Aktuell
Home | Lokales | Gewässerverunreinigugen: Trübe Erkenntnisse beim Mühlenbach
Die Biogasanlage in Südergellersen ist laut Landkreis Verursacher für die jüngsten Verunreinigungen des Hasenburger Mühlenbachs. Andere vermuten, dass auch der Mühlenteich in Heiligenthal Mitverursacher ist. Foto. A./t&w
Die Biogasanlage in Südergellersen ist laut Landkreis Verursacher für die jüngsten Verunreinigungen des Hasenburger Mühlenbachs. Andere vermuten, dass auch der Mühlenteich in Heiligenthal Mitverursacher ist. Foto. A./t&w

Gewässerverunreinigugen: Trübe Erkenntnisse beim Mühlenbach

us Lüneburg. „Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Biogasanlage in Südergellersen auch für die erste Verschmutzung verantwortlich ist. Abschließend wird es sich aber wohl nicht mehr klären lassen.“ Auch wenn letzte Zweifel nicht auszuräumen seien, für Stefan Bartscht vom Landkreis Lüneburg ist das Kapitel der jüngsten Verschmutzungen des Hasenburger Mühlenbachs vorerst beendet: „Der Bach hat keine nachhaltige Verschlammung erfahren“, sagt der Fachbereichsleiter Umwelt, das habe ein Gewässerbiologe bestätigt.

Das sieht Karl-Wilhelm Kirsch anders. Der ehemalige Hochschullehrer für Gewässer­ökologie und Sachverständige für Ornithoökologie hatte im März auf die Verunreinigungen aufmerksam gemacht und sieht nach wie vor im Heiligenthaler Mühlenteich die eigentliche Quelle für die Verschlammung des Bachs. „Den Schlamm kann man heute noch nachweisen, das zeige ich dem Landkreis gern“, sagt Kirsch. Auch bezweifelt er, dass die Biogasanlage für beide Vorfälle verantwortlich sei: „Das ließe sich leicht durch entsprechende Proben klären.“ Stelle sich heraus, dass die Proben im Bachbett oberhalb des Mühlenteichs eine andere Beschaffenheit haben als unterhalb, wäre nach Auffassung von Kirsch klar, dass nur der Mühlenteich als Quelle infrage komme. Er selbst habe beide Stellen am 16. April in Augenschein genommen und festgestellt, dass unterhalb des Teichs nur schwarzer Schlamm angefallen sei, oberhalb sei der Schlamm hingegen hell und anders beschaffen gewesen.

Dass auch die Biogasanlage den Mühlenbach verunreinigt hat, bezweifelt Kirsch nicht, „im Gegenteil, da hat der Landkreis gute Arbeit gemacht“. Nachdem Anfang April zum zweiten Mal in kurzer Folge Verunreinigungen bekannt geworden waren, hatten sich Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Kreises auf die Suche nach dem Verursacher begeben und waren dabei auf dem Betriebsgelände in Südergellersen fündig geworden. Dort war verunreinigtes Oberflächenwasser aus der Biogasanlage in den Bach gelaufen, wie entnommene Wasserproben später ergaben.

Allerdings war zunächst unklar geblieben, ob auch die erste Verschmutzung von Mitte März der Biogasanlage zugeschrieben werden konnte. Wie berichtet, hatte Kirsch beide Male unterschiedliche Färbungen und Gerüche des Bachwassers wahrgenommen, Mitglieder der Lüneburger Sportangler-Kameradschaft hatten zudem beobachtet, dass der Hasenburger Mühlenteich in dem betreffenden Zeitraum leergelaufen war und hatten ihn ebenfalls als mögliche Quelle für die Verschlammung in die Diskussion gebracht. Zwar hatte Teich-Besitzer Martin Zackariat eingeräumt, die Schleusen geöffnet zu haben, er erklärte aber auch, dass der Bach bereits schwarzgefärbt bei ihm angekommen sei (LZ berichtete).

„Wir haben alle möglichen Eintragsquellen erkundet, sind allem nachgegangen und haben Zeugen befragt“, erklärt Bartscht. Dass trotz unterschiedlicher Eintrübungen des Bachs dennoch nur die Biogasanlage infrage komme, erkläre sich aus heftigen Regenfällen, die beim ersten Eintrag Mitte März niedergegangen sein sollen. Aufgrund des aufgeweichten Bodens seien mehr Stoffe in den Bach gespült worden als beim zweiten Mal. Zwar hätten Wasserproben nach der ersten Verunreinigung Gewissheit schaffen können, „doch da sind wir zu spät informiert worden“. Dem widerspricht Kirsch, er habe den Kreis bereits am 14. März informiert und darum gebeten, der Sache nachzugehen, kann aber keinen Ansprechpartner nennen.

Bei dem Vorfall an der Biogasanlage in Südergellersen war auch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt eingeschaltet worden. Ob und welche Konsequenzen auf den Betreiber der Anlage zukommen, dazu wollte sich Christina Freifrau von Mirbach noch nicht äußern. „Wir ermitteln noch“, erklärte die stellvertretende Behördenleiterin. Sie will zunächst die Ergebnisse der Bodenproben abwarten, die ihre Behörde vom angrenzenden Gelände der Biogasanlage genommen hatte. Auch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, sie will klären, ob die Einleitung des verunreinigten Oberflächenwassers vorsätzlich oder fahrlässig geschah. Auch Karl-Wilhelm Kirsch soll dazu angehört werden.

Mehr dazu:

Hasenburger Mühlenbach: Trübes Wasser sorgt für Rätsel
Gewässerverunreinigung: Die Spur führt bachaufwärts
Gewässer durch Biogas-Anlage Südergellersen verunreinigt