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Nachschub für Lüneburgs ersten Eier- und Kartoffelautomaten. In Häcklingen haben Jochen und Hilke Hartmann Neuland betreten und bieten ihre Ware in Zukunft auf Knopfdruck an. Foto: t&w
Nachschub für Lüneburgs ersten Eier- und Kartoffelautomaten. In Häcklingen haben Jochen und Hilke Hartmann Neuland betreten und bieten ihre Ware in Zukunft auf Knopfdruck an. Foto: t&w

Lebensmittelautomaten: Gutes vom Lande per Knopfdruck

off Lüneburg. Karlsruhe, November 2013, Messegelände. Jochen und Hilke Hartmann bummeln über die expoDirekt, fast 80 Aussteller präsentieren Trends und Innovationen für landwirtschaftliche Direktvermarkter ein Termin, den die beiden Junglandwirte aus Rettmer „nur mal zum Gucken“ nutzen wollen. Eigentlich. Doch dann entdecken sie in einer Ecke diesen Automaten. Zwei Meter hoch, klimatisiert, individuell zu gestalten. Perfekt für Eier. Und damit perfekt für ihr neues Standbein. Hilke Hartmann lässt sich Unterlagen und Kontaktdaten geben, das Ergebnis steht seit wenigen Tagen in Häcklingen: Lüneburgs erster Eier- und Kartoffelautomat.

Bisher verkaufte das Ehepaar den Großteil seiner Eier ab Hof. Die Ware steht in einer Art Gartenhaus, die Kunden bedienen sich selbst ein Klassiker, wie es ihn auf vielen Bauernhöfen gibt. Mit dem Automaten betritt das Ehepaar jetzt Neuland. Ob er angenommen wird? „Wir hoffen es“, sagt Hilke Hartmann. Sie selbst war vom ersten Moment an begeistert von der Automaten-Idee. „So können wir unsere Eier und Kartoffeln da hinbringen, wo es vielleicht noch keine Eier zu kaufen gibt.“ Für den Kunden funktioniert der Einkauf ähnlich wie beim Süßigkeitenautomaten. Nummer drücken. Geld einwerfen. Ware mitnehmen.

Wo die Eier aus dem Automaten herkommen, können sich die Kunden rund um Rettmer selbst angucken. Drei mobile Hühnerställe betreiben Hilke und Jochen Hartmann inzwischen, halten insgesamt knapp 1000 Hennen, beliefern inzwischen auch zwei Lebensmittelmärkte. Angefangen haben sie 2013 mit rund 250 Tieren und einem Mobil-Stall, hielten vorher nur ein paar Hennen am Hof. Inzwischen ist vor allem Hilke Hartmann zur echten Expertin geworden, ein durchaus mühsamer Weg. Bis nach Göttingen musste sie für Seminare über die Hennen-Haltung in Mobil-Ställen fahren, „weil fast alle Angebote auf größere Tierzahlen ausgerichtet sind“. Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt, neben den Grundlagen kennen Hartmanns heute auch etliche Tricks, wie sie ihren Hennen das Leben schöner und sich selbst die Arbeit angenehmer machen können.

Ein Muss in Hartmanns Ställen sind zum Beispiel die Wannen mit Urgesteinmehl, „darin nehmen die Hennen ausgiebige Staubbäder und schützen sich vor Milben“, erklärt Jochen Hartmann. Für das bessere Wohlbefinden mischt seine Frau Hilke den Neuzugängen Willkommensmahlzeiten aus Öl, Bierhefe, Oregano und Himalaya-Salz. „Und zur zusätzlichen Beschäftigung bekommen die Hühner Kartoffeln, Kürbisse oder anderes Saisongemüse.“ Viel Aufwand, „aber auch viel Freude“, sagt Jochen Hartmann. „Wenn ich morgens bei den Hühnern stehe und ihnen zugucke, wie sie im Sand baden oder durchs Grün laufen, das ist einfach nur schön.“

Doch der Umgang mit den Tieren ist nicht alles, was Jochen Hartmann am neuen Betriebszweig reizt. „Als Ackerbauer liefere ich meine Produkte normalerweise beim Landhandel ab und bekomme dann mein Geld“, sagt er, „Einfluss auf Preise und Vertriebswege habe ich nicht.“ Bei den Eiern und einem Teil seiner Kartoffeln müssen er und Ehefrau Hilke selbst entscheiden, welchen Preis sie nehmen, welche Vertriebswege sie nutzen und ob sie den Automaten nun kaufen oder nicht. Was funktioniert und was nicht, lernen sie direkt vom Kunden oder im Fall des Automaten von der Häufigkeit der E-Mails, mit denen sie die Maschine ans Nachfüllen erinnert.

One comment

  1. Sicherlich eine gute Idee für vom Handel abgeschnittene Ortschaften wie Barnstedt oder Kolkhagen ! Wie kommt der Automat an Elektrizität ? Läuft der mit Solarstrom ?