Donnerstag , 8. Dezember 2016
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NBank-Vorstandsmitglied Dr. Sabine Johannsen und Stephen Struwe-Ra­moth, Leiter der Beratungsstelle Lüneburg. Foto: A./be
NBank-Vorstandsmitglied Dr. Sabine Johannsen und Stephen Struwe-Ra­moth, Leiter der Beratungsstelle Lüneburg. Foto: A./be

Förderperiode der Europäischen Union: Lüneburg verliert Sonderstellung

rast Lüneburg. Die Förderperiode der Europäischen Union lief offiziell von 2007 bis Ende 2013, in dieser Zeit flossen über das Land Niedersachsen knapp zwei Milliarden Euro an Projekte, bewilligt über die NBank. Vor allem die Region Lüneburg profitierte, hier wurden 829 Millionen Euro investiert. Da Lüneburg allerdings seit Anfang 2014 nicht mehr als Konvergenzgebiet gilt, ist es aus mit der Sonderstellung, es gibt künftig weitaus weniger Geld: „Lüneburg erfährt nun eine Gleichbehandlung mit den anderen niedersächsischen Regionen“, sagt Dr. Sabine Johannsen, Mitglied des NBank-Vorstands, und gibt einen Ausblick auf die aktuelle, bis 2020 laufende Förderperiode: „Insgesamt stehen 970 Millionen Euro zur Verfügung. Was in die Lüneburger Region fließt, ist noch unklar. Das ist von den eingereichten Projekten und ihrer regionalpolitischen Bedeutung abhängig.“

Die Grafik zeigt, wie viel Geld in der abgelaufenen Förderperiode nach Niedersachsen floss und welch großer Anteil davon in den Bereich des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg kam. Grafik: nbank
Die Grafik zeigt, wie viel Geld in der abgelaufenen Förderperiode nach Niedersachsen floss und welch großer Anteil davon in den Bereich des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg kam. Grafik: nbank

Aktuell sieht sich die NBank in einem „besonderen Jahr“, denn noch werden bis Ende 2015 Anträge aus der eigentlich abgelaufenen Periode bearbeitet, die Gelder ausgezahlt. Schon 2014 floss weniger Geld in die Region, was sowohl am Übergang der Förderperioden als auch auch an einem neuen Konzept für die Darlehensvergabe liegt. Dr. Johannsen: „Wir konzentrieren unsere Förderdarlehen gezielt auf Existenzgründer und energieeffiziente Unternehmen. Das prägt die Wirtschaftsförderung, ohne die Dynamik in der Region zu beinträchtigen.“ Aufgabe der NBank ist es, Fördermittel im Namen des Landes Niedersachsen zu bewilligen, um die Regionen in einer Bündelung von Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Wohnraum- und Infrastrukturförderung nach vorne zu bringen. Dabei ist die Beratungsstelle An der Münze in Lüneburg verantwortlich für das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg.

Das Fördervolumen 2014 für die Region Lüneburg beziffert Dr. Johannsen mit 146 Millionen Euro: „Damit wurden 794 Arbeitsplätze geschaffen, 465 Unternehmen gefördert, 70 Häuser und Eigentumswohnungen, 193 Mietwohnungen sowie 66 Häuser und Wohnungen durch Hochwasserschutz gefördert. Hinzu kommen 212 Förderungen in den Bereichen Infrastruktur, Städtebau, Kultur und Naturschutz.“

Bei der Wohnraumförderung wurde das Volumen von 172 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 329 Millionen Euro im vergangenen Jahr erhöht, sagt Dr. Johannsen: „Und die Tendenz geht weiter nach oben. Denn beim günstigen Wohnen gibt es einen Investitionsstau. Auch muss Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden.“

Als Pilotprojekt wurde 2014 der „Mikrostarter“ für die Region Lüneburg gestartet, bei der fünf Millionen Euro an Krediten zwischen jeweils 5000 bis 25000 Euro an 213 Unternehmen flossen. Das Geld verteilte sich auf 93 Existenzgründungen, 53 Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus, sieben Nachfolgen in Betrieben und 60 Förderungen für bestehende Unternehmen. „Ein echter Renner“, weiß die Lüneburger NBank-Beraterin Marieke Heisrath und nennt ein Beispiel: Ein 70 Jahre alter Rentner aus dem Landkreis Lüneburg gründete mit seiner Frau ein eigenes Unternehmen, fertigt maßgeschneiderte Kleidung für die ältere Generation. Die NBank finanzierte ihm Ladenausstattung, Nähmaschinen und Werbung. Dr. Sabine Johannsen: „Das Beispiel hebelt das Vorurteil aus, dass Banken älteren Leuten nichts geben.“ Das Projekt ist derart erfolgreich, dass am 1. Juli der Startschuss für das landesweite Mikrostarter-Angebot fällt.

Die NBank fördert mit Unterstützung von Partnern wie etwa den Kammern Projekte, die eine Chance zum Überleben haben, wobei Existenzgründer dann aber keine Sicherheiten bräuchten. Dr. Johannsen: „Wir wollen nicht das dritte Nagelstudio in einer Straße.“

Das Vorstandsmitglied nennt einige Förderbeispiele direkt aus der Hansestadt Lüneburg und dem Landkreis: Ein Lüneburger Unternehmen hat auf Basis seiner Software eine Onlineplattform entwickelt, auf der Mitarbeiter und Kunden ihre Wünsche und Ideen kundtun können, was die NBank als gruppendynamisches Innovationsprojekt wertet. Geld floss in die Infrastruktur beim Gewerbepark der Samtgemeinde Elbmarsch.

Und mit EU-Geld wurden Voraussetzungen für den Breitbandausbau geschaffen. Über die Kulturförderung wurde der Umbau des Scharffschen Hauses an der Heiligengeiststraße mitfinanziert. Und auch in das Projekt Soziale Stadt Kaltenmoor wird weiter investiert und das nicht nur in Bauförderungen, sagt Dr. Sabine Johannsen: „Uns ist der sozialpädagogische Ansatz wichtig, um Kulturen zusammenzuführen.“

Erfolgsmodell Innovationsinkubator

Als Erfolgsmodell sieht NBank-Vorstand Dr. Sabine Johannsen den Innovationsinkubator der Leuphana: „Von den insgesamt 63 Millionen Euro ist fast alles in die Projekte abgeflossen. Insgesamt erfolgt die Auszahlung bis Mitte/Ende des Jahres. Bei den Vorortkontrollen hat es bislang keine Beanstandungen gegeben.“ Über den Innovationsinkubator wurden bei 45 Projekten 690 Kooperationsvereinbarungen mit Unternehmen aus der Region geschlossen. Ich bin überzeugt: Die Region hat gelernt, noch stärker in Netzwerken zu arbeiten. Das Interesse an Kooperationen ist sowohl seitens der Wissenschaft als auch seitens der Wirtschaft groß.“