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Bereits heute soll in Hannover die Genossenschaft Bürgerwindpark Amelinghausen gegründet werden. Am Donnerstag folgt bereits die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zur erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplanes. Foto. A./t&w
Bereits heute soll in Hannover die Genossenschaft Bürgerwindpark Amelinghausen gegründet werden. Am Donnerstag folgt bereits die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zur erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplanes. Foto. A./t&w

Heidjer forcieren Windkraftprojekt

dth Amelinghausen. Bei der Planung von „Konzentrationsflächen“ für Windkraftparks drückt die Samtgemeinde Amelinghausen aufs Tempo. Mehrheitlich sprach sich der Bauausschuss bei seiner jüngsten Sitzug im Kultursaal des Rathauses dafür aus, im Flächennutzungsplan die Sonderbauflächen Windenergie in den Gemeinden Amelinghausen, Betzendorf, Rehlingen und Oldendorf/Luhe auszuweisen. Zum Start des Planungsprozesses findet bereits am Donnerstag, 21. Mai, eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung statt, bei der Bürger zu den Planungen Stellung nehmen können. Schon am heutigen Montag soll in Hannover die Genossenschaft „Bürger-Windpark Amelinghausen eG“ gegründet werden, die sich an den geplanten Windparks Ehlbeck, Etzen, Tellmer und Wetzen beteiligen will.

„Meine politische Überzeugung ist es, dass wir Windenergie in jeder Menge brauchen. Wir müssen erkennen, dass die fossilen Brennstoffe nicht unendlich sind“, sagt Eckhard Winkelmann, Initiator der geplanten Genossenschaft. Diese soll in Kürze in verschiedenen Informationsveranstaltungen den Bürgern vorgestellt werden. Winkelmann, der unter anderem für die Grünen im Samtgemeinderat Amelinghausen sitzt und stellvertretender Bürgernmeister in Rehlingen ist, nennt als Hauptmotivation die Möglichkeit zur „doppelten Wertschöpfung bei Windkraftparks zum einen durch die Flächeneigentümer und zum anderen durch die Bürger“. Winkelmann sagt: „Wenn es uns nicht gelingt, dass sich die Räder bis 2016 drehen, werden die Windkraftanlagen dennoch gebaut. Dann aber von großen Playern. Und dann verschwindet die Wertschöpfung in irgendwelchen Bilanzen.“

Wie berichtet, wollen lokale Planungsgesellschaften, die teilweise von Bauernverband Nordostniedersachsen oder der Landberatung Lüneburg begleitet werden, vier Windparks mit jeweils 200 Meter hohen Anlagen entwickeln. Der Windpark Ehlbeck soll aus sieben Windkraftanlagen bestehen, die Doppelfläche Tellmer/Diersbüttel soll mit vier Windrädern bestückt werden und auf der Teilfläche Wetzen in der Gemeinde Oldendorf/Luhe sind sechs vorgesehen. Zudem sollen die Bestandsanlagen bei Etzen in der Gemeinde Amelinghausen Gesellschaft bekommen.

Laut Winkelmann sind mit den Planungsgesellschaften von vier Windparks in der Samtgemeinde Amelinghausen die Vorhaben bereits per Vorvertrag geregelt. Ziel der neuen Genossenschaft soll es sein „unter der Voraussetzung, dass die wirtschaftlichen Prognosen überzeugend sind“ Windenergie-Anlagen in den Windparks zu kaufen: zwei in Ehlbeck und jeweils eine in Etzen, Tellmer und Wetzen. Das Investitionsvolumen beziffert Winkelmann auf 25 Millionen Euro. Das Eigenkapital, das durch Bürger der Samtgemeinde aufgebracht werden soll, liege bei rund sechs Millionen Euro.

