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Sandra und Thorsten McKay mit der 70 Jahre alten Schatzkiste, die sie bei Gartenarbeiten ausgebuddelt haben.í Foto: t&w
Sandra und Thorsten McKay mit der 70 Jahre alten Schatzkiste, die sie bei Gartenarbeiten ausgebuddelt haben.í Foto: t&w

Der Schatz unter dem Baum

kre Melbeck. Eine Schatztruhe zu finden, davon träumen viele. Doch wie das mit solchen Träumen meist so ist — sie bleiben doch nur Luftschlösser. Umso glücklicher dürfen sich die McKays aus Melbeck schätzen. Denn sie haben tatsächlich beim Buddeln im Garten eine Schatulle mit Silberschmuck und alten Münzen gefunden.

Deutschland in den letzten Kriegstagen: Wer Wertgegenstände besitzt, versteckt sie. Vor den anrückenden englischen Truppen. Sicher ist sicher. Für spätere, hoffentlich bessere Zeiten. So haben wohl auch die Eltern von Otto Walter gedacht, als sie Trauschmuck, Münzen und eine Lederbörse in eine Metall-Kassette packten und diese — nur drei Meter vom Haus entfernt — unter einem Baum vergruben. Dort ruhte der Familienschatz. 70 lange Jahre. Unentdeckt von den Briten, vergessen von den Eigentümern. Bis jetzt. Bis Thorsten McKay zu Säge, Axt und Schaufel griff, um einen Baumstubben zu entfernen. Und dabei nicht nur die Wurzeln ausgrub, sondern auch die Schatulle.

Der Familienvater wohnt erst seit Dezember mit seiner Frau Sandra und den beiden Kindern Cora und John zur Miete in dem Haus. Das dritte Kind ist unterwegs. ,,Wir wollten Platz schaffen für eine Spielwiese“, berichtet Thorsten McKay. Dass die Buddelarbeit am 1. Mai — dem Tag der Arbeit — zu einer erfolgreichen Schatzsuche werden würde, hätte der Melbecker im Leben nicht erwartet. Schließlich ist McKay begeisterter Schatzsucher. Ausgestattet mit Metallsonde ist er in seiner Freizeit auf Feldern unterwegs, um Vergrabenes, Verborgenes und Verlorenes zu finden. ,,Unser Grundstück hatte ich natürlich auch schon mit der Sonde abgesucht“, berichtet er schmunzelnd. Doch abgesehen von rostigen Hufeisen, etlichen Hufnägeln und den Drahtfedern einer alten Matratze war die Ausbeute gering. Denn ausgerechnet dort, wo der Stubben stand und die Schatulle vergraben lag, hatte McKay nicht gesucht.

Umso größer war die Überraschung und Neugierde, als Thorsten McKay und sein Vater Gerhard Schreyer beim Buddeln am 1. Mai mit der Schaufel auf metallenen Widerstand trafen. Der Deckel der Schatztruhe. ,,Das war aufregend“, berichten die beiden. Was sich wohl in der Schatulle befindet? Und hoffentlich ist sie nicht mit einer Sprengfalle gesichert, die auch noch nach Jahrzehnten gefährlich werden könnte. Man weiß ja nie… Gedanken, die den beiden Männern bei ihrer schweißtreibenden Arbeit durch den Kopf gingen. Über die Jahrzehnte war die kleine Metallkiste regelrecht eingewachsen in die Wurzel, wurde ein Teil von ihr.

Doch die Männer schafften es, die Truhe zu bergen — und mussten erst einmal eine Enttäuschung erleben. „Die Schatulle war randvoll mit feuchtem Sand…“, berichtet Gerhard Schreyer. Doch dann bemerkten sie, dass sich der Inhalt auch noch in der Truhe befand. Münzen von 1875 bis 1945, die Reste einer alten Lederbörse, ein Ehering, Schmuck und diverse andere Gegenstände.

Die McKays und Gerhard Schreyer hätten den Fund auch verheimlichen und für sich behalten können. ,,Aber so etwas machen wir nicht“, betonen sie. Sie haben ihren Vermieter Otto Walter informiert — und der zeigte sich ebenfalls überrascht und vor allem erfreut.

Denn mit der Schatulle kam auch der Ehering seines Vaters wieder ans Tageslicht mit der Inschrift ,,Karla“. Zur Feier des Tages spendierte Walter seinen Mietern eine gute Flasche Sekt. Und weil ehrlich bekanntlich am längsten währt, gabs vom Vermieter für die ehrlichen Finder auch noch ein Präsent — „ein Schmuckstück“, freut sich Sandra McKay.

Für Ehemann Thorsten ist der Schatullenfund indes Ansporn, auch künftig mit Metalldetektor auf Spurensuche zu gehen. Einen Schatz zu finden, davon hat er schon als Kind geträumt…