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Lena Starke freut sich über Aufmerksamkeiten ihrer Kinder (v.l.) Elsa,Tilda und  Johan, der Muttertag selbst ist ihr aber nicht so wichtig. Nicht auf dem Foto ist Tochter Ida. Foto: t&w
Lena Starke freut sich über Aufmerksamkeiten ihrer Kinder (v.l.) Elsa,Tilda und Johan, der Muttertag selbst ist ihr aber nicht so wichtig. Nicht auf dem Foto ist Tochter Ida. Foto: t&w

Geheimnis vor Muttertag

us Lüneburg. Johan hat schon etwas vorbereitet, etwas Rotes aus Stoff und mit Draht, mehr wolle er aber noch nicht verraten, es soll ja eine Überraschung sein. Ob seine Geschwister auch etwas für die Mama haben, weiß er gar nicht so genau, Tilda aber wohl nicht, „die ist noch klein“, sagt ihr Bruder, und der ist immerhin schon sieben. „Ich hör nicht zu“, sagt Mama Lena Starke, wohl wissend, dass es um sie geht bei der kleinen Geheimnistuerei kurz vor dem Muttertag, der am Sonntag, 10. Mai, in Deutschland und vielen anderen Ländern begangen wird.

Vor fünf Jahren wurde Lena Starke zum ersten Mal mit einem kleinen Geschenk zum Muttertag beglückt. Ihre damals noch vierjährige, älteste Tochter Ida hatte im Kindergarten ein kleines Gedicht für sie geschrieben, „das traf per Post ein und hatte mich wirklich überrascht“, erinnert sie sich. Sie selbst mache sich eigentlich gar nicht so viel aus dem Muttertag, auch bei ihr früher zu Hause habe man „eher kritisch“ auf diesen Tag geschaut, weil er von den Nationalsozialisten missbraucht worden sei. „Aber für meine Kinder ist er wichtig, und dann freue ich mich natürlich auch über ihre kleinen Aufmerksamkeiten.“

Seinen Ursprung hat der Muttertag in den USA. Am 12. Mai 1907 veranstaltete die Methodistin Anna Marie Jarvis anlässlich des Todestags ihrer Mutter ein viel beachtetes „Memorial Mothers Day Meeting“, 1914 wurde er in den Vereinigten Staaten offizieller Feiertag. Die Bewegung, die für mehr Anerkennung der Mütter eintrat, breitete sich in der Folge auch in Europa aus, 1923 griff der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber die Idee auf und propagierte aus rein kommerziellen Gründen den 13. Mai 1923 zum Muttertag. Offizieller Feiertag wurde er 1933, die Nationalsozialisten machten ihn zum „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“, der erstmals am dritten Maisonntag 1934 begangen wurde. Heute ist der Muttertag kein gesetzlicher Feiertag mehr, er wird aber weiterhin jeweils am zweiten Sonntag im Mai begangen.

Auch wenn es kleine Überraschungen gibt, besondere Aufmerksamkeit wird der Tag in der Familie Starke dennoch nicht erfahren. „Wir machen deswegen nichts Besonderes. Außerdem weiß ich gar nicht, ob ich nicht vielleicht arbeiten muss“, sagt Lena Starke. Als freiberufliche Hebamme an der Klinik in Winsen/Luhe muss sie sich nach den Terminen und Niederkünften ihrer werdenden Mütter richten, „und die sind nicht immer planbar“, wie die 34-Jährige, selbst Mutter von vier Kindern, weiß. Und dann wird sie doch ein wenig nachdenklich, denn noch immer weiß sie nicht, wie lange sie ihren Beruf überhaupt noch ausüben kann. Grund sind die enorm angestiegenen Haftpflichtversicherungen für freiberufliche Hebammen, die bereits viele ihrer Kolleginnen zur Aufgabe gezwungen haben. Sie hofft deshalb auf eine baldige Einigung zwischen den Beteiligten, „aber noch ist alles ist in der Schwebe“.

Ein schönes Erlebnis kommt ihr dann doch wieder in Erinnerung. Als junge Hebamme hatte sie den Muttertag einmal in einer Klinik erlebt, damals haben die Mütter, die dort im Wochenbett lagen, vom Krankenhaus einen kleinen Blumenstrauß bekommen. „Das könnte man eigentlich wieder machen.“ 

Hebammen hoffen auf Einigung
Im vergangenen Jahr schlugen die freiberuflichen Hebammen in Deutschland Alarm. Zuletzt waren die Prämien für ihre berufliche Haftpflichtversicherung so stark gestiegen, dass sich keine Versicherung mehr bereitfand, das Risiko weiter zu versichern, den freiberuflichen Hebammen drohte das Aus. Inzwischen konnte der Fortbestand der Haftpflichtversicherung zunächst bis Mitte 2016 gesichert werden, auch erklärten sich die Krankenkassen bereit, einen finanziellen Ausgleich für die Haftpflicht-Prämien von gegenwärtig rund 5400 Euro pro Jahr zu leisten. Jetzt aber sind erneute Verhandlungen über eine Vergütungserhöhung gescheitert, wie Lena Starke, Mitglied im erweiterten Vorstand des Niedersächsischen Hebammenverbands, erklärt. „Die Krankenkassen wollen das an eine Qualitätssicherung koppeln. Das ist auch grundsätzlich in Ordnung und absolut notwendig“, sagt Lena Starke. Nicht einverstanden seien die Hebammen aber damit, dass ihnen damit auch Kompetenzen genommen werden sollen, beispielsweise die Entscheidungsfreiheit für die Weiterverweisung werdender Mütter an einen Facharzt. „Das greift zu stark in unseren Verantwortungsbereich ein“, sagt die Hebamme. Sie hofft, dass die Beteiligten Hebammen, Krankenkassen und Versicherung schon bald zu einer sinnvollen Einigung finden. us