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Foto: t&w Kita Erzieherinnen Streik betroffene Mütter

„Auch im Streik sind wir nicht hilflos“

us Lüneburg. „Eins stellen wir klar: Wir machen das für die Eltern und die Erzieher, nicht für den Oberbürgermeister!“ Seit Tagen schon sind Karen Heuges, Anna Sommerfeld und Nicole Griese im Einsatz, stellen Pläne auf, organisieren Treffen, stimmen sich mit der Stadtverwaltung ab und holen Informationen ein alles, um rechtzeitig auf den bundesweiten Kita-Streik vorbereitet zu sein, der seit Montag nicht nur ihre Kinder, sondern auch sie als Eltern trifft. „Für uns war klar, dass wir etwas tun müssen, wenn der Streik kommt. Auf andere wollten wir uns nicht verlassen“, sagt Karen Heuges.

Die Aktion der drei Mütter, die zum Elternrat der Kita Schützenstraße gehören, haben sie unter das Motto „Eltern helfen Eltern“ gestellt. Als noch unklar war, ob für die Dauer des Streiks von der Stadt Notbetreuungen eingerichtet würden, hatten sie sich bereits zusammengetan, um ein Netzwerk für gegenseitige Hilfe aufzubauen. In Vorbereitungstreffen wurde geklärt, welche Elternteile für eine Betreuung zur Verfügung stehen, „egal ob für zwei Stunden, drei Tage oder zwei Wochen, jede freie Kraft zählte“, sagt Nicole Griese. Auch sie hat sich mit in die Betreuungsliste eingetragen, weil sie zurzeit arbeitsuchend ist, war es für sie selbstverständlich, selbst mit einzuspringen. Auch Anna Sommerfeld und Karen Heuges haben ihre Zeiten so eingerichtet, dass sie Kita-Dienste übernehmen können.

„Intensiv abgeklopft“, wie Anna Sommerfeld sagt, habe man dann, welche Eltern von dem Streik wirklich hart betroffen waren, danach wurde dann die Gruppe gebildet. Parallel fanden Gespräche mit der Stadtverwaltung statt, sie sorgte dafür, dass die Gruppe Räume in der Kita Kaltenmoor nutzen kann und auch die Mittagsverpflegung sichergestellt ist. „Das größte Hindernis aber waren die hohen Kosten für die Versicherung“, führt Nicole Griese aus. Als Eltern-Betreuerinnen hätten sie eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abschließen müssen, doch dafür wären Kosten von bis zu 1000 Euro pro Betreuerin angefallen, „das konnten wir privat nicht leisten“. Zwar habe die Stadt angeboten, eine Kostenübernahme oder -erstattung prüfen zu lassen, das aber war den Damen zu ungewiss. Schließlich wurde vereinbart, dass zwei Erzieherinnen und ein Erzieher aus der Kita Schützenstraße, die sich nicht an dem Streik beteiligen, mit in die Kita Kaltenmoor gehen und dort die fachliche Betreuung sicherstellen. Damit war auch das Versicherungsproblem gelöst.

„Für diese Woche sind wir erstmal hier untergebracht, wie es weitergeht, müssen wir sehen“, sagt Karen Heuges. Damit alle Eltern jederzeit über neue Entwicklungen informiert sind, hat sie eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet, eine Austauschplattform, die SMS-Nachrichten per Smartphone kommuniziert, in der Kita hängen zudem die Betreuerlisten aus, außerdem finden regelmäßig Abstimmungen mit der Kita-Leitung und der Stadtverwaltung statt, „die uns beide wirklich toll unterstützen“.

Für die drei Mütter und Initiatorinnen von „Eltern helfen Eltern“ ist nicht nur die gegenseitige Unterstützung wichtig. „Wir wollen auch zeigen, dass Eltern etwas erreichen können, wenn sie sich zusammentun. Auch im Streik sind wir nicht hilflos. Aber dazu braucht es Eigeninitiative.“