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Bis zu 103 dB (A) ist der Stemmhammer beim Aufbohren von Beton laut. Das demonstriert Siegfried Ahrens von der BG Bau den Lehrlingen Niko Gerdau, Marvin Dierke, Dennis Beyer und Julia Ryll. Foto: t&w
Bis zu 103 dB (A) ist der Stemmhammer beim Aufbohren von Beton laut. Das demonstriert Siegfried Ahrens von der BG Bau den Lehrlingen Niko Gerdau, Marvin Dierke, Dennis Beyer und Julia Ryll. Foto: t&w

Lärm – Die laute Gefahr auf dem Bau

mm Lüneburg. Auf dem Bau können unheilbare Schäden entstehen — auch für das menschliche Gehör. Denn zu oft sind Arbeiter zu viel Lärm ausgesetzt: „Fast die Hälfte aller anerkannten Berufskrankheiten ist auf Hörschäden zurückzuführen“, sagt Thomas Lucks, Pressesprecher der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau). Er nennt erschreckende Zahlen: Im Jahr 2013 gab es fast 39700 Lärmgeschädigte, die gewerblichen Berufsgenossenschaften zahlen für Behandlung und Renten um die 118 Millionen Euro. Davon stemmt allein die BG Bau den Anteil für 6200 Betroffene, Kosten von über 17 Millionen Euro entstehen.

Im Technologiezentrum Lüneburg, dem Bildungszentrum der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade an der Dahlenburger Landstraße, zeigte die BG Bau jungen Lehrlingen an einem Aktionstag gegen Lärm, ab welchem Geräuschpegel das Gehör in Mitleidenschaft gezogen wird und wie sie sich davor schützen können.

Es gibt eine einfache Rechnung: Die maximale Aufenthaltsdauer bei einem Lärmpegel von 85 dB (A) liegt bei acht Stunden, bei 88 dB (A) sind es noch vier Stunden, bei 91 dB (A) bleiben lediglich zwei Stunden und so weiter. Kurz und knapp: Erhöht sich der Lärmpegel um 3 dB (A), reduziert sich die empfohlene Aufenthaltsdauer an der Lärmquelle um die Hälfte. Das erklärt Jörn Jorczyk von der BG Bau den Auszubildenden im Theorieteil, führt sie anschließend zum Krach.

Denn die Lehrlinge etwa aus den Berufen Maurer, Zimmermann, Maler oder Lackierer sollen Lärm messen, den Siegfried Ahrens mit Baukreissäge, Handkreissäge, Schlagbohrmaschine, Hammer und einem Stemmhammer heraufbeschwört. Die Teilnehmer tragen Gehörschutzkapseln und stellen erstaunt fest, wieviel Lärm die Maschinen produzieren. Bei der Baukreissäge sind es 103 dB (A), bei der Handkreissäge 102 dB (A), beim Stemmhammer 103 dB (A), beim Bohrer 94 dB (A) und bei Hammer auf Nagel sogar 108 dB (A). Das Fazit: Jede gezeigte Lärmquelle ist zu laut, um ihr ohne Ohrenschützer entgegenzutreten.

Ein dauerhafter Lärmpegel von mehr als 85 db (A) könne unheilbare Schäden am Gehör nach sich ziehen, verdeutlicht Ahrens. Die Schmerzschwelle liege bei 120 dB (A), „lauter darf es nicht sein, dann wäre es Körperverletzung“, sagt Jörn Jorczyk.

Um das Gehör zu schützen, sollte Lärm vermieden werden. Dafür gibt es Vorschriften. So müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten ab einer Belastung von 80 dB (A) einen geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen, sagt Jörn Jorczyk. Arbeitnehmer sind ab einer Belastung von 85 dB (A) dazu verpflichtet, diesen Schutz auch zu tragen.

Beim Aktionstag wurden die Lehrlinge im Technologiezentrum auch von Arbeitsmedizinerin Hannele Heikkinnen-Hinkel weiter über die lauten Gefahren am Arbeitsplatz aufgeklärt, sie konnten außerdem Hörtests machen.