschützt.

Mit zehn Landwirten, die sich an das Wiesenvogelschutzprogramm halten, hat der Landkreis aktuell Vereinbarungen geschlossen. Es gibt aber auch weitere Bauern, die die Gelege schonen, „aber keine schriftliche Vereinbarung abschließen wollen“, sagt Elke Benecke.

Der Kreis sucht noch Partner für das Schutzprogramm. Interessierte Landwirte können sich an den Fachdienst Umwelt wenden (Tel. 04131/261362 oder elke.benecke@landkreis.lueneburg.de).

Stunde der Gartenvögel
Von Freitag, 8., bis Sonntag, 10. Mai, schlägt auch in und um Lüneburg die Stunde der Gartenvögel. Der Naturschutzbund (Nabu) fordert dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Garten, vom Balkon aus oder im Park zu beobachten, zu zählen und für eine gemeinsame Auswertung zu melden. Und so wird es gemacht: Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde entdeckt wird. Bestimmungshilfen hält der Nabu unter www.stunde-der-gartenvoegel.de bereit. Die Beobachtungen werden per Post, Telefon (kostenlos am 10./11. Mai, 10 bis 18 Uhr: Tel. 0800/1157115) oder online gemeldet. Je mehr Menschen ihre Zahlen melden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.