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Der Charakter des Bockelsbergs soll erhalten bleiben, wünschen sich Anwohner. Einfamilienhäuser sind typisch im Viertel. Foto: be
Der Charakter des Bockelsbergs soll erhalten bleiben, wünschen sich Anwohner. Einfamilienhäuser sind typisch im Viertel. Foto: be

Initiative möchte Gestaltungsregeln für Bockelsberg-Ost: Das Viertel soll so bleiben

ca Lüneburg. Der Hausbesitzer musste eine Menge Kritik einstecken: Klobig wirke sein Gebäude, es passe nicht, dass die Garage vor dem Haus und so direkt an der Straße liege. Bei einer Versammlung der Bürgerinitiative Bauentwicklung am Donnerstagabend in der Aula am Wilschenbrucher Weg galt der Bau als Fremdkörper in der Einfamilienhaussiedlung, die sich zwischen Ilme­nauwäldern und Uelzener Straße entlangzieht. Trotz aller Kritik stand der Besitzer auf und erklärte, alles passe mit den Vorgaben zusammen, die am Bockelsberg-Ost gelten. Generell sei auch er dafür, dem Gebiet Gestaltungsregeln zu geben.

Dr. Rolf Johannes und Prof. Dr. Heiner Willenberg hatten mit der BI eingeladen, um ein „Pilotprojekt“ zu starten. Der Hintergrund: In Vierteln wie dem Roten Feld, Im Korb und eben am Bockelsberg werden Häuser abgerissen und Neubauten hochgezogen. Die empfinden Anwohner aber oftmals als störend, weil sie sich nicht in die Straßenzüge einpassten. Die Bewegung hat ihren Ursprung an der Lessingstraße, eine Villa wurde abgerissen, nun soll ein Haus mit fünf Wohnungen samt Tiefgarage entstehen. Dagegen gab es Protest.

Längst hat das Thema auch das Rathaus erreicht. Und nun wollen Johannes und seine Mitstreiter einen Stichwort-Katalog erarbeiten, der Kernpunkte für einen Bebauungsplan liefern kann. Denn laut BI hat der Rat aus ungeklärtem Grund an einem Dutzend Stellen in der Stadt Bebauungspläne aufgehoben. So gilt dort der Paragraf 34 des Baugesetzbuches, das „Einfügegebot“. Doch laut Willenberg lässt der „Gummiparagraf“ eben einen großen Interpretationsspielraum zu.

Deshalb möchte die Initiative für den Bockelsberg-Ost einen einfachen Bebauungsplan aufstellen lassen. Darin sollte festgehalten werden, dass etwa nur Einfamilienhäuser mit einem Vollgeschoss zulässig sind, es soll Vorgaben für First- und Traufhöhe sowie die Dach­neigung geben. Zudem dürften maximal 20 Prozent der Grundstücksfläche bebaut werden. Das lasse auch jetzigen Eigentümern die Möglichkeit für An- und Ausbauten.

Die meisten Vorschläge gefielen den Anwohnern und Gästen, 70 waren gekommen. Aber es gab auch Einwände, so schmeckt es nicht jedem, dass es Vorgaben zur Fassadengestaltung und Farbe geben soll. Eine Nachbarin: „Bei uns stehen ja nicht nur Perlen der Architektur, auch mein Haus ist keine. Vorschriften dazu würden mir zu weit gehen.“ Ein Bauherr erklärte, schon jetzt habe er mit Nachbarn über sein Projekt an der Reinecke-Straße gesprochen, zudem Vorgaben der Stadt bekommen: Es werde einiges geregelt. Eine Maklerin merkte an, ältere Kunden möchten ebenerdige Gebäude, keine Treppen. Die könnten sich ja Kuben wie im Hanseviertel kaufen, entgegnete Willenberg. Er und Johannes betonten, es gehe zunächst um Vorschläge. Darüber wolle man mit Politik und Verwaltung diskutieren, um Grundzüge für einen Bebauungsplan zu erstellen. Am Ende stimmten 44 Anwohner für das Vorgehen, drei enthielten sich, dagegen war keiner. Die Aktivisten sehen den Modellcharakter des Projekts für andere Karrees.