Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Werden Grünabfälle nach dem Wegfall der Brenntage in den Gemeinden zunehmend bei Brauchtumsfeuern wie den Osterfeuern entsorgt? Das zumindest ist eine Vermutung der Kreisverwaltung. Denn unklar ist, wo das Material bleibt, das nicht mehr verbrannt werden darf. Foto: A/t&w
Werden Grünabfälle nach dem Wegfall der Brenntage in den Gemeinden zunehmend bei Brauchtumsfeuern wie den Osterfeuern entsorgt? Das zumindest ist eine Vermutung der Kreisverwaltung. Denn unklar ist, wo das Material bleibt, das nicht mehr verbrannt werden darf. Foto: A/t&w

Weg ist der grüne Dreck

ml Lüneburg. Wer in diesen Tagen Grünabfälle aus dem Garten auf der GfA-Deponie in Bardowick entsorgen will, braucht vor allem eins: Geduld. Vor allem an Sonnabenden stauen sich die Fahrzeuge mit und ohne Anhänger zeitweise von der GfA-Einfahrt zurück bis zur Kreisstraße zwischen Bardowick und der Adendorfer Elba-Kreuzung.

Kein Wunder, wird sich mancher in der Warteschlange denken, hat doch das Land Ende März 2014 zum Ärger vieler Bürger die Brennverordnung außer Kraft gesetzt. Diese hatte an bestimmten Tagen das Verbrennen von Grünabfällen im eigenen Garten gestattet. Festgesetzt wurden die Termine von den Samt- und Einheitsgemeinden. Seit Ende Januar dieses Jahres regelt nun die Pflanzenabfallverordnung die Entsorgung des Schnittguts. Verbrannt werden darf das Grünzeug nur noch in absoluten Ausnahmefällen.

Doch was auf den ersten Blick als plausibler Grund für die Warteschlangen vor dem GfA-Gelände erscheint, ist durch Zahlen nicht zu belegen. Im Klartext: Durch die neue Verordnung müsste seit April 2014 zwar mehr Grünschnitt auf der Deponie landen als bisher, tatsächlich aber hat der kommunale Entsorger GfA keinen Mengenanstieg registriert. Der angelieferte Grünabfall liegt auf Höhe des Durchschnitts der Vorjahre. So kommt auch die Lüneburger Kreisverwaltung zu dem Schluss: „Demnach muss davon ausgegangen werden, dass das Material, das nicht mehr verbrannt werden darf, auf anderen Wegen entsorgt wurde.“

Diese Erkenntnis verdankt die Verwaltung der oppositionellen CDU im Kreistag. Die Christdemokraten waren von Anfang an skeptisch, welche Folgen die neue Verordnung haben würde. Bereits zum Kreistag am 2. Juni 2014 beantragte die CDU, die Verwaltung zu beauftragen, „im Zusammenwirken mit der GfA und den Gemeinden bis Ende April 2015 zu prüfen, wie sich die Abschaffung der Brenntage auf die Entsorgung der Grünabfälle im Kreisgebiet auswirkt.“ Zur Begründung führten die Christdemokraten an: „Es steht zu befürchten, dass Grünabfälle nun noch häufiger als bisher schon in die Wälder gebracht werden. Erwartet wird auch, dass die örtlichen Feuerwehren künftig häufiger zu ,Bränden gerufen werden, die eigentlich gar keine sind.“

Am kommenden Mittwoch, 13. Mai, wird die Kreisverwaltung nun die Ergebnisse ihrer Recherchen im Umweltausschuss vorstellen. Dabei stützen sich die Kreismitarbeiter nicht nur auf die Zahlen der GfA, sondern auch auf eine Umfrage unter den örtlichen Schredderbetrieben. Doch auch dort hat sich die Menge des zu schreddernden Materials nicht nennenswert erhöht. Unter dem Strich heißt das: Niemand weiß, wo der Grünabfall bleibt.

Deshalb verlegt sich auch die Kreisverwaltung aufs Spekulieren. In der Vorlage für die Sitzung heißt es: „Da die Recherchen keine Erkenntnisse über den Verbleib des Materials zulassen, kommen letztlich folgende nicht belegbare Alternativen in Betracht: Verschiebung des Verbrennens in Richtung Osterfeuer, Entsorgung von Grünabfällen in die Landschaft …, Verbrennen ohne Genehmigung, Verbleib des Materials vor Ort (Kompost, Mulchen, Lagern).“

An belastbaren Antworten scheint die Kreisverwaltung aber ohnehin nicht interessiert zu sein, denn in der Vorlage heißt es zum Schluss: „Aus den oben beschriebenen Ermittlungen ergibt sich derzeit kein Handlungsbedarf.“ Die Frage ist, ob sich die CDU damit zufrieden gibt.

Die Sitzung des Umweltausschusses beginnt am Mittwoch, 13. Mai, um 15 Uhr im Sitzungssaal der Kreisverwaltung, Auf dem Michaeliskloster 4. Auf der Tagesordnung steht auch ein Bericht über den Verdacht von Rüstungsaltlasten auf dem Bleckeder Ölhof und das weitere Vorgehen des Eigentümers der Fläche, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.