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Seit mehr als 30 Jahren sucht Helmut Borkowski auf den Feldern in der Samtgemeinde Amelinghausen nach Artefakten wie Pfeilspitzen. Längst werden die Funde digital am Computer dokumentiert. Foto: bau
Seit mehr als 30 Jahren sucht Helmut Borkowski auf den Feldern in der Samtgemeinde Amelinghausen nach Artefakten wie Pfeilspitzen. Längst werden die Funde digital am Computer dokumentiert. Foto: bau

Amelinghausen: Paradies für Hobby-Archäologen

bau Amelinghausen. Für Helmut Borkowski ist die Region „das Paradies“. Seit mehr als 30 Jahren sucht der 75-jährige Hobby-Archäologe auf den Feldern in der Samtgemeinde Amelinghausen nach Artefakten wie Pfeilspitzen oder Klingen, die hier auf Rastplätze und Siedlungen aus der Vorzeit hindeuten. „Mittlerweile“, so Borkowski lachend beim Treffen im Archäologischen Museum in Oldendorf/Luhe, „habe ich mehr Probleme, meine ganzen Funde vernünftig einzulagern, als Gegenstände zu finden.“ Dabei deutet er auf mehrere Dutzend bis oben hin gefüllte, selbst gezimmerte Holzkisten. „Es dürfte eine der größten Sammlungen mit Oberflächenfunden im norddeutschen Raum sein.“

Für Helmut Borkowski ist die Region „das Paradies“. Seit mehr als 30 Jahren sucht der 75-jährige Hobby-Archäologe auf den Feldern in der Samtgemeinde Amelinghausen nach Artefakten wie Pfeilspitzen. Foto: bau
Für Helmut Borkowski ist die Region „das Paradies“. Seit mehr als 30 Jahren sucht der 75-jährige Hobby-Archäologe auf den Feldern in der Samtgemeinde Amelinghausen nach Artefakten wie Pfeilspitzen. Foto: bau

Bei der Sortierung hat ihm anfänglich Peter Wolfermann aus Dehnsen geholfen. Die Gegenstände warten auf ihre Bestimmungen durch Stellen wie dem Landesamt für Denkmalschutz in Hannover. „Das ist ein großer Schatz für die Wissenschaft“, sagt Borkowski, „doch leider sind für die aufwändigen Untersuchungen kaum finanzielle Mittel vorhanden.“ Dennoch wurden laut dem Amelinghausener schon mehr als 100 seiner Fundmeldungen dank der Hilfe und Bearbeitung vom Lüneburger Kreisarchäologen Dietmar Gehrke untersucht und sind unter anderem im Museum in Oldendorf/Luhe zu sehen. Die Sammlung selbst hat er dem Museum Lüneburg geschenkt. Die ältesten Funde von ihm stammen von den Renntierjägern, etwa 9600 vor Christus, die an den Flüssen Lopau, Luhe und an der Ehlbeck ihre Rastplätze hatten.

Bereits als Kind interessierte sich der heute 75-Jährige für die Altertumskunde. „Mit 15 Jahren bin ich als Moses zur See gefahren. Mit 16 Jahren stand ich vor den Pyramiden von Gizeh und staunte darüber, wie die Ägypter es geschafft haben könnten, die großen Steine ohne Maschinen zu bewegen“, sagt Borkowski. Der Auslöser für ihn, selbst in den Sandgruben der Umgebung zu wühlen und er fand Fossilien wie Seeigel, Seelilien, Schnecken, Korallen und Haifischzahnreste.

„So richtig fing es aber an, als ich Dr. Walter Gauger aus Lüneburg kennenlernte.“ Der Studienrat am Johanneum ließ sich 1969 vorzeitig pensionieren und widmete sich dem sogenannten Geschiebe der Eiszeit. „Wir trafen uns alle drei Wochen in Lüneburg“, sagt der Heidjer. Daraus ist für Borkowski eine seit 45 Jahre andauernde große Leidenschaft entstanden. So ist er seit Jahren auch im Oldendorfer Museum engagiert, außerdem ist er Mitglied im Arbeitskreis Steinzeit im Landesverein für Urgeschichte Hannover sowie im Naturwissenschaftlichen Verein Lüneburg.

Seine Funde machte er bei Flurbegehungen an der Oberfläche. Mehr als 100 seiner Fundmeldungen wurde dem Landesamt Hannover angezeigt. Etliche Siedlungen vermutet der Amelinghausener darunter. Offizielle Grabungen hat es aber bisher nicht gegeben, das Geld fehlt. „Vielleicht kommt später mal heraus, dass sich Menschen in unserer Region schon viel früher als heute bekannt angesiedelt haben.“

Borkowski sammelt Werkzeugteile, die beim Pflügen der Äcker zu Tage kommen: Klingen, Schaber, Messer, Pfeilspitzen, Bohrer und Stichel aus Feuerstein oder Knochensubstanz. Auf seinen Spaziergängen führt der Sammler stets ein von ihm selbst entworfenes Gerät mit sich. Einen Bambusstock, dessen oberes Ende mit einem Knauf, das untere mit einer Gabel versehen ist. „So gehe ich über den Acker, werfe das Fundobjekt mit den Gabelzinken nach oben und fange es auf.“

Zuletzt hat er in seinem Paradies wieder mehr als sechs Stunden auf einem Acker bei Dehnsen verbracht. „Ich hatte gesehen, dass dort Rohre zur Beregnung von Feldern eingegraben wurden.“ Um zu verhindern, dass Fundstücke wieder „untergepflügt“ werden, untersuchte er die Oberfläche mit Erfolg. Flint­abschläge und Pfeilspitzen kamen unter anderem zu Tage. Besonders stolz ist er aber auf den „in-situ“-Fund einer Feuerstelle mit Holzkohle. „Das bedeutet, dass das Objekt noch in der Originallage ist und nicht durch geologische Prozesse verlagert wurde“, sagt Helmut Borkowski und erklärt: „Dadurch kann eine ganz genaue Bestimmung des Fundes stattfinden.“

Oldendorfer Totenstatt

Die Oldendorfer Totenstatt mit ihrer mehr als 5600-jährigen Vergangenheit als Bestattungsfeld ist eines der interessantesten Steingräber des Landkreises Lüneburg. Dort befinden sich Fundplätze aus nahezu allen vor- und frühgeschichtlichen Epochen an einem Ort vereint. Im Archäologischen Museum bildet die Oldendorfer Totenstatt daher einen Ausstellungsschwerpunkt. Der seit 2005 laufende Museumsbetrieb wird von den mehr als 20 Mitgliedern des „Vereins zur Förderung des Archäologischen Museums Oldendorf/Luhe e.V.“ organisiert. Der Verein hat sich die Förderung des Museums als kulturelle Einrichtung sowie dessen Erhaltung, Betreuung, Unterstützung und Weiterentwicklung als Ziele gesetzt. „Und dafür suchen wir noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter“, sagt Helmut Borkowski. Interessenten können sich bei der Vorsitzenden Erika Marbs-Cornils, % 040 / 52 985 759, melden. Zum Museumstag am Sonntag, 17. Mai, ist der Eintritt frei, auch gibt es Kaffee und Kuchen.