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Kita-Streik: „Noch kein großes Aufstöhnen“

us Lüneburg. Seit gut einer Woche streiken bundesweit die Erzieherinnen und Erzieher kommunaler Kitas für höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Morgen, Mittwoch, werden mehrere Tausend von ihnen in Lüneburg erwartet, die ihren Forderungen auf einer Großdemonstration in der Hansestadt Nachdruck verleihen wollen. Zwar richtet sich der Streik gegen die Kommunen, Leidtragende aber sind die Eltern, deren Kinder vor verschlossenen Kita-Türen stehen. Besonders hart trifft es berufstätige Eltern, die kaum Möglichkeiten haben, ihre Kinder anderweitig unterzubringen. Sie sind daher in besonderem Maße auf Verständnis und Unterstützung ihrer Arbeitgeber angewiesen.

„Für die Eltern ist es zurzeit wirklich schwierig, viele organisieren sich aber selbst“, sagt Ralph Karock, Assistent der Geschäftsführung der Lüneburger Cartoflex GmbH. So hätten sie bereits gegenseitig Nothilfegruppen eingerichtet, dadurch müsse immer nur ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin zu Hause bleiben. Fehlzeiten könnten dann „kompensiert“ werden, etwa durch Urlaubstage oder das Abbummeln von Überstunden. Etwa sieben der mehr als 200 Mitarbeiter des Unternehmens sind aktuell von dem Streik betroffen, die Produktion leide darunter noch nicht, „das wird durch Mehrarbeit der Kollegen aufgefangen.“

Mit einem Notfallplan hat sich die LAP GmbH Laser Applikationen in Lüneburg auf den Streik vorbereitet. „Wir haben unseren Mitarbeitern Angebote unabhängig von den geltenden Regelungen gemacht, deshalb hat uns der Streik nicht so hart getroffen“, erklärt LAP-Mitarbeiter Alexander Neubauer. Für die Dauer des Streiks können Mitarbeiter wählen, ob sie im Home-Office arbeiten, früher nach Hause gehen oder ihre Kinder mit an den Arbeitsplatz bringen wollen. „Das kam gut an“, sagt der Personalmanager. Größtenteils aber hätten sich die rund 25 betroffenen Mitarbeiter privat organisiert.

Auf Notfallbetreuung setzt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg für ihre Mitgliedsunternehmen. „Wir sammeln praxistaugliche Beispiele, um wenigstens einen Teil der Betroffenen auffangen zu können“, sagt Sönke Feldhusen, bei der IHK für Existenzgründung und Unternehmensförderung zuständig. Belegplätze in Kitas, Tagesbetreuungsangebote oder Tagespflegepersonen seien solche Beispiele. Noch aber habe man – anders als beim Bahnstreik – seitens der Mitgliedsunternehmen „kein großes Aufstöhnen“ vernommen.

Während vor allem größere Unternehmen sich bereits auf die aktuelle Situation eingestellt haben, kann der Streik für kleinere Handwerksbetriebe aber durchaus zum Problem werden, wie Frank Ahlborn von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade erklärt: „Das ist jetzt eine Sondersituation, für die es noch kein Patentrezept gibt.“ Was bei Büroarbeitsplätzen noch möglich sei – etwa das Mitbringen der Kinder an den Arbeitsplatz – sei bei Handwerksbetrieben in der Regel ausgeschlossen. Wie stark diese Betriebe vom Streik betroffen sind, konnte Frank Ahlborn nicht sagen, „dazu haben wir noch kein Feedback.“

Dass die Möglichkeiten für eine Notfallbetreuung noch nicht ausgeschöpft sind, macht Brigitte Kaminski, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft, deutlich. So habe der Landkreis Stormarn beispielsweise Tagespflege-Personen eingestellt, die bei Bedarf in den Betrieb kommen oder auch zu Hause helfen können. „Auf jeden Fall sollten sich alle Betroffenen an einen Tisch setzen, denn das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird für viele Mitarbeiter immer wichtiger“, empfiehlt Kaminski.

Zwar sieht das auch die IHK so, sie sorgt sich aber vor allem um die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Unternehmen. Deshalb sollen, wie Sören Feldhusen erklärt, die Frauenerwerbsquote und die wöchentlichen Arbeitszeiten von Müttern sogar noch ausgebaut werden. „Dies erfordert das Verteilen der Familienaufgaben auf die Schultern von Vätern und Müttern sowie eine verlässliche und flexible Kinderbetreuung auf hohem Niveau. Die Auswirkungen des Kita-Streiks unterstreichen dies noch einmal.“ In der Pflicht, eine gute Betreuungsinfrastruktur zu schaffen, stünden aber nicht die Unternehmen, „das muss der Staat gewährleisten.“

Informationen zur aktuellen Notbetreuung sowie zu Verkehrhinweisen finden Sie hier.