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Bleckede 
Trümmerfeld ehem. Ölbunker 
Matthias Sperling 
Herr Boock (?)
Foto: t&w Bleckede Trümmerfeld ehem. Ölbunker Matthias Sperling Herr Boock (?)

Auch der Kreis wusste Bescheid

off Bleckede. Der Bleckeder Ölhof könnte verseucht sein. Das ist spätestens seit 1990 aktenkundig und zwar nicht nur bei Land und Bund, sondern auch beim Landkreis Lüneburg. Während der Sitzung des Umweltausschusses am Mittwochnachmittag nahm die Verwaltung erstmals seit Bekanntwerden der versäumten Schadstoffanalyse öffentlich Stellung zu dem Thema. Insgesamt sieben Fragen der Grünen-Kreistagsfraktion hatte Wolfram Kallweit als Fachbereichsleiter Umwelt zu beantworten. Ergebnis: Auch dem Landkreis war das Gutachten über eine mögliche Schadstoffbelastung des Ölhofes bekannt. Und auch der Landkreis hat nichts unternommen.

Es gab bereits seit Ende des Zweiten Weltkrieges wiederholt Hinweise auf eine Kontamination des Geländes am Bleckeder Stadtrand, etwa eine Grünfärbung des Trinkwassers 1954. Doch unternommen wurde nichts. Erst 1990 beauftragte das Land Niedersachsen den TÜV Hannover im Rahmen der „Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen“ mit einer „Erfassung und Erkundung“ des ehemaligen Tankmarinelagers. Die Ergebnisse erhielten das Land, der Bund als Eigentümer und wie Kallweit nun bestätigte auch der Landkreis, doch Handlungsbedarf sah fast 25 Jahre lang niemand. Erst nachdem die LZ das Thema Ende März zum ersten Mal aufgegriffen hat, soll die im Gutachten empfohlene Schadstoffanalyse nun nachgeholt werden. Entsprechende Schritte hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nach eigenen Aussagen bereits in die Wege geleitet.

Und der Landkreis? Warum hat man hier nicht früher gehandelt? „Gründe sind die Verantwortung des Bundes, konkret der Oberfinanzdirektion Hannover als ausführende Stelle für den Bund, die das Gutachten vorliegen hat, sowie der Umstand, dass keine Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Ölhof bekannt wurden“, erklärte Kallweit. Ferner seien auch die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises begrenzt gewesen. Auch jetzt plant die Verwaltung keine eigenen Untersuchungen. „Dennoch trägt der Landkreis den Befürchtungen der Bevölkerung Rechnung, indem die Maßnahmen der Oberfinanzdirektion Hannover als Grundstückeigentümer nach Kräften unterstützt werden“, versicherte Kallweit.

Geplant sind nach Informationen der Kreisverwaltung zwei Untersuchungen. Zum einen soll eine Recherche in vorhandenen Archiven erfolgen, „gegebenenfalls unter Einbeziehung von Luftbildern für den Zeitraum nach 1945, die erst Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre durch britische Stellen freigegeben wurden“. Darauf aufbauend sollen „gegebenenfalls“ Untersuchungen vor Ort erfolgen. Ergebnisse der Archiv-Recherche seien frühestens Anfang 2016 zu erwarten. „Ergebnisse von Untersuchungen des Bodens bzw. des Grundwassers liegen dann wahrscheinlich zur Mitte 2016 vor.“

Kallweit versicherte auch auf Drängen des Bleckeder Bürgermeisters Jens Böther während der Einwohnerfragestunde an dem Thema „dranzubleiben“, Ausschussmitglieder und Kommune über alle neuen Erkenntnisse zu den Untersuchungen zu informieren. Beschäftigen wird die Kreisverwaltung zudem eine weitere Frage zum Ölhof, die Henning Bendler während der Sitzung aufwarf. Denn der Bleckeder fordert nicht nur die lange überfällige Schadstoffanalyse, ihm liegen auch die letzten beiden Trümmerfelder im Ölhof am Herzen, die die BImA aus Sicherheitsgründen beseitigen will. „Hat sich der Kreis mal gefragt, ob die Felder als Bodendenkmal erhalten werden sollten“, fragte er. Hat der Kreis bisher nicht, antwortete Kallweit, versicherte aber: „Prüfen kann man das.“