Den Entwurf der Flächennutzungsplan-Änderung stellte neben Planer Matthias Reinold der Ingenieur Dietrich Kraetzschmer vom Büro „Planungsgruppe Umwelt“ vor. Kraetzschmer berät nicht nur den Landkreis Lüneburg bei der Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergie im übergeordneten Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP), sondern nun auch die Samtgemeinde Amelinghausen beim Flächennutzungsplan und die Mitgliedsgemeinden bei den vorhabenbezogenen Bebauungsplänen. Zwar werde beim Flächennutzungsplan der Samtgemeinde die Vorrangflächen aus dem Landkreis-Plan nachgebildet. Aber nach „eigenen planerischen Entscheidungen“ nach harten und weichen Kriterien, damit auch der F-Plan eine eigene steuernde Wirkung erhält. Amelinghausens Bauamtsleiter Michael Göbel sagte bei der Sitzung: „Nur mit einer rechtssicheren Ausschlussplanung kann ein Bau von Windkraftanlagen überall in der Samtgemeinde vermieden werden. Wir ermöglichen damit nicht die Windenergienutzung, sondern wir konzentrieren sie.“

Als stellvertretendes Mitglied nahm Winkelmann auch an der Sitzung des Bauausschusses teil und warb für die Entwicklung der Bürgerwindparks. Das blieb nicht unwidersprochen. Aussschussmitglied Wolfgang Marten (SPD) kritisierte die Zeitschiene: „Wir gehen heute in diesen Plan rein, obwohl der RROP-Entwurf vom Landkreis noch gar nicht beschlossen ist.“ Zumal ausreichend Transportleitungen und Speicher für den Windstrom fehlten. Dem pflichtete sein Fraktionskollege Oskar Bauer bei, dem auffiel, dass die Planer „die Ausschlusskriterien genauso hinbekommen haben, dass nur noch die Flächen übrig sind, wo nach einem alten Gutachten auch der Wind weht“. Doch auch mit Blick auf die Mindestabstände zu Splittersiedlungen kam Bauer zum Schluss: „Der Artenschutz des Menschen kommt hier nicht vor. Da mache ich nicht mit.“ Dem trat Norbert Thiemann (CDU) entgegen: „Wir haben einen rechtssicheren Weg eingeschlagen, davon will ich mich nicht abbringen lassen.“

Bei der Einwohnerfragestunde merkte Zuhörer Henning Soltau kritisch an, dass die Samtgemeinde bei der Planung der Mindestabstände hinter den eigenen Forderungen zurückbliebe, die sie noch bei den Stellungnahmen zum RROP des Kreises formuliert hatte. Zudem verwies er darauf, dass 200 Meter hohe Windkraftanlagen auf einer topographischen Erhöhung von 100 Metern das Landschaftsbild negativ beeinflussten. Die Windräder bei Tellmer würden eine Höhe von mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel erreichen. Soltau: „Selbst wenn Sie die St. Johanniskirche aus Lüneburg auf den Wilseder Berg stellen, wäre das 25 Meter niedriger …“

2 Kommentare

  1. Traum und Wirklichkeit.
    1. Einspeisungsvergütungen werden weiter sinken. Bürgerliches Investment kann nicht verläßlich über Jahrzehnte berechnet werden (ROI offen).
    2. Tourismus in Natur mit Windkraftanlagen vertragen sich nicht besonders. Andere Regionen zeigen das.
    3. Der negative Einfluß auf die Natur ist immer besser belegbar.
    4. Die Effizienz ist flatterhaft.
    5. Stromanbieter bieten wegen „Flatterstrom“ nicht die besten Verträge.
    6. Upgrade-Möglichkeiten gibt es nicht. Sollte eine deutlich bessere Wirksamkeit gefunden werden (nicht unwahrscheinlich), existieren nur noch Nachteile der Flügelriesen.

    u.v.m.

    • Tourismus in Natur mit Windkraftanlagen vertragen sich nicht besonders. Andere Regionen zeigen das.
      stimmt so nicht ganz. ich war an der nordsee. ostfriesland . es gibt dort eine menge windkraftanlagen. man sieht sie nicht, wenn man richtung wasser schaut. und deswegen sind ja wohl landratten auch dort gern zu gast, oder?