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Das Pumpspeicherwerk soll Teil eines virtuellen Kraftwerks sein, über das die dezentrale Stromversorgung in der Region zusammengeschaltet werden könnte. Hiersehen sich Professor Thomas Schomerus und sein Leuphana-Kollege Professor Heinrich Degenhart zusammen mit Kai Römer (v.l.)  vom Wasser- und Schifffahrtsamt das Modell an. Foto: t&w
Das Pumpspeicherwerk soll Teil eines virtuellen Kraftwerks sein, über das die dezentrale Stromversorgung in der Region zusammengeschaltet werden könnte. Hiersehen sich Professor Thomas Schomerus und sein Leuphana-Kollege Professor Heinrich Degenhart zusammen mit Kai Römer (v.l.) vom Wasser- und Schifffahrtsamt das Modell an. Foto: t&w

Pumpspeicher am Schiffshebewerk: Zehn Jahre bis in Gewinnzone

mm Lüneburg. An das Geschäft mit erneuerbaren Energien glauben auch Wissenschaftler. In der Leuphana Universität tüfteln sie deshalb seit längerem an einem großen Vorhaben: Forscher im Inkubatorprojekt „Erneuerbare Energien in der Region Nord“ (EnERgioN) überlegen, ob der Elbe-Seitenkanal und das Schiffshebewerk Scharnebeck als Pumpspeicherwerk taugen könnten. Dazu nehmen sie Technik, Wirtschaftlichkeit und rechtliche Voraussetzungen unter die Lupe, eine Erkenntnis: Nach zehn Jahren könnten mit dem Pumpspeicher erste Gewinne erwirtschaftet werden.

Die Wissenschaftler haben jetzt ihre Forschung an der Uni vorgestellt: „Die Implementierung eines Pumpspeichers im Elbe-Seitenkanal ist grundsätzlich möglich“, sagt Maik Plenz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im EnERgioN-Projekt, zu dem auch das Pumpspeicherwerk gehört. Die Anlage sollte Teil eines virtuellen Kraftwerks in der Region sein. Über diese ließen sich dezentrale Stromerzeuger wie Solardächer zusammenschalten. Auch das Pumpspeicherwerk wäre mit eingeschlossen, könnte zu Spitzenzeiten Energie freigeben, wie beispielsweise abends, wenn wenig Solarenergie produziert, aber viel Strom verbraucht wird.

Über das Pumpspeicherwerk könnten etwa 2750 Haushalte mit Strom versorgt werden, geht man von einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden aus. Die nötige Technik: Das Schiffshebewerk müsste mit neuen Pumpturbinen ausgerüstet werden, das würde rund 2,7 Millionen Euro kosten, erläutert Maik Plenz.

Über die Pumpen würde Wasser nach oben gedrückt, wenn viel Energie im Netz verfügbar ist. Dann, wenn wieder weniger Energie im Stromnetz vorhanden ist, könnte das Wasser hinab rauschen, dabei über die Turbinen Strom erzeugt werden. Ein Geschäft, mit dem sich Geld verdienen ließe.

Wie, das verdeutlicht Thomas Kott, im Team EnERgioN zuständig für Finanzfragen. Kott meint, der Strom müsse sowohl am Spotmarkt, Strom wird hier für den nächsten Tag oder die nächste Stunde gehandelt, und am Markt für Regelleistung verkauft werden. Der Wissenschaftler rechnet mit einem Jahresüberschuss von 345000 Euro, zehn Jahre würde es laut Kott dauern, bis sich die Scharnebecker Anlage rentiert.

Von rechtlicher Seite, sieht Professor Thomas Schomerus zwar Hürden, die aber überwunden werden könnten. Nötig wären etwa die Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens und die Einholung eines gewässerökologischen Fachgutachtens.

Nur Kai Römer vom zuständigen Wasser- und Schifffahrts­amt in Uelzen tritt bei dem Projekt auf die Euphoriebremse. „Derzeit gibt es von unserer Seite keine Bestrebungen, neue Anlagen zu bauen“, sagt er. Allerdings könne sich das noch ändern. Denn im neuen Bundesverkehrswegeplan, der noch in diesem Jahr fertig sein soll, könnte stehen, dass „in den nächsten zehn Jahren eine neue Schleuse am Schiffshebewerk Scharnebeck gebaut wird“. Für die Realisierung eines Pumpspeichers müsste erstmal ein Betreiber gefunden werden, es sei die spannende Frage, ob die Planungen „auf fruchtbaren Boden fallen“.