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Die Berufsrichter (v.l.) Michael Herrmann, Thomas Wolter und Axel Feldmann mussten immer wieder mit den Schöffen über Anträge der Verteidiger beraten, die den Zeugen zum Reden bringen wollten - der aber berief sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht. Foto: phs
Die Berufsrichter (v.l.) Michael Herrmann, Thomas Wolter und Axel Feldmann mussten immer wieder mit den Schöffen über Anträge der Verteidiger beraten, die den Zeugen zum Reden bringen wollten - der aber berief sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht. Foto: phs

Prozess um Schüsse am Klinikum: Opfer war gewappnet

rast Lüneburg. Bedroht worden soll er sein, aus dem eigenen Familienkreis heraus, weil den Verwandten sein Aussageverhalten missfiel. Jetzt nahm der Mann, selbst mutmaßliches Opfer und Nebenkläger, am 17. Verhandlungstag im Prozess um die Schüsse am Klinikum erneut im Zeugenstuhl vor der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg Platz und diesmal missfiel vor allem den Verteidigern sein Aussageverhalten. Denn die meisten Fragen blockten er und sein Anwalt ab. Deutlich allerdings wurde, dass er selbst auf eine Attacke vorbereitet war.

Ausgangspunkt für die Tat am 6. September 2014 war eine jahrelange Fehde zwischen zwei kurdisch-stämmigen Familien. Angeklagt sind sieben Männer im Alter zwischen 26 und 34 Jahren, denen die Staatsanwaltschaft unter anderem versuchten Mord mit Blutrache als Motiv und gefährliche Körperverletzung vorwirft. Drei von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Bei der Auseinandersetzung vor dem Klinikum wurden acht Angehörige der mit den Angeklagten verfeindeten Familie zum Teil schwer verletzt, drei durch Schüsse, darunter auch der Zeuge. Der Attacke an der Bögelstraße vorausgegangen waren am Vortag blutige Ereignisse in einem Fitnessstudio am Pulverweg. Noch am selben Abend hatten einige der späteren Opfer zusammengesessen. Der Zeuge, einer der älteren Familienmitglieder, hatte in der vergangenen Woche ausgesagt, er habe dabei einem seiner Neffen „quasi eine Ohrfeige“ gegeben, die „Jungen“ sollten keine weiteren Probleme verursachen. Jetzt ruderte der Zeuge ein wenig zurück, er habe lediglich gesagt: „Bitte keine weiteren Probleme.“ Eine Ohrfeige habe es nicht gegeben. Auf die Frage, wie der Neffe denn darauf reagiert habe, gabs keine Antwort. Der Mann machte von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch, da es um seinen Neffen, also um einen Verwandten, gehe. Die Richter ließen ihn schweigen, denn mit der Beantwortung der Frage könnte der Verdacht einer Straftat bei seinem Neffen begründet sein.

Ungeklärt blieb auch die Frage, wie ein Messer in die Handtasche seiner Frau kam. Die Tasche habe sie beim Krankenbesuch in der Klinik im Auto eines weiteren Neffen gelassen, wer es da reingesteckt habe, wisse er nicht. Und das sichergestellte Pfefferspray stamme nicht aus der Tasche seiner Frau, sondern aus einer anderen Tasche, die der Neffe ins Auto getan habe.

Der Zeuge räumte allerdings ein, dass er „ein Holz“ und einen „schwarzen Metallgegenstand, den man ausziehen kann“, sprich einen Teleskopschlagstock, in den Wagen gepackt habe. Beide Gegenstände habe er am Klinikum aus dem Wagen geholt, den Metallgegenstand habe er bei der Auseinandersetzung aber nicht genutzt, sondern weggeschmissen. Seit wann und woher er diesen Schlagstock hatte, wollte der Mann nicht verraten er hätte sich wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Waffengesetz selbst belasten können.

Der Prozess wird fortgesetzt.