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Foto: t&w Hans-Jürgen Wege Südergellersen Solarpark Photovoltaik-Anlage auf dem Acker von Landwirt Carsten Beecken  und Windkraft Windräder Windkraftanlagen 
23.03.2010 unveröff
Foto: t&w Hans-Jürgen Wege Südergellersen Solarpark Photovoltaik-Anlage auf dem Acker von Landwirt Carsten Beecken und Windkraft Windräder Windkraftanlagen 23.03.2010 unveröff

Viel Wind um neue Anlage

kre Vastorf. So mancher liebestolle Mann mag es vielleicht bedauern, trotzdem: Rotlicht-Gewerbe darf sich im Industriegebiet Volkstorf ebenso wenig ansiedeln wie ein abwasserintensiver Betrieb. Geregelt ist das im Bebauungsplan für das Industriegebiet. Von einem Ausschluss-Kriterium für Windkraftanlagen steht jedoch nichts in den Festsetzungen. Anders formuliert: Weil die Windquirle im Volkstorfer Industriegebiet nicht verboten sind, sind sie erlaubt. Die Frage ,,Raumbedeutsamkeit“, sonst ein wichtiges Kriterium für die Genehmigung dieser Riesenspargel, stellt sich in diesem besonderen Fall für das Areal nicht. Weil es ein Industriegebiet ist. So jedenfalls sieht das Thomas Kompa, Geschäftsführer der Enerkraft GmbH, der eine 200 Meter hohe Windkraftanlage im Volkstorfer Industriegebiet errichten möchte.

Und was sagt der Landkreis, der seit rund drei Jahren sein Regionales Raumordnungsprogramm im Bereich Windenergienutzung überarbeitet? Dass die Anlage ,,raumbedeutsam“ ist, steht für Kreisrätin Monika Scherf außer Frage. „Aber es gibt Hinweise im Entwurf des niedersächsischen Windenergieerlasses, dass solche Anlagen in Industriegebieten zulässig sein könnten“, erklärt Scherf. Eine Blaupause für andere Vorhaben sei das aber nicht.

Baurechtlich ist die Realisierung der Anlage nach derzeitigem Stand also wohl kein Problem. Und politisch? Da sieht die Entscheidungsfindung nicht so einfach aus. „Wir diskutieren das gerade in unseren Gremien“, sagt Gemeindedirektor Dennis Neumann.

Würde Kompa seinen Bauantrag jetzt stellen, müsste der Vastorfer Gemeindedirektor das Einvernehmen erteilen, ,,weil die Bauleitplanung nichts anderes hergibt“. Trotzdem zeigt sich der Geschäftsführer der Enerkraft GmbH gesprächsbereit: „Ich will die Anlage nicht gegen den Willen der Bürger errichten“, sagt der Diplom-Wirtschaftsingenieur. Wohlwissend, dass Kooperation besser als Konfrontation ist. Einen festen Zeitplan hat er dennoch vor Augen: Mitte 2017 soll die Anlage in Betrieb gehen.

2,6 Hektar groß ist das Areal, auf dem die Anlage aufgestellt werden soll mit ausreichendem Abstand zu allen Seiten. Das sind 27 Prozent der noch freien Fläche im Industriegebiet, die somit auf einen Schlag vermarktet wären. Für die finanziell nicht auf Rosen gebettete Kommune Vastorf eine verlockende Situation. Schließlich hat die Erschließung des Industriegebietes die Kommune viel Geld gekostet. „Wenn jetzt die Erschließungskosten für 26000 Quadratmeter zurückgezahlt werden, ist das natürlich eine verlockende Summe“, sagt Neumann. Auch die Gewerbesteuer würde die Kommune als Einnahmen verbuchen können, denn seinen Firmensitz will Kompa nach Vastorf verlegen. Einnahmen statt Steuererhöhung oder Streichung von Freiwilligen Leistungen. Das sind wichtige Argumente im Gespräch mit der Politik

Bleibt noch das Problem mit den Arbeitsplätzen. Indus­triegebiete werden gemeinhin ausgewiesen, um qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen. Das wird mit der Windkraftanlage nicht funktionieren, auch wenn Kompa einen ,,Windwart“ für die Wartung der Anlage einstellen will. Aber: „Wir werden uns vertraglich dazu verpflichten, dass wir unsere Anlage nach etwa 20 Jahren zurückbauen, um der Gemeinde damit neue Optionen für die Neuansiedlung von Betrieben zu ermöglichen“, verspricht der Wirtschaftsingenieur.

Dass die Windanlagen-Pläne bei den Vastorfer und Volkstorfer Bürgern trotzdem für Unruhe sorgen, hat Thomas Kompa bei der jüngsten Bauausschusssitzung der Gemeinde selbst erlebt. Rund 30 Bürger waren gekommen, um sich zu informieren, um Fragen zu stellen. Bedenken, die immer wieder lauten: optische Beeinträchtigung, Lärm und Schattenwurf.

Dazu sagt Kompa: „Wir halten Abstand zur Wohnbebauung, die etwa 1000 Meter weit entfernt ist.“ Beim Thema In­fraschall verweist der Geschäftsführer auf eine Langzeitstudie des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, die besagt, „dass die im Infraschallbereich liegenden Schallemissionen der Windenergieanlage weit unter der Wahrnehmungsschwelle des Menschen liegen und daher zu keinen Belästigungen führen.“ Außerdem sei festgestellt worden, dass der durch den Wind verursachte Infraschall deutlich stärker sei, als der ausschließlich von der Windenergieanlage erzeugte Infraschall. Auch die „Verschandelung“ des Landschaftsbildes mit einer 200 Meter hohen Anlage sieht Kompa nicht so dramatisch: Von mehreren Standorten aus habe er Fotos gemacht. Da wirke seine Anlage nicht viel auffälliger als die vier bereits vorhandenen zwischen Barendorf und Vastorf.

2 Kommentare

  1. Ja, wunderbar! Natürlich schon irgendwie schade, dass aus der Idee mit dem Rotlichtviertel nicht’s wird, aber so ein Windpark , das klingt doch auch nach Wachstum und Beschäftigung! Man hört ja fast schon, wie die Gemeindekasse klingelt! Auch gut daran ist, dass die innovativen Windkraftanlagen nachhaltig dazu beitragen könnten , dass sich der Wolf nicht in unseren Gefilden breit macht. Oder dass im Frühjahr gar Zugvogel auf den mit Glyphosat gespritzten Rest-Ackerflächen bei Vastorf rasten. Schließlich soll ganz in der Nähe ja sowieso bald die wichtige, neue Autobahn Platz finden.- Da passen 200 Meter hohe Windkraftanlagen doch wunderbar in das Beton-Landschaftsbild! Ich gratuliere allen Barendorfern zu der vorbildlichen Wirtschaftspolitik ihrer gewählten Volksvertreter. Hier bahnt sich ein ganz neues Regional-Konzept an: “ Tschüß, Heidetourismus und Natur – Hallo Beton, Lkw-Verkehr und Airport-Feeling!“ Wer es nicht kennt: das Industriegebiet in Vastorf ist die schöne Ecke, wo nachts ein beleuchtetes Paletten-Lager und abgestellte Kirmes-Wagen auf einer eingezäunten Industrie-Norm-Fläche parken. Davor steht ein Schild: das Vorhaben wurde mit EU-Mittel gefördert. Und die Paletten werden Video-überwacht! Das ist prima, denn so wird die Zukunft unserer Kinder gesichert. Und vor allem, ganz wichtig: mit den Subventionen sind neue Arbeitsplätze entstanden. Wie viele ist zwar nicht ganz klar, aber das ist ja auch nicht so wichtig.
    Eine schöne EU-Broschüre oder Powerpoin-Präsentation dazu gibt’s bestimmt im Büro des Gemeindedirektors und seiner kundigen Marketing-Strategen. Und Schleiereulen, Mäusebussarde oder gar Igel und Lurche kann man sich schließlich ja wohl auch super im Museum angucken, in ausgestopfter Form. Weiter so, Deutschland!

  2. Karsten Hilsen

    Zitat: (…)“Windquirle“(…)

    Diese Bezeichnung dreht das Wirkprinzip ins Gegenteil um….
    Mag sein, daß der Autor „locker“ schreiben wollte.
    Isses hier nicht, weil’s eben sowas von flasch ist.

    Der ganze, offensichtlich groteske Unfug, so eine -grundsätzlich begrüßenswerte! Anlage in ein komplett
    beplantes und erschlossenes oberzentrums- und autobahnnahes Industriegebiet zu bauen.
    Also, daß sowas überhaupt rational angedacht werden kann, ist ein untrügliches Zeichen für völlig
    verfehlte Rahmenbedingungen